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Anlagestrategie : Ertrag von Dividendenaktien sinkt

Freenet: Höchste Dividendenrendite in Deutschland Bild: dapd

Dividendenaktien sind seit der Finanzkrise die bevorzugte Anlageempfehlung. Ihre Erträge waren hervorragend. Auch jetzt bieten sie noch Chancen. Doch die Luft wird dünner.

          Dividendenaktien sind in einer Ära der niedrigen Zinsen eine häufig gegebene Empfehlung. In gewisser Weise kehrt der Aktienmarkt an seine Ursprünge zurück, waren doch die Dividendenversprechen im 19. Jahrhundert entscheidendere Kaufargumente als mögliche Kursgewinne – wenn diese auch schon damals gern genommen wurden.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Renaissance des Themas Dividenden ist aber am Aktienmarkt schon vor langer Zeit aufgekommen. Die erste Folge ist, dass viele Dividendenrenditen gesunken sind, zumindest für Neukäufer. Die zweite Folge ist, dass viele Dividendenaktien teuer geworden sind – und was nützt die schönste Dividende wenn die Aktie selbst nicht mehr so viel wert ist wie beim Kauf.

          Und nicht immer ist das Schicksal einer Dividendenaktie erfreulich. Dem Netzwerkspezialisten Euromicron wurde nach guten Jahren Anfang 2013 noch eine Dividendenrendite von 6 Prozent zugetraut. Doch schon im gleichen Jahr kürzte das Unternehmen die Ausschüttung um zwei Drittel und in den Folgejahren gab es gar nichts mehr. Möglicherweise gibt es im kommenden Jahr wieder eine Dividende – Rendite aktuell: 1 Prozent. Wer Anfang 2013 die Aktie kaufte, hat seitdem einen Wertverlust von 50 Prozent zu beklagen. Das ist nicht schön.

          Insofern gilt es auch beim Kauf von Dividendenaktien, das Investment genau zu prüfen. Nummer eins ist natürlich die hohe Dividende. Diese sollte auch nachhaltig sein, also stellt sich die Frage: Wie sind die Prognosen und wie war die Vergangenheit? Untersucht man unter diesem Kriterium den deutschen Aktienmarkt so bleiben am Ende 12 von 1883 Aktien übrig, die sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft eine Dividendenrendite von mehr als 4 Prozent aufwiesen bzw. aufweisen sollen.

          Das klingt schon nicht schlecht. Doch die Frage ist, wie teuer diese Dividende bezahlt wird. Je teurer die Aktie ist, desto höher ist das Risiko von Kursverlusten oder geringer das Potential für weitere Kursgewinne. Fragt man danach, welche der Aktien auf der Sicht von einem, drei und fünf Jahren Kursgewinne verzeichneten, so bleiben nur noch 8 Aktien übrig. Der Blick, besonders auf die langfristige Kursentwicklung verrät, ob die Dividendenrendite deswegen so hoch ist, weil der Kurs deutlich gefallen ist.

          Blickt man auf die Bewertung der Aktien, zeigt sich als erstes: Richtig preiswert ist keine mehr, die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) befinden sich entweder auf einem Fünf-Jahres-Höchststand oder laufen direkt darauf zu. Besonders extrem bewertet erscheint die Aktie des Mobilfunkanbieters Drillisch. Anfang 2013 lag das Verhältnis noch bei weniger als 20 – heute wird diese fast doppelt so teuer bezahlt.

          Die besten deutschen Dividendenzahler
          Unternehmen Branche Dividendenrendite Isin
          aktuell Jahr + 1 Jahr - 1 Isin
          Freenet Telekommunikation 5,28% 5,46% 6,66% DE0005118806
          Drillisch Telekommunikation 4,64% 4,83% 7,62% DE0005545503
          Syzygy Medien 4,39% 4,52% 6,89% DE0005104806
          Amadeus Fire Personaldienstleistungen 4,59% 4,70% 7,14% DE0005093108
          Allianz Versicherungen 4,20% 4,29% 4,07% DE0008404005
          Hamborner REIT Immobilien 3,93% 4,36% 5,34% DE0006013006
          Viscom Technologie 6,07% 4,72% 13,83% DE0005493654
          Hannover Rück Versicherungen 4,36% 3,21% 4,81% DE0008430026
          Quelle: Bloomberg

          Besonders frappierend sind auch einige Bewertungsanstiege der vergangenen Monate. Das gilt auch für große Indexwerte wie Allianz oder Hannover Rück. Wurde letztere Aktie im vergangenen Herbst noch mit einem üblichen KGV von etwa 8,5 gehandelt, so sind es jetzt fast 13. Allianz lagen seinerzeit bei weniger als 9 und stehen heute bei 11,6.

          Ein Schnäppchen zu machen, erscheint insofern illusorisch, zumal auch die Relationen zwischen Kurs und Mittelzufluss mit Werten zwischen 12 und 30 recht hoch erscheinen. Zudem kommen niedrigere Bewertungen auch nicht ohne Grund zustande. So entwickelt sich Freenet tendenziell seit Jahren kaum noch. Bei rückläufigen Erlösen ist die operative Marge innerhalb von vier Jahren lediglich von 10 auf 12 Prozent gestiegen. Die Entwicklung des ehemaligen Großaktionärs Drillisch verlief zwar insgesamt schwankungsfreudiger, die operative Marge aber hat sich seit 2010 auf rund 29 Prozent mehr als verdoppelt.

          Manche Dividende ist auch von Sondereffekten geprägt. So besteht die Dividendenzahlung der Hannover Rück im laufenden Jahr zu 29 Prozent aus einer Sonderausschüttung. Ebenso hoch ist der Bestandteil der Sonderdividende beim Prüftechnik-Spezialisten Viscom, der auch schon im Vorjahr eine Sonderzahlung leistete, die die reguläre um das Dreifache überstieg.

          Eine Dividendenstrategie war in den vergangenen Jahren durchaus erfolgreich. Wer beispielsweise im Januar 2013 das damalige Depot aus 20 deutschen Top-Dividendenwerten gekauft hätte, hätte damit bis heute ein Plus von 73 Prozent gemacht. Hinzu wäre ein Gewinn von mehr als 30 Prozent aus der Abfindung für die Einstellung der Börsennotiz der Generali Deutschland gekommen. Lediglich fünf Titel schlossen mit einem Minus ab.

          Noch erfolgreicher war das Depot aus zehn Dividendentiteln vom 29. Februar 2012, das bis dato 147 Prozent zugelegt hätte. Nur ein Titel (der Smartcard-Spezialist Mühlbauer) liegt im Minus. Auf das Jahr gerechnet, ergibt dies einen Ertrag von 34 Prozent und für das 2013er-Depot von 29 Prozent (ohne Generali). Das lässt sich sehen. Allerdings waren damals viele Aktien noch billiger, das Kurspotential und die Dividendenrenditen höher. Drillisch, das als einziger Wert in allen drei Depots vertreten ist, brachte es 2012 auf eine Rendite von 8,8 Prozent, 2013 von 7,25 Prozent und heute nur noch auf 4,6 Prozent.

          Langsam wird es schwierig, aus Dividendenaktien noch Ertrag zu ziehen. Noch ist es möglich, zumal die Alternative am Anleihenmarkt tendenziell riskanter oder ertragsschwächer ist. Und 1-Jahres-Festgeld bringt weniger als 1 Prozent. Es sei denn, man legt bei der bulgarischen, portugiesischen oder tschechischen Banken an. Und da stellt sich schon wieder die Risikofrage. Aber das muss auch jeder für sich entscheiden.

          Die deutschen Top-Dividendenwerte: So sah es noch im Januar 2013 aus

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