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Europäische Banken : Erholungsrally der Bankaktien

Die Großbank JP Morgan hat im zweiten Quartal mehr als 6 Milliarden Dollar verdient. Bild: AFP

Europas Banken legen an der Börse deutlich zu. Doch sie bereiten weiter Sorgen. Ihre Probleme sind zu groß und Lösungen nicht in Sicht.

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          Die europäischen Bankaktien sind in der Gunst der Anleger gestiegen. Das trifft jedenfalls für die vergangene Woche zu. Denn in den vergangenen fünf Handelstagen hat der Stoxx-Bankenindex für die Institute aus dem Euroraum um fast 14 Prozent zulegt, was doppelt so viel ist wie der Leitindex für den Euroraum, der Euro Stoxx 50, in diesem Zeitraum gewonnen hat. Seit Jahresanfang sind Banken jedoch die an den Börsen am meisten gebeutelte Branche.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Stoxx-Bankenindex liegt noch immer mit fast 30 Prozent im Minus. Die jüngste Erholungsrally europäischer Bankaktien lässt sich mit den gleichen Gründen erklären wie der Anstieg am Gesamtmarkt: Schockwellen durch einen EU-Austritt Großbritanniens werden nicht mehr befürchtet und die Ansicht, dass die Notenbanken den Markt jederzeit stützen werden, ist weit verbreitet.

          Erfreuliche Zahlen sorgen für Erleichterung

          Daneben hängen die Bankaktien weiterhin an den Herausforderungen, vor denen der Finanzsektor steht. Niedrige Zinsen, digitale Revolution und strengere Aufsichtsregeln belasten die Banken derart, dass sogar ihre Geschäftsmodelle in Frage stehen. Da sorgen gute Zahlen für Erleichterung. Die lieferte am Donnerstag die amerikanische Großbank JP Morgan, die im zweiten Quartal trotz des schwierigen Marktumfelds durch das Brexit-Votum mehr als 6 Milliarden Dollar verdient hat.

          Erfreulich fielen auch die Zahlen im Wertpapierhandel aus, vor allem bei Anleihen. Das nährt die Zuversicht für die Zahlen der Deutschen Bank, die am 27. Juli veröffentlicht werden. Deren Aktie legte am Donnerstag in der Spitze um fast 5 Prozent auf 13,15 Euro zu. Auch die Erste Group, das Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen, überraschte mit einem guten Quartalsergebnis. Die Erste-Group-Aktie legte an der Wiener Börse um bis zu 11,8 Prozent zu.

          Trotzdem besteht zur Entwarnung kein Anlass. Wasser in den Wein schüttete der Anlagestratege der amerikanischen Fondsgesellschaft Blackrock, Richard Turnill. Der Gegenwind für europäische Banken werde immer stärker, sagte er in einem Fernsehinterview mit Bloomberg. Er nannte das niedrige Wachstum und die negativen Zinsen als Gefahren. Der größte Vermögensverwalter der Welt macht um Europas Banken einen Bogen. Turnill bezeichnete deren Aktien als „Wertfalle“.

          Staatshilfen für italienische Banken

          Mit seinen Aussagen rückt die italienische Bankenkrise in den Blickpunkt: Hier hat sich in den vergangenen Tagen eine Entspannung abgezeichnet, in deren Folge italienische Bankaktien deutlich gewonnen haben. Am vergangenen Donnerstag hatte der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Vítor Constâncio, Staatshilfen für Banken ins Spiel gebracht. Diese könnten stabilisierend wirken. Seitdem haben die zuvor unter die Räder gekommenen Aktien haussiert. Der Kurs der Banca Popolare dell’ Emilia Romagna hat 31 Prozent gewonnen. Der Titel des Veroneser Banco Popolare ist um 29 Prozent nach oben gesprungen, ebenso die Aktie der Monte dei Paschi di Siena, für die Staatshilfen erwogen werden.

          Am Donnerstag sorgte ein Bericht der italienischen Zeitung „Il Messaggero“ für neue Hoffnung. Demnach kann sich Monte dei Paschi beim geplanten Verkauf notleidender Kredite Hoffnung auf eine milliardenschwere Zwischenfinanzierung durch die amerikanische Bank JP Morgan machen. Der Zeitung zufolge steht JP Morgan bereit, einen Brückenkredit in Höhe von 7 Milliarden Euro zu stellen. Ohne Quellen zu nennen, berichtete „Il Messaggero“, dass das Geld an eine Zweckgesellschaft gehen soll, die faule Kredite über 26,6 Milliarden Euro übernehmen wird.

          Diese Zweckgesellschaft werde zur Finanzierung der Transaktion zudem Anleihen ausgeben, die der italienische Bankenrettungsfonds Atlante teilweise zeichnen könne. Laut dem Zeitungsbericht hat Monte dei Paschi die entsprechenden Kredite bereits um gut 63 Prozent abgeschrieben, würde sie aber mit einem Discount von 70 Prozent losschlagen. Das würde in der Bilanz ein 4 Milliarden Euro großes Loch reißen. Weder JP Morgan noch Monte dei Paschi kommentierten dies. An der Börse in Mailand verteuerten sich die Aktien der Traditionsbank aus der Toskana um 5 Prozent.

          Stresstestergebnisse für 38 Banken aus dem Euroraum

          Ähnlich gefragt waren am Donnerstag die Titel der italienischen Großbank Unicredit. Die Aktie der Muttergesellschaft der Hypo-Vereinsbank legte um 4,7 Prozent zu. In den vergangenen Tagen konnte der neue Vorstandschef Jean-Pierre Mustier mit dem Verkauf von Aktienpaketen an dem Online-Broker Fineco und der polnischen Bank Pekao 1,1 Milliarden Euro erlösen und die Kapitaldecke aufzubessern. Gerüchte kamen auf, dass auch ein Börsengang der Hypo-Vereinsbank möglich sei.

          Am Donnerstag sagte der Unicredit-Verwaltungratspräsident Giuseppe Vita, dass sich die Bank mit einer Kapitalerhöhung beschäftigen müsse. „Ich glaube nicht, dass sich die EZB mit dem zufrieden geben wird, was wir gemacht haben“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

          Am 29. Juli werden die Stresstestergebnisse für 38 Banken aus dem Euroraum veröffentlicht. Zwar gibt es in diesem Jahr, anders als vor zwei Jahren, keine Mindestkapitalausstattung, die zum Bestehen erreicht werden muss. Aber auch ohne Durchfaller werden die Resultate italienischer Banken im Blickpunkt stehen. Auftretende Kapitallücken müssen geschlossen werden, ansonsten könnte der Druck des Marktes zu groß werden. Es gebe derzeit keinen Grund für Spekulationen über negative Entwicklungen, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Donnerstag mit Blick auf die Stresstests. Er hält eine Lösung der italienischen Bankenprobleme im Rahmen der EU-Regeln für möglich. Diese interpretiert die italienische Regierung so, dass Staatshilfen als vorbeugende Maßnahme zulässig seien.

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