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F.A.Z. exklusiv : Überraschungen im Depot der Deutschen

Trotz Abgasaffäre ist die VW-Aktie gefragt Bild: Reuters

Wie legen die Deutschen ihr Geld an? Meist gibt es darüber nur recht blutleere Statistiken. Jetzt hat die ING Diba einen Blick in die Depots ihrer Kunden geworfen - und die Ergebnisse der F.A.Z. vorgestellt.

          Informationen über das konkrete Anlageverhalten der Deutschen sind selten. Meist beruhen sie auf blutleeren Statistiken der Deutschen Bundesbank, Handelsstatistiken der Börse oder auf mehr oder weniger repräsentativen Umfragen, bei denen fraglich bleibt, ob die Angaben subjektiv geschönt oder wahrhaft gemacht worden sind. Die ING-Diba hat nun erstmals einen konkreten Blick in die 922.000 Depots ihrer Kunden geworfen, beobachtet, was dort vor sich geht und die Ergebnisse der F.A.Z. exklusiv vorgestellt.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Das erste überraschende Ergebnis: Aktien spielen die dominierende Rolle in der Geldanlage. 57 Prozent des Depotvolumens sind einzelne Aktien. Weniger überraschend ist dabei der Zusammenhang zwischen Aktienanlage und Alter. Je älter die Kunden, desto höher der Aktienanteil. So hält die Altersgruppe ab 76 Jahren 65 Prozent ihres Depots direkt in Einzelaktien. Bei den bis 17 Jahre alten Kunden waren es „nur“ 43 Prozent.

          Favorisierte Aktie ist Daimler. Seit Jahresanfang haben die ING-Diba-Kunden netto zusätzlich 260 Millionen Euro in Daimler-Aktien angelegt. Das rege Interesse an dieser Aktie deckt sich mit den Handelsaktivitäten an den Börsen. Sowohl in der Handelsumsatz-Statistik der Deutschen Börse lag Daimler auf der vor allem von institutionellen Großanlegern genutzten elektronischen Plattform Xetra im November an der Spitze, wie auch in der vornehmlich von Privatanlegern genutzten Handelsplattform Tradegate.

          Kauflaune nach dem Brexit-Votum

          Weiter rege zugekauft wurden dieses Jahr zudem die Aktien von Allianz, Deutscher Bank, Commerzbank und Bayer. Die Anleger scheinen ein Faible für Aktien zu haben, die nicht gerade auf ihren Jahreshochs notieren, sondern bei denen sie offenbar noch Spielraum nach oben wittern. Dazu passt, dass die ING-Diba bei der Analyse der Handelstransaktionen des Jahres 2015 die VW-Aktie als am stärksten zugekauften Wert feststellte, obwohl der Diesel-Skandal der Aktie schwer zusetzte.

          In Kauflaune zeigten sich die ING-Diba-Kunden auch am Tag nach dem Brexit-Votum. Sie kauften für 383 Millionen Euro Wertpapiere. Die Verkäufe erreichten an diesem bislang umsatzstärksten Tag nur 201 Millionen Euro. Der Schwerpunkt liegt in den Depots auf deutschen Aktien. Mit Blick auf die vergangenen drei Jahre schaffte es aber die Aktie von Apple unter die fünf meistgehandelten Werte. Investitionen in internationale Aktien tätigen die Anleger ansonsten vornehmlich über ETFs (Indexfonds). Nach dem iShares-Dax folgen auf den nächsten drei Plätzen jeweils Indexfonds auf den global anlegenden Industrieländeraktienindex MSCI World.

          Die ING Diba hat einen Blick in die Depots ihrer Kunden geworfen.

          Insgesamt machen Indexfonds jedoch nur 9 Prozent der Depots aus, obschon es sich bei der ING-Diba um eine Direktbank ohne Anlageberatung und Filialvertrieb handelt. Ihre Klientel der Selbstentscheider gilt eigentlich als ETF-affin. Insofern ist eine weitere Überraschung der Auswertung, dass 24 Prozent des Depotvolumens in klassischen, aktiv gemanagten und damit teureren Fonds angelegt sind, die nicht auf Druck eines Filialvertriebs, sondern aus eigenem Antrieb gekauft worden sind.

          Im Durchschnitt Wertpapiere im Wert von gut 30.000 Euro

          Anleihen spielen eine weit geringere Rolle als Aktien, kommen in der Direktanlage aber immerhin noch auf einen Anteil von 8 Prozent in den Depots. Zertifikate und sonstige Wertpapiere machen nur 2 Prozent der Depots aus. Während bei Aktien Daimler mit Zuflüssen von 260 Millionen Euro an der Spitze lag, reichen bei den Anleihen 9 Millionen Euro für den Spitzenplatz: eine Nachranganleihe der Deutschen Bank. Auf Platz zwei folgte eine weitere Nachranganleihe der Deutschen Bank, vor Titeln von Bayer, Commerzbank und Volkswagen.

          In einem durchschnittlichen Depot bei der ING-Diba liegen Wertpapiere im Wert von gut 30.000 Euro. Es werden konstant steigende Zuflüsse verzeichnet. Die Anleger führten bis Oktober im Durchschnitt 8,6 Handelstransaktionen aus.

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