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Espírito Santo : Angst vor der Bankenpleite

Kurze Schlangen vor den Geldautomaten von Espírito Santo - die Börse hofft, dass das am Montag nicht schlimmer wird. Bild: REUTERS

Die Muttergesellschaft einer portugiesischen Bank ist pleite. Jetzt wächst die Angst vor einer Panik an der Börse. Experten versuchen zu beruhigen.

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          In der Nacht zum Samstag hat eine Nachricht aus Portugal die Anleger in ganz Europa verunsichert: Die portugiesische Unternehmensgruppe Espírito Santo Internacional habe die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beantragt, teilten portugiesische Nachrichtenagenturen mit. Eine Meldung, die den Rest Europas eigentlich kalt lassen könnte, sollte man meinen. Doch in dem Fall sind die Dinge etwas anders gelagert: Denn diese Unternehmensgruppe in Händen des einflussreichen Familienclans Espirito Santo hält einen Anteil von 20 Prozent an der wichtigsten portugiesischen Bank – die passenderweise Banco Espírito Santo heißt.

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zwei Sorgen flammen da sogleich in ganz Europa wieder auf. Die erste: Wenn der wichtigste Anteilseigner zahlungsunfähig ist – wie stark bedroht dies dann die Stabilität der Bank? Droht gar ein „Bankrun“, bei dem die Sparer alle gleichzeitig ihre Gelder abziehen wollen? Und die zweite: Könnte die Unruhe um die Bank nicht sogar dazu führen, das portugiesische Finanzsystem als ganzes ins Wanken zu bringen – und am Montag, wenn die Märkte öffnen, die Kurse von Staatsanleihen aus Südeuropa zum Absturz bringen?

          Natürlich lässt sich nie mit voller Sicherheit sagen, wie Märkte und Sparer auf beunruhigende Neuigkeiten reagieren werden. Bislang aber scheinen die Verantwortlichen alles zu tun, was getan werden muss, um einen Bankrun zu vermeiden. So musste schon in der vergangenen Woche das Familienoberhaupt der Espirito Santos, Ricardo Salgado, seinen Posten als Bankchef auf Druck der Regierung niederlegen – stattdessen wurde erstmals in ihrer fast 150jährigen Geschichte ein familienfremder Manager an die Spitze des Geldhauses berufen. Die Gefahr, dass sich die Unternehmensgruppe auf Kosten der Bank saniert, ist damit äußerst gering. Nur dann nämlich müssten sich Sparer ernsthafte Sorgen machen. Bankexperten fordern aber auch, dass die Familie ihre Beteiligung an der Bank über kurz oder lang vollständig verkaufen müsse. Hierauf drängt Portugals Zentralbank, noch aber ist es dazu nicht gekommen.

          Könnte es also nicht doch Unruhen an den Märkten geben? Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, glaubt dies nicht: „Es handelt sich hier um einen Einzelfall – nämlich die Probleme eines Anteilseigners einer spezifischen Bank. Risiken für das Banksystem als ganzes kann ich dahinter nicht erkennen.“ Zumal es in Europa mittlerweile eingespielte Mechanismen gebe, um Banken zu rekapitalisieren. Ob dies die Anleger genauso sehen, wird sich zeigen, wenn am Montagmorgen die Börsen öffnen.

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