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Mode : Esprit-Aktie kämpft sich unermüdlich nach oben

  • Aktualisiert am

Esprit setzt sich in Szene Bild: AP

Esprit verdient gutes Geld mit unaufgeregter Mode. Besonders in Asien sieht sich der Konzern auf der Erfolgsspur, was die Probleme in Amerika verdeckt. Die Aktie ist noch günstiger als die der Konkurrenten H&M und Inditex.

          Entweder billig oder Luxus - das scheint das Erfolgsrezept in vielen Branchen zu sein. Doch auch die Mitte funktioniert, wie das Besipiel der Modekette Esprit beweist. Esprit ist zwar teurer als H&M oder Zara, aber kein Luxus-Label wie Boss oder Prada.

          In den vergangenen fünf Geschäftsjahren hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt auf 23,3 Milliarden Hongkong-Dollar, der Gewinn je Aktie hat sich fast vervierfacht auf mehr als drei Hongkong-Dollar je Aktie. Die im März vorgelegten Zahlen für die erste Hälfte des bis Juni laufenden Geschäftsjahres sprechen für eine weitere starke Expansion: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent, der operative Gewinn um 27 Prozent.

          Weltweit die Nummer vier

          Der Erfolg spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: 2003 war die Aktie zeitweise noch für weniger als 20 Hongkong-Dollar zu haben, vor wenigen Tagen wurde fast die Marke von 100 Hongkong-Dollar geknackt. Allein in diesem Jahr hat die Aktie zehn Prozent gewonnen (Isin BMG3122U1291 und BMG3122U1457).

          Der Textilkonzern mit Sitz in Hongkong und Ratingen ist gemessen am Umsatz weltweit die Nummer vier hinter Gap, H&M und Zara. Esprit betreibt 640 Shops in mehr als 40 Ländern. Laut Zwischenbericht vom März will Esprit in der zweiten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres 30 neue Filialen eröffnen.

          „Nicht alle wollen Trendsetter sein“

          „Wir haben einen Stil, den sehr viele Menschen in allen Ländern der Welt mögen. Wir sind neotraditionell, sprich modern, schlicht und jung, aber nicht ausgefallen, nicht trendy“, sagte Thomas Grote, Chef der Modemarke, kürzlich im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (siehe auch: Esprit-Chef Thomas Grote: „Wir sind quasi halbe Chinesen“).

          Eine sehr große Zielgruppe mit dem nötigen Geld wolle sich so kleiden. „Nicht alle wollen Trendsetter sein und schrill und ausgefallen rumlaufen“, sagte Grote. „Zara orientiert sich an Catwalk-Mode, bei uns ist schon das Wort 'Mode' verboten. Mode verführt. Wir betrachten unser Geschäft ganz nüchtern.“ Grote löste 2006 Heinz Krogner als Esprit-Chef ab, der an die Spitze der in Hongkong notierten Esprit-Holding wechselte.

          Umsatzrendite höher als bei der Konkurrenz

          In der H&M-Zweitmarke Cos, die auf die Preisklasse von Esprit zielt, sieht Grote keine Bedrohung. „Preislich steigt H&M zu uns auf, eine Bedrohung ist das trotzdem nicht, weil sie eine andere Strategie fahren. Einen Cos-Laden kann man in London aufmachen, in Hamburg und einigen anderen Großstädten, das war es dann.“

          Esprit-Shops gebe es zwar auch nur in größeren Orten, die Marke erziele aber mit Kaufhäusern und Franchise-Partnern 55 Prozent des Umsatzes - auch in kleineren Orten. „Das ist der entscheidende Unterschied zu H&M oder Zara: Die sind Händler, wir eine Marke“, sagte Grote. „Solange sie ausschließlich über ihre eigenen Läden verkaufen, mache ich mir keine Sorgen.“ Die Umsatzrendite liege bei 17 Prozent. Das schaffe niemand sonst in der Modebranche. „Selbst Hugo Boss bringt es nur auf acht Prozent.“

          Filiale in der Mongolei

          Grote sieht Esprit in Asien gut aufgestellt: „In Asien sind wir der Konkurrenz um Jahre voraus, H&M und Zara stecken da noch in den Kinderschuhen. Wenn jemand global ist, dann wir.“

          Selbst in Ulan-Bator in der Mongolei hat Esprit inzwischen eine Filiale: „Die Menschen dort dürsten nach westlichen Lifestyle-Labels. Und in der Mongolei sind wir eine Premium-Marke, gehören zu den Top of the Pop. Nicht wie hier, wo sich fast jeder unsere T-Shirts für 12,95 Euro leisten kann.“

          „Wir expandieren schneller als H&M oder Zara“

          In Amerika freilich hat Esprit Probleme, wie Holding-Chef Krogner jüngst im Interview mit der Schweizer Zeitung „Finanz und Wirtschaft“ einräumte. „Wir sind erst seit kurzem wieder in Amerika, erwirtschaften dort noch keinen Gewinn und werden es auch in den nächsten drei, vier Jahren nicht tun. Schon werden Sie an der Börse mit einem Abschlag bestraft.“ Das Amerika-Geschäft sei von den ehemaligen Lizenznehmern verdorben worden: „Sie gingen durch billige Vertriebskanäle, hatten eine ganz andere Zielgruppe, jung und modisch, genau das, was ich nicht will.“

          Esprit sei das Modeunternehmen, das im Lifestyle- und Textilbereich in den vergangenen zehn Jahren am schnellsten gewachsen sei. „Wir expandieren schneller als H&M oder Zara“, sagte Krogner.

          H&M und Inditex sind noch höher bewertet

          Die Esprit-Aktie sieht auf den ersten Blick nicht günstig aus, schließlich beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung schon 25,1 für das bis Mitte des Jahres laufende Geschäftsjahr. Für 2008 beträgt das KGV immer noch 20,7. Allerdings sind H&M und Inditex (Zara) deutlich höher bewertet. Die für das laufende Geschäftsjahr erwartete Dividendenrendite beträgt immerhin drei Prozent.

          Darum sollten die Chancen gut stehen, dass die Esprit-Aktie ihren stabilen Aufwärtstrend halten kann. Anleger sollten allerdings die Konkurrenten H&M und Inditex im Blick behalten. Die werden alles versuchen, um den Vorsprung zu verkürzen, den Esprit auf dem asiatischen Markt hat.

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