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F.A.Z.-Index : Die nächsten Meilensteine sind erreicht

Die Gründe

Im Wesentlichen sind es drei Gründe, die erklären, wieso die Aktienkurse in Deutschland gestiegen sind. Einmal sind es schlicht solide dastehende und gut verdienende Unternehmen, die auch während der Krisenphasen gezeigt haben und zeigen, dass sie profitabel sind und in vielen Bereichen auch auf der ganzen Welt gutes Geld verdienen. Für sie ist es nicht so dramatisch, dass die gesamtwirtschaftliche Aktivität in Europa trotz leichter Erholung eher schwach ist. Eine Unterstützung für die Aktienhausse bleibt auch die weiterhin expansiv ausgerichtete Geldpolitik der großen Zentralbanken. Wenig erstaunlich ist daher, dass der F.A.Z.-Index auf seinem Monatstiefpunkt knapp unterhalb von 1800 Punkten gerade dann schloss (und seitdem zulegt), als der amerikanische Präsident Barack Obama verkündete, dass Janet Yellen künftig die amerikanische Notenbank führen und damit Ben Bernanke beerben wird. So wird die Federal Reserve ihr jeden Monat Milliarden Dollar umfassendes Lockerungsprogramm („QE“) länger fortführen, interpretierte die Investorengemeinde die Spitzenpersonalie. Yellen betonte in einer ersten Stellungnahme denn auch gleich das duale Mandat der amerikanischen Notenbank und damit insbesondere auch ihre Aufgabe, für einen hohen Beschäftigungsstand zu sorgen.

Und schließlich hilft dem Aktienmarkt auch weiterhin die in den Augen vieler Anleger vorherrschende „Alternativlosigkeit“ zur Aktienanlage. Festverzinsliche Anlageformen bringen immer noch meist nur Minirenditen, unter Abzug der niedrigen Teuerungsrate ohnehin. Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentieren derzeit beispielsweise mit 1,7 Prozent. Allein die auf Basis der Gewinnschätzungen für die im F.A.Z.-Index notierten Unternehmen geschätzte Dividendenrendite liegt mit 2,9 Prozent merklich darüber - beinhaltet natürlich aber die verglichen mit Bundesanleihen höheren Kursänderungsrisiken. Der Unterschied zwischen beiden Größen ist im Zuge der Aktienhausse allerdings dahingeschmolzen und für Anleger längst nicht mehr so attraktiv wie noch vor Monaten.

Zugleich gilt: Deutsche Aktien sind auch gemessen an populären Bewertungsmaßstäben wie etwa dem Verhältnis aus erwarteten Unternehmensgewinnen und aktuellen Börsenkursen (KGV) und bezogen auf die eigene Historie nicht mehr günstig. Die Bewertung liegt nun im Bereich langfristiger Durchschnittswerte. Das spricht nicht zwingend gegen eine Jahresendrally. Wenn der F.A.Z.-Index in nächster Zeit allerdings nicht auf den nun bevorstehenden Meilenstein „F.A.Z.-Index 2000“ zustrebt, sondern erst einmal pausiert oder korrigiert, wäre auch das nicht sonderlich überraschend.

Weiter korrigiert hat im Oktober schon mal der Aktienkurs des Maschinenbauers Aixtron. Mit einem Kursminus von 15 Prozent entwickelte sich kein Wert des F.A.Z.-Index schlechter während dieser Zeit. Gut 10 Euro kostet ein Anteilschein nun, was beinahe 4 Euro unterhalb des Jahreshochs im Frühsommer ist. In diesem Fall haben erwartete schwache Geschäftszahlen dafür gesorgt, dass sich Anleger von ihren Anteilen trennten und den Kurs auf Talfahrt schickten. „Aixtron leidet weiter unter schwacher Nachfrage aufgrund der Überkapazitäten im LED-Equipmentmarkt und verdient operativ kein Geld“, erklärt Walter Schneider, der das Unternehmen für die LBBW analysiert. Die wichtige asiatische Kundschaft des nahe Aachen beheimateten Unternehmens baute in den Jahren 2010 und 2011 subventioniert große Produktionskapazitäten auf und muss deswegen trotz wachsender Herstellung noch nicht neue Maschinen in nennenswertem Umfang anschaffen.

Die daraus für Aixtron resultierende Durststrecke zieht sich nun schon beinahe zwei Jahre hin. Allerdings: Die im Oktober durchgeführte Kapitalerhöhung im Volumen von mehr als 100 Millionen Euro gelang offenbar mühelos, und das Unternehmen hat schon vor einiger Zeit in Reaktion auf die gesunkene Nachfrage seine Kosten substantiell verringert. Und dann meldete es für das dritte Quartal immerhin einen Gewinn (Ebit) von beinahe 3 Millionen Euro. Auch Aixtron hat so, zumindest in den Augen der Börsianer, einige Meilensteine genommen.

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