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F.A.Z.-Index : Die nächsten Meilensteine sind erreicht

Bild: AFP

Egal ob es um den F.A.Z.-Index geht oder um die kleine Biotechnologiefirma Evotec: Im Oktober haben beide wichtige Meilensteine auf dem Weg nach oben genommen. Hoffnung auf tolle Erfindungen und die Geldpolitik sind die Gründe.

          Fast könnte man meinen, das Unternehmen, das seinen Hauptsitz auf dem Manfred Eigen Campus in Hamburg, hat, bildet vornehmlich Führungskräfte in Sachen Projektmanagement aus. Ein „Meilenstein“ nach dem anderen wird dort erreicht, heißt es auf der Internetseite der Firma - übersetzt man „Meilenstein“ aus der Sprache der Managementtrainer in die der Trainierenden, bedeutet das so viel wie Zwischenziel oder Etappensieg. Die Idee dahinter lautet: Wer ein kompliziertes Vorhaben in viele kleine Schritte unterteilt, kann häufiger Erfolge feiern und die Moral der Truppe steigern. Und noch wichtiger: Anderen davon erzählen und dazu animieren, einzusteigen.

          Ein Überflieger

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Tatsächlich bringt das Unternehmen Evotec, dessen Hauptsitz die genannte Adresse hat, gerade offenbar ziemlich viele Investoren dazu, einzusteigen. An der Börse ist der Wert derzeit ein regelrechter Überflieger. Der Aktienkurs hat sich allein im vergangenen Monat um mehr als 30 Prozent erhöht - ignoriert man den Pharmahändler Celesio, dessen noch größerer Kurssprung aus einem Übernahmeangebot resultiert, war Evotec im Oktober der beste Wert im den deutschen Aktienmarkt breit abbildenden F.A.Z.-Performance-Index. Wer zu Jahresbeginn für 100 Euro Anteile an dem Biotechnologie-Unternehmen gekauft hat, kann sie nun sogar für 175 Euro verkaufen - und eine satte Rendite von 75 Prozent Vorsteuern einstreichen.

          Grund dafür sind ebenjene erreichten Meilensteine, die das Unternehmen fortwährend mitteilt. Dahinter verbirgt sich ein bunter Strauß an Kooperationsvereinbarungen mit großen Pharmakonzernen dieser Welt und wichtigen Universitäten. Allein im Oktober seien beispielsweise wichtige Meilensteine in der Zusammenarbeit mit dem deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim und dem belgischen Unternehmen UCB erreicht worden. Außerdem teilte Evotec mit, nun mit dem britischen Pharmariesen Astra-Zeneca Nierenerkrankungen zu erforschen und mit der amerikanische Harvard-Universität ein zweites Projekt zu starten. In Harvard ist es übrigens wieder das Labor des Evotec-Beobachtern längst bekannten Professor Doug Melton, und wieder geht es darum, Diabetes zu bekämpfen. Melton sorgte schon im März dafür, dass der Evotec-Aktienkurs in die Höhe schoss. Er veröffentlichte damals einen Artikel in der naturwissenschaftlichen Fachzeitschrift „Cell“ über ein Hormon namens Betatrophin, dem Experten zutrauen, womöglich einmal die Diabetesbehandlung zu revolutionieren.

          Anleger sind optimistisch

          Ob und wie sich die vielen Partnerschaften für Evotec in barer Münze auszahlen, lässt sich derzeit nicht exakt abschätzen. Die Anleger jedenfalls gehen ihren Kaufentscheidungen folgend mehrheitlich davon aus, dass Evotec gut aufgestellt ist. Auch auf dem aktuellen Kursniveau von nunmehr 4,60 Euro kommt die Aktie professionellen Marktbeobachtern nicht zu teuer vor. Von den acht beim Finanzportal Bloomberg registrierten Analysten, die Evotec untersuchen, empfehlen sechs die Aktie noch immer zum Kauf und nur jeweils einer, sie zu halten oder abzustoßen. „Der Markt interpretiert die vielen verkündeten neuen Kooperationen mit namhaften Pharmakonzernen und bedeutenden Universitäten wie einen Ritterschlag“, erklärt Heinz Müller, der Evotec für die DZ Bank analysiert.

          Den nächsten Meilenstein erreicht hat unterdessen auch der deutsche Aktienmarkt insgesamt. Der hundert Werte umfassende und damit die heimische börsennotierte Unternehmenslandschaft breit repräsentierende F.A.Z.-Index überwand im Oktober die Marke von 1900 Punkten und setzt damit seine Hausse fort. Um mehr als 5 Prozent legte der Index zu, und man muss schon bis ins Frühjahr 2008 zurückschauen auf dem Kurschart, um ihn auf einem ähnlich hohen Niveau auszumachen - also in die Zeit vor der Lehman-Insolvenz und vor der Eskalation der Finanz- und Euro-Krise.

          Die Gründe

          Im Wesentlichen sind es drei Gründe, die erklären, wieso die Aktienkurse in Deutschland gestiegen sind. Einmal sind es schlicht solide dastehende und gut verdienende Unternehmen, die auch während der Krisenphasen gezeigt haben und zeigen, dass sie profitabel sind und in vielen Bereichen auch auf der ganzen Welt gutes Geld verdienen. Für sie ist es nicht so dramatisch, dass die gesamtwirtschaftliche Aktivität in Europa trotz leichter Erholung eher schwach ist. Eine Unterstützung für die Aktienhausse bleibt auch die weiterhin expansiv ausgerichtete Geldpolitik der großen Zentralbanken. Wenig erstaunlich ist daher, dass der F.A.Z.-Index auf seinem Monatstiefpunkt knapp unterhalb von 1800 Punkten gerade dann schloss (und seitdem zulegt), als der amerikanische Präsident Barack Obama verkündete, dass Janet Yellen künftig die amerikanische Notenbank führen und damit Ben Bernanke beerben wird. So wird die Federal Reserve ihr jeden Monat Milliarden Dollar umfassendes Lockerungsprogramm („QE“) länger fortführen, interpretierte die Investorengemeinde die Spitzenpersonalie. Yellen betonte in einer ersten Stellungnahme denn auch gleich das duale Mandat der amerikanischen Notenbank und damit insbesondere auch ihre Aufgabe, für einen hohen Beschäftigungsstand zu sorgen.

          Und schließlich hilft dem Aktienmarkt auch weiterhin die in den Augen vieler Anleger vorherrschende „Alternativlosigkeit“ zur Aktienanlage. Festverzinsliche Anlageformen bringen immer noch meist nur Minirenditen, unter Abzug der niedrigen Teuerungsrate ohnehin. Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentieren derzeit beispielsweise mit 1,7 Prozent. Allein die auf Basis der Gewinnschätzungen für die im F.A.Z.-Index notierten Unternehmen geschätzte Dividendenrendite liegt mit 2,9 Prozent merklich darüber - beinhaltet natürlich aber die verglichen mit Bundesanleihen höheren Kursänderungsrisiken. Der Unterschied zwischen beiden Größen ist im Zuge der Aktienhausse allerdings dahingeschmolzen und für Anleger längst nicht mehr so attraktiv wie noch vor Monaten.

          Zugleich gilt: Deutsche Aktien sind auch gemessen an populären Bewertungsmaßstäben wie etwa dem Verhältnis aus erwarteten Unternehmensgewinnen und aktuellen Börsenkursen (KGV) und bezogen auf die eigene Historie nicht mehr günstig. Die Bewertung liegt nun im Bereich langfristiger Durchschnittswerte. Das spricht nicht zwingend gegen eine Jahresendrally. Wenn der F.A.Z.-Index in nächster Zeit allerdings nicht auf den nun bevorstehenden Meilenstein „F.A.Z.-Index 2000“ zustrebt, sondern erst einmal pausiert oder korrigiert, wäre auch das nicht sonderlich überraschend.

          Weiter korrigiert hat im Oktober schon mal der Aktienkurs des Maschinenbauers Aixtron. Mit einem Kursminus von 15 Prozent entwickelte sich kein Wert des F.A.Z.-Index schlechter während dieser Zeit. Gut 10 Euro kostet ein Anteilschein nun, was beinahe 4 Euro unterhalb des Jahreshochs im Frühsommer ist. In diesem Fall haben erwartete schwache Geschäftszahlen dafür gesorgt, dass sich Anleger von ihren Anteilen trennten und den Kurs auf Talfahrt schickten. „Aixtron leidet weiter unter schwacher Nachfrage aufgrund der Überkapazitäten im LED-Equipmentmarkt und verdient operativ kein Geld“, erklärt Walter Schneider, der das Unternehmen für die LBBW analysiert. Die wichtige asiatische Kundschaft des nahe Aachen beheimateten Unternehmens baute in den Jahren 2010 und 2011 subventioniert große Produktionskapazitäten auf und muss deswegen trotz wachsender Herstellung noch nicht neue Maschinen in nennenswertem Umfang anschaffen.

          Die daraus für Aixtron resultierende Durststrecke zieht sich nun schon beinahe zwei Jahre hin. Allerdings: Die im Oktober durchgeführte Kapitalerhöhung im Volumen von mehr als 100 Millionen Euro gelang offenbar mühelos, und das Unternehmen hat schon vor einiger Zeit in Reaktion auf die gesunkene Nachfrage seine Kosten substantiell verringert. Und dann meldete es für das dritte Quartal immerhin einen Gewinn (Ebit) von beinahe 3 Millionen Euro. Auch Aixtron hat so, zumindest in den Augen der Börsianer, einige Meilensteine genommen.

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