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Erneuerbare Energien : Windkraft-Aktien in Turbulenzen

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Der US-Kongress hält sich mit der Förderung der Windenergie zurück. Was den Herstellern von Windkraftanlagen nicht gut bekommt.

          Schlimmer als es sich mancher Windkraft-Skeptiker gedacht hat, muss die Branche der Windkraftanlagen-Hersteller in diesen Tagen zurückrudern. Schon zum dritten Mal in diesem Jahr hat der Weltmarktführer Vestas am Mittwoch seine Umsatzprognose reduziert. Die Dänen erwarten für das Gesamtjahr nur noch 1,3 Milliarden Euro Umsatz, nach zuvor prognostizierten 1,5 Milliarden Euro.

          Daraufhin brach die Vestas-Aktie am Mittwoch um 32 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief von 68 Kronen ein und zog Konkurrenten wie NEG Micon, Nordex und Gamesa mit nach unten. Am Donnerstag setzt sich der negative Branchentrend fort, da Marktteilnehmer auch von den anderen Herstellern Umsatzwarnungen befürchten.

          US-Aussichten waren zu optimistisch

          Auch die Aussichten von Vestas für das kommende Jahr sind alles andere als rosig: Die Umsatzprognose für 2003 wurde von 2,2 auf 1,8 Milliarden Euro gesenkt. Jetzt will Vestas eine ungenannte Anzahl Stellen streichen, um Kosten zu sparen.

          Der Auslöser des Ganzen: US-Kunden von Vestas haben ihre Bestellungen verschoben, da der Kongress nicht wie erwartet den Erzeugern von Strom aus Windenergie für kommende Jahre Steuererleichterungen zugesichert hat. Auch ein Energiegesetz, das von den Versorgern fordert, zehn Prozent ihres Stroms durch erneuerbare Energiequellen wie Windkraft und Sonnenenergie zu erzeugen, kam bislang nicht durch. Vestas hat 2001 etwa die Hälfte des Umsatzes in den USA erzielt. Dieser Anteil ist in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres auf nur noch neun Prozent zusammengeschrumpft.

          „Branche für die nächsten 18 Monate in Schwierigkeiten"

          Bleibt die Hoffnung, dass das US-Wachstum nur aufgeschoben ist. Sollte die Verlängerung der Steuererleichterung Anfang nächsten Jahres beschlossen werden, sind die US-Aussichten für 2004 dem Unternehmen zufolge „positiv". Für 2005 und 2006 rechnet der Windkraftanlagen-Hersteller damit, dass der US-Markt weiter wächst - ohne genauere Angaben zu machen. Die American Wind Energy Association, der Verband der amerikanischen Hersteller, schätzt, dass dieses Jahr in den USA Kapazitäten von 400 Megawatt hinzugekommen sind, nach 1.700 Megawatt im Vorjahr. 2003 soll die Nachfrage auf den Rekordwert von 2.000 Megawatt steigen

          „Diese Branche ist für die nächsten 18 Monate in Schwierigkeiten", kommentierte Vermögensverwalter Tom Bystedt von 3C Fund Management in Helsinki die Zukunftsaussichten für die Unternehmen. Der dänische Wettbewerber NEG hält auch nach der Vestas-Meldung an seinen Prognosen fest und rechnet für das Gesamtjahr mit einen Vorsteuergewinn von 350 Millionen Kronen bei einem Umsatz von sechs Milliarden Kronen.

          Große Hoffnungen und hohe Risiken

          Doch weitere negative Überraschungen sind nicht ausgeschlossen: .„Ich bin ziemlich skeptisch, was die Cashflow-Situation von sowohl NEG als auch Vestas angeht", meinte Bystedt. „Vor allem bei NEG war die Entwicklung ihres Betriebskapitals grauenhaft." Das Betriebskapital von NEG ging im zweiten Quartal um 738 Millionen Kronen zurück, weil immer mehr Barmittel an Lagerbestände und noch nicht abgeschlossene Aufträge gebunden war.

          In den vergangenen Jahren haben Vestas und Konkurrenten wie NEG Micon große Summen investiert, um ihre Kapazitäten zu erhöhen. Sie gehen davon aus, dass sich der Markt für Windenergie bis 2005 mehr als verdoppeln wird. Beide Unternehmen hatten im ersten Halbjahr einen negativen Cashflow; NEG von 868 Millionen Kronen oder 117 Millionen Euro und Vestas von 248 Millionen Kronen.

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