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Eugene Fama im Gespräch : „Niemand ist schlauer als der Markt“

„In letzter Zeit bin ich ein ziemlich schlampiger Investor“: Eugene Fama nimmt’s gelassen. Bild: Helmut Fricke

Seit 55 Jahren beschäftigt sich Ökonomie-Nobelpreisträger Eugene Fama mit dem Auf und Ab am Finanzmarkt. Im Gespräch erklärt er, warum Erfolg in der Geldanlage Zufall ist und weshalb Warren Buffett einfach nur Glück gehabt hat.

          Herr Fama, Sie sind einer der führenden Finanzmarktforscher der Welt.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da widerspreche ich nicht.

          Was fasziniert Sie so an den Finanzmärkten?

          Ich mache das jetzt seit meinem 21. Lebensjahr, also seit 55 Jahren. Wissen Sie, warum es mir in all der Zeit nie langweilig geworden ist? Weil wir im Detail noch immer nicht völlig verstanden haben, wie Aktienmärkte und wie Märkte ganz allgemein funktionieren. Es gibt unzählige Studien, ungeheuer viele Bücher darüber – und doch wissen wir einfach so vieles noch nicht. Das treibt mich an.

          Sie verstehen die Märkte nicht? 2013 haben Sie den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten. Da muss etwas schiefgelaufen sein.

          Nein, da ist nichts schiefgelaufen. Nur weil man den Nobelpreis gewinnt, heißt dies doch nicht, dass man nun auf alles eine Antwort hat. Mein ganzes akademisches Leben lang habe ich mich stets mit diesen Fragen beschäftigt: Wie bilden sich Preise an den Finanzmärkten? Wie entstehen Kurse? Wie verhalten sich Risiko und Ertrag in der Geldanlage zueinander? Asset-Pricing nennen wir das.

          Berühmt geworden sind Sie mit einer These: Märkte sind effizient, lautet sie.

          Es verblüfft mich, wie häufig ich darauf heute noch angesprochen werde. Die ersten Jahre meiner Karriere in den 1960er und 1970er Jahren habe ich mich diesem Thema gewidmet, einige Arbeiten dazu veröffentlicht, mich dann aber gar nicht mehr so intensiv darum gekümmert. Trotzdem kommen alle immer wieder darauf zurück. Aber das stört mich nicht. Es muss schon ein verdammt guter Gedanke gewesen sein, wenn sich heute noch so viele Leute dafür interessieren. Und welches ökonomische Modell kann das 50 Jahre später von sich behaupten?

          Können Sie das Modell in einfachen Worten erklären?

          Ja, es beruht im Grunde auf einer einzigen Überlegung: Alle verfügbaren Informationen sind stets unmittelbar in den Börsenkursen enthalten.

          Damit haben Sie sich bei vielen Fondsmanagern unbeliebt gemacht. Deren Geschäftsmodell beruht ja gerade auf ihrer Überzeugung, dass sie schlauer seien als der Markt.

          Damit kann ich leben. So leid es mir für die Herren Fondsmanager auch tut – seit den 60er Jahren haben erst ich und dann viele meiner Studenten stets aufs Neue nachgewiesen: Niemand ist schlauer als der Markt. Fondsmanager können ihn nicht dauerhaft schlagen.

          Trotzdem versuchen es viele Anleger.

          Das sei ihnen unbenommen. Aber es soll bitte niemand glauben, dass sich seine Wertpapiere besser entwickeln als beispielsweise der Dax, weil er ein so unglaublich guter Investor ist. Schauen Sie, wir haben einmal eine wirklich umfassende Studie zu dem Thema gemacht. Damals konnten wir die Daten von 3000 Investmentfonds über einen langen Zeitraum hinweg mit statistischen Methoden auswerten. Die technischen Details erspare ich Ihnen. Aber das Ergebnis war: Einige Fonds hatten sehr gute Ergebnisse, andere sehr schlechte, andere mittelmäßige – dies alles entsprach einer ganz normalen statistischen Verteilung. Anders gesagt: Es handelt sich schlicht um Glück oder Pech. Man hätte auch einfach für jeden der 3000 Fonds eine Münze werfen können, anstatt eine bestimmte Anlagestrategie zu verfolgen. Das wäre aufs Gleiche hinausgekommen.

          Was ist mit Warren Buffett? Seit Jahrzehnten erzielt der berühmte Investor bessere Ergebnisse als der Aktienmarkt im Durchschnitt.

          Ha, Buffett ist ein schwieriger Fall. Unsere Analyse damals haben wir mit 3000 Fonds gemacht. Dieses Experiment müsste man nun mit einer viel größeren Datenbasis wiederholen – nämlich mit all den Millionen professionellen Anlegern da draußen. Dazu haben wir kein Datenmaterial. Aber die Gesetze der Wahrscheinlichkeitsrechnung lassen sich nicht außer Kraft setzen. Darum ist zu erwarten, dass unter all diesen Anlegern auch einer sein kann, der über einen langen Zeitraum extrem erfolgreich ist. Viel spricht dafür, dass auch dies einfach nur Glück ist.

          Viele Anleger kaufen mittlerweile Indexfonds (ETF), die die Entwicklung eines Aktienmarktes exakt abbilden. Was halten Sie davon?

          Gegen ETF kann jemand wie ich, der von der Effizienz der Märkte überzeugt ist, eigentlich kaum etwas sagen. Allerdings habe ich mir eine Frage all die Jahre immer wieder gestellt: Warum in Gottes Namen hat es so lange gedauert, bis diese Art von Fonds populär wurde? Noch heute steckt das meiste Geld der Anleger in klassischen Investmentfonds. Das will mir nicht in den Kopf.

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