https://www.faz.net/-gv6-112mi

Europäische Finanzwerte : Wetten auf die Erholung halten an

  • Aktualisiert am

Auferstanden aus Ruinen? Bild: AP

Kursgewinne der Finanzwerte führen die Börsen nach oben. Am Mittwoch legt die Aktie der Commerzbank massiv zu, nachdem sie vom Management „hoch geredet“ wird. Eine Studie deutet deutlich fallende Eigenkapitalrenditen im Investmentbanking an.

          In optimistischer Erwartung der Normalisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse blicken die Anleger schon seit Monaten weit nach vorne. Sie ignorieren sowohl die schwache Gewinnqualität als auch die Tatsache, dass viele Firmen erst in ferner Zukunft wieder Gewinne erzielen.

          Diese Beobachtung gilt speziell für die Finanzwerte, die seit Monaten von Staatsgarantien, gelockerten Bilanzierungsregeln und überaus generösen geldpolitischen Rahmenbedingungen profitieren können. Hatten seit März in Europa einzelne Werte der Branche wie die Aktie der Bank of Ireland bis zu 1.000 Prozent zulegen können, so verzeichnen die Papiere der Commerzbank seit Tagen eine ausgesprochene Kursdynamik nach oben.

          Die Aktie der Commerzbank wird vom Management „hochgeredet“

          Alleine am Mittwoch legt sie um bis zu knapp 16 Prozent zu, auf Sicht einer Woche belaufen sich die Kursgewinne auf mehr als 32 Prozent auf zuletzt 8,8 Euro. Hintergrund ist eine Meldung, nach welcher die Commerzbank die ungenutzten Staatsgarantien für staatlich gesicherte Bonds in Milliardenhöhe zurückgeben will. „Wir werden keine Bonds mit Staatsgarantie mehr begeben“, sagte Vorstandsvorsitzender Martin Blessing bei einer Tagung am Mittwoch in Frankfurt. Das habe die Commerzbank dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) mitgeteilt.

          Insgesamt hatte die Commerzbank die Möglichkeit, Bonds mit Staatsgarantien in einem Volumen von bis zu 15 Milliarden Euro zu begeben. Hiervon hat die Bank bereits ein Volumen von 5 Milliarden Euro genutzt und Garantien in Höhe von 10 Milliarden Euro zurückgegeben. Der Staat hat der Commerzbank Staatshilfe in Milliardenhöhe gewährt und hält inzwischen 25 Prozent plus eine Aktie. Das geliehene Staatsgeld will Blessing so schnell wie möglich zurückzahlen. Spätestens 2012 wolle die Commerzbank mit der Rückzahlung der Staatshilfe beginnen, bekräftigte der Manager.

          In jüngster Zeit kursierte am Aktienmarkt das Gerücht, der Bund könnte früher als geplant aussteigen. Zum Wahrheitsgehalt dieser Spekulationen machte Blessing keine Aussage. Er betonte lediglich, es sei die Entscheidung des Bundes, wie lange er investiert bleiben möchte, und nicht die der Commerzbank. Die Auflagen der Europäischen Union für die erhaltene Staatshilfe erfülle die Commerzbank nach und nach, sagte er. Es solle nicht alles „auf einen Schlag verramscht“ werden, so Blessing. Genauere Angaben, vor allem zu einem Verkauf der Tochter Eurohypo, machte er nicht.

          Studie: Eigenkapitalrendite von Investmentbanken wird deutlich zurückgehen

          Die Prognosen der Bank bestätigte der Commerzbank-Vorstandsvorsitzende. „Wir wollen 2011 wieder profitabel arbeiten; es könnte auch etwas früher sein, das hängt davon ab, wie sich die Konjunktur entwickelt“, sagte er. Der Manager betonte, dass das Investmentbanking auch in Zukunft eine wichtige Rolle für die Commerzbank spielen wird. Bereits früher hatte er erklärt, das Investmentbanking bleibe Pflicht. Es finde aber eine klare Verschiebung statt: Im Fokus stehe nun ganz klar das klassische Investmentbanking, bei dem die Commerzbank führend in Deutschland werden wolle.

          Allerdings scheinen die Anleger insgesamt in Gefahr zu laufen, überzogene Erwartungen auszubilden. Denn erstens sind die Belastungen der Vergangenheit und die aufgrund der Wirtschaftskrise zu erwartenden Ausfälle noch lange nicht vollständig verkraftet. Zweitens ließen sich die hohen Erträge im Investmentbanking der Vergangenheit trotz der riesigen Überkapazitäten in der Branche nur auf Basis einer geringen Eigenkapitalausstattung, geringer Risikovorsorge und auf Basis boomender Börsen sowie der Kredit- und Immobilienmärkte erzielen.

          Sollten sie künftig wiederholbar sein, so deutete das auf erneutes regulatorisches Versagen hin. Immerhin gehen die Analysten von J.P. Morgan davon aus, dass bei Umsetzung der bisherigen regulatorischer Ankündigungen die Eigenkapitalrenditen der global tätigen Investmentbanken im Jahr 2011 von 15,2 auf 10,8 Prozent fallen werde.

          Insgesamt mögen die Papiere der Finanzunternehmen in einem optimistischen Umfeld mit einer gewissen Eigendynamik nach oben laufen. Die Risiken jedoch sind und bleiben hoch. „Trailing Stopps“ sind ratsam.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.