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Luxusgüter : Zum Shoppen nach Mailand oder Paris

Leiden unter starkem Dollar: Amerikanische Luxusgüterhersteller wie Tiffany & Co. setzen weniger um. Bild: Reuters

Der schwache Euro nutzt den Luxusgüterherstellern in Europa. Vor allem Chinesen decken sich hier mit Handtaschen und Designer-Schmuck ein. Das Nachsehen haben amerikanische Konzerne - mit Folgen für die Börse.

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          Eine Handtasche wie die Birkin Bag von Hermès lebt von ihrem Mythos. Der Preis ist mindestens vierstellig, die Warteliste der Kunden lang. Die Tasche wird von Hand gefertigt. Bei solch exklusiven Waren spielt das Auf und Ab der Konjunktur in der Regel kaum eine Rolle. Denn mancher Luxus bleibt immer gefragt – zumindest dann, wenn man über das nötige Kleingeld verfügt. Gleichwohl sind manche Marken weniger stark als andere, zudem gibt es unterschiedliche Begehrlichkeiten.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Und auch die Wechselkurse nehmen Einfluss auf den Luxusmarkt, vor allem wenn sie sich so deutlich verändert haben wie zuletzt. Das zeigt sich in den Unternehmenszahlen und den Aktienkursen. Seit Anfang September zum Beispiel hat der Euro zum Dollar 17 Prozent an Wert verloren. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 10 Prozent. Vor einem halben Jahr kostete ein Euro noch gut 1,30 Dollar, aktuell sind es rund 1,10 Dollar.

          Vor allem viele Touristen gönnen sich gern ein bisschen Luxus. Der Konsum von edlen Handtaschen, Designer-Accessoires und teurem Markenschmuck werde zurzeit vor allem von reisefreudigen Chinesen angekurbelt, heißt es vom Schweizer Vermögensverwalter Swiss & Global Asset Management (AM). Touristen hätten eine Schlüsselstellung inne, sie machten inzwischen 30 bis 40 Prozent des Weltmarktes für Luxusgüter aus, sagt Scilla Huang Sun, die den JB Luxury Brands Fund der Fondsgesellschaft verwaltet. Bis zum Jahr 2020 werde jeder zweite Chinese zur kaufkräftigen Mittelschicht gehören. Überhaupt stünde China schon jetzt für 55 Prozent des Wachstums. Die derzeit bevorzugten Reiseziele und damit auch Einkaufsorte der Chinesen hießen Tokio, Seoul und Taiwan.

          Tiffany verzeichnet schwindenden Umsatz

          Die Wechselkurse spielen für die Attraktivität des Reiseziels offenbar eine entscheidende Rolle. Reiseveranstalter berichten darüber, dass in den ersten beiden Monaten des Jahres so viele Chinesen nach Europa gereist seien wie seit sechs Jahren nicht mehr. Und auch der chinesische Schmuggel blüht dabei offenbar. Die asiatischen Reisenden kaufen fleißig in den Luxusgeschäften in Europa ein und verkaufen die Waren dann teurer in ihrer Heimat. Mit der Abwertung des Euros hätten vor allem europäische Modemetropolen wie Mailand und Paris nun mehr chinesische Touristen verzeichnet, sagt Huang Sun.

          Denn aus dem fernöstlichen Blickwinkel ist Europa günstiger, Amerika dagegen teurer geworden. Davon profitieren auch die europäischen Luxusgüterhersteller. Der stärkere Dollar wiederum hemme die Kauflust derjenigen Chinesen, die in die Vereinigten Staaten reisten, heißt es von Swiss & Global AM. So hätten das amerikanische Modeunternehmen Ralph Lauren sowie der Schmuckhersteller Tiffany & Co. in ihrer Heimat zuletzt weniger Touristen verzeichnet.

          Dies alles spiegelt sich in den jüngsten Zahlen des amerikanischen Edeljuweliers Tiffany & Co. Wie der Konzern am Freitag berichtete, setzte Tiffany wegen des starken Dollars erstmals seit fünf Jahren in einem Quartal weniger um als zuvor. Der Nettogewinn werde im laufenden Quartal um 30 Prozent zurückgehen, hieß es weiter. Tiffany macht rund die Hälfte seines Umsatzes außerhalb der Vereinigten Staaten. Für die heimischen Umsätze sorgen vor allem Touristen.

          Schweizer Luxushersteller nicht betroffen

          Die Schwäche des Euros nützt freilich vielen Unternehmen aus dem Euroraum, wenn sie ihre Waren und Dienstleistungen in die ganze Welt exportieren. Denn diese Ausfuhren werden zum Beispiel in Dollar gerechnet für die Käufer günstiger. Dieses Umfeld schlägt sich in den Aktienkursen der Luxusgüterhersteller nieder. In Europa haben sie seit Jahresbeginn häufig prozentual zweistellig zugelegt, wie die Aktien von LVMH und Christian Dior, die um 29 Prozent beziehungsweise 22 Prozent im Kurs gestiegen sind. Seit Anfang September ging es für beide sogar um jeweils um rund 40 Prozent aufwärts. Tiffany & Co und Ralph Lauren haben dagegen in diesem Jahr 18 und 28 Prozent an Kurswert verloren.

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