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Europa versus USA : Europäischer Nachholbedarf verspricht Rendite

  • -Aktualisiert am

Schäuble: Europa ist am Scheideweg Bild: dpa

Europa oder USA - wo wird dieses Jahr die bessere Performance erzielt? Derzeit gilt: Der Alte Kontinent hat noch einiges aufzuholen.

          3 Min.

          Die Amerikaner sind wieder einmal schneller. Vor allem bei Technologiewerten haben das prognostizierte Ende der Rezession sowie Meldungen über steigende Auftragseingänge manche Titel schon auf das Niveau von vor zwei Jahren gehoben. Damit sind sie dort angelangt, wo europäische Werte erst hinwollen.

          Entsprechend interessant präsentiert sich der Alte Kontinent: Hier sind Aktien noch vergleichsweise "günstig" zu haben. „Während manche US-Firmen ihre Gewinnsituation bereits verbessern können, müssen europäische Unternehmen erst noch beweisen, dass sie dazu ebenfalls in der Lage sind“, sagt Andreas Köster, Europa-Spezialist bei Axa Investment Managers. Dann allerdings könnten sie die Bewertungsunterschiede im Vergleich zu US-Aktien schnell aufholen.

          Amerikaner haben die Nase vorn

          Noch haben aber die Amerikaner die Nase vorn. „Die Märkte gehen davon aus, dass der Erste, der in die Rezession gegangen ist, auch als Erster wieder herauskommt“, so Kösters Einschätzung. Die Börse habe dies jedoch längst antizipiert: „Die Erwartung, dass die USA aus der Rezession herausfindet, ist schon voll eingepreist.“ Auch Klaus-Jörg Töpper, Fondsmanager für US-Aktien bei der Deka, hält die amerikanischen Werte für hoch bewertet: „Manche Technologieaktien notieren, gemessen am Price-/Earnings-Ratio, bereits zu Kursen wie vor dem Rutsch an den Märkten“, sagt Töpper. Die derzeit in den Preisen enthaltene Gewinnwachstumsrate - seinen Berechnungen zufolge liegt sie für den Technologiebereich bei 25 bis 30 Prozent - hält er daher für unrealistisch.

          Dennoch ist Töpper auf Jahressicht optimistisch: „Wir rechnen mit einem gemäßigten Potenzial von zehn Prozent für die Aktienmärkte in den USA.“ Die Gewinne sollen in dieser Zeit ebenfalls um zehn bis zwölf Prozent steigen, die Bewertung also etwa auf dem derzeitigen Niveau verharren. Das mag hoch sein, für Investoren gibt es allerdings kaum Alternativen: „Festverzinsliche Anlagen sind derzeit sehr unattraktiv, zumal wieder ansteigende Zinsen Renditeverluste verursachen werden“, so Töpper.

          Sektorallokation wichtig

          Das Geld der Investoren wird also weiterhin in die Aktienmärkte fließen. Ob allerdings nach Amerika oder Europa, ist vielleicht gar nicht so entscheidend: „In diesem Jahr kommt es vor allem darauf an, dass in die richtigen Sektoren investiert wird“, sagt Andreas Köster. Vom Aufschwung dürften dem Experten zufolge vor allem zyklische Sektoren profitieren: Diejenigen Konsumwerte, die stark an der Kauffreude der Verbraucher hängen, wie zum Beispiel die Luxusartikler Bulgari und LVMH, sowie Telekommunikation, Medien und Technologie.

          Den bereits im vergangenen Jahr gut gelaufenen Gesundheits-, Versorgungs- und Nahrungsmittelwerten wird hingegen die Liquidität entzogen: Sie dürften daher kurzfristig underperformen. Auch Indexfonds hält Köster eher für uninteressant: Die gegenläufigen Entwicklungen in den verschiedenen Branchen werden kaum für eine beeindruckende Performance sorgen können.

          Die Rezession der Gewinne ist noch nicht am Ende

          Trotz aller Einigkeit der Experten darüber, dass die Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr 2002 ihr Tief überwunden haben sollte, hinkt die Realwirtschaft der Börse um mindestens ein halbes Jahr hinterher: „Wir spielen im Moment nicht die Fakten, sondern die Hoffnungen“, dämpft Klaus-Jörg Töpper allzu große Erwartungen und ergänzt: „Gewinnrezessionen dauern meist sechs Quartale.“

          Die kommenden Unternehmensmeldungen, allesamt auf das fünfte Quartal fallender Erträge bezogen, werden daher wohl noch nicht das Ende der schlechten Nachrichten bedeuten. Auch Köster sieht die großen Industrienationen weiterhin in der Konsolidierungsphase. „Nur in Randwerten haben sich die ersten Frühindikatoren bereits gedreht.“ Neben Kanada, Frankreich und Schweden gehöre beispielsweise Australien dazu, denn der Kontinent befinde sich mit seinen Basisindustrien früh im Zyklus.

          Australien als Frühindikator? Spätestens an dieser Stelle sollte Investoren klar sein, auf welchem Fundament der derzeitige Börsenoptimismus gebaut ist. Finanzprofis versuchen dennoch, ihn auszunutzen: „Bis März können wir noch gute Börsentage erleben“, sagt Köster. Dann erst werde sich zeigen, ob die Erholung in einem Schwung kommt oder noch einmal einen Rückschlag erlebt. So oder so machen sich die Fondsmanager auf ein Jahr mit erheblichen Kursschwankungen gefasst. Klaus-Jörg Töpper formuliert es so: „Wir setzen auf zyklische Erholung. Enttäuschungen sind allerdings zu erwarten, so dass wir unser Portfolio häufiger werden umschichten müssen.“

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