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Erneuerbare Energien : Warum Rot-Grün Umweltaktien nichts brachte

  • Aktualisiert am

Der Windenergie geht die Puste aus Bild: ZB - Fotoreport

Umweltaktien wurden als die Gewinner der Bundestagswahl hochgejubelt. Doch ähnlich wie bei den Wählern hat sich inzwischen bei den Anlegern Ernüchterung breit gemacht. Denn die Aktien stürzen von einem Tief zum nächsten.

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          Umweltaktien weisen an der Börse eine ähnliche Leidensgeschichte auf wie die Internetaktien. Erst wurden sie im Bullenmarkt hochgejubelt und dann im nachfolgenden Bärenmarkt fallen gelassen.

          Trotzdem waren im September die Hoffnungen wieder einmal groß. Denn mit der Wiederwahl von Rot-Grün war die staatliche Förderung für regenerative Energien gesichert. Die geschäftliche Grundlage schien damit günstig - und das sollte auch den Kursen zu Gute kommen.

          Die Wahleuphorie währte nur kurz

          Zumindest war dies das Szenario, das in vielen Publikationen in den Finanzmedien und von den Analysten skizziert wurde. Wie die Geisteshaltung war, zeigte sich bereits am ersten Handelstag nach den Bundestagswahlen. Am Nachmittag lautet da der Zwischenstand wie folgt:

          Der Windkraftanlagen-Hersteller Nordex kletterte da um 10,00 Prozent auf 3,85 Euro, der Windparkbetreiber Plambeck um 16,60 Prozent auf 9,69 Euro und Umweltkontor 6,33 Prozent auf 3,19 Euro. Beim Solarzellenproduzenten Sunways stand ein Plus von 13,62 Prozent auf 2,42 Euro zu Buche und bei dessen Konkurrenten Solarworld 9,24 Prozent auf 7,09 Euro.

          Doch wie nicht anders zu erwarten war, haben sich diese Hoffnungen als Trugschluss erwiesen (Archiv: Umweltaktien auch mit Rot-Grün keine Goldgruben). Das zeigt sich beim Blick auf den aktuellen Kurszettel. Nach dem kurzen, politisch bedingten Aufschwung, sind fast alle diese Titel wieder abgestürzt. Werte wie Sunways (1,25 Euro), Plambeck (5,00 Euro), Umweltkontor (1,55 Euro) wie Solarworld (4,98 Euro) notieren sogar auf Rekordtief.

          Viele Enttäuschungen

          Wie ernüchternd die Lage ist, demonstrierte zuletzt am eindrucksvollsten Nordex. Hier wurden die Anleger aus heiterem Himmel von einer Gewinnwarnung negativ überrascht. Dem Vorstandschef wurde inzwischen sogar schon der Stuhl vor die Tür gesetzt. Durch diese Querelen hat sich der Aktienkurs in gut einer Woche noch einmal halbiert.

          Anleger sollten erst gar keine Zeit verschwenden, darüber nachzudenken, ob sich der Einstieg auf dem ermäßigten Niveau lohnt. Denn auch jetzt klingen die anvisierten Umsatzziele von Nordex noch ambitioniert, so dass weitere Enttäuschungen drohen.

          Auch die anderen Umweltaktien sind größtenteils mit Vorsicht zu genießen. Die Bewertungen haben sich nach dem massiven Kursverfall inzwischen zwar relativiert. So wird bei Energiekontor die Marktkapitalisierung praktisch durch die liquiden Mittel abgedeckt, die in dem Unternehmen schlummern.

          Ausgangslage für Umweltaktien bleibt schwierig

          Doch die Argumente, die schon früher und auch nach der Bundestagswahl gegen einen Einstieg sprachen, haben noch immer Gültigkeit. So darf nicht übersehen werden, dass beispielsweise der Markt für Windenergie im Jahr 2003 sogar schrumpen wird, nachdem in den USA eine staatliche Förderung ausgelaufen ist.

          Hinzu kommt der Eindruck, dass die meisten Branchenvertreter schon zu oft ihre Vorhersagen verfehlt und somit enttäuscht haben. Ohne Beweise sollten vorsichtig agierende Anleger nicht darauf setzen, dass es künftig besser laufen wird. Zumal zuletzt der Eindruck entstanden ist, als hätten etliche Vorstände im Zuge der Expansion ganz deutlich die Grenzen ihrer Fähigkeiten aufgezeigt bekommen. So bezeichnet die WGZ-Bank das Vertrauen in das Management von Nordex als nachhaltig gestört. Zumindest liegt dieser Schluss nahe, wenn man bedenkt, dass der Ausstoß an erneuerbaren Energien im Vorjahr in Deutschland um 18 Prozent gestiegen ist.

          Aus Kapitalmarktsicht ist außerdem zu konstatieren, dass sich nach dem früheren Hype, der die Umweltaktien in unverantwortlich hohe Dimensionen katapultierte, das inzwischen in die andere Richtung ausschlagende Pendel noch immer im freien Fall befindet.

          Negative Erfahrung mit Umweltaktien enthält wertvolle Tipps

          Noch in Umweltaktien investierte Anleger können deshalb nicht auf eine baldige Verlustreduzierung hoffen. Ganz umsonst muss das Engagement aber trotzdem nicht gewesen sein, wenn man als Betroffener die richtigen Schlüsse aus dieser Erfahrung für die Vergangenheit zieht.

          Konkrekt lassen sich drei Ratschläge ableiten. Der erste besagt, nicht in Dinge zu investieren, die gerade bei allen Anlegern groß in Mode sind. Denn da ist die Gefahr groß, das Geld in eine Blase zu stecken. Der zweite Rat ist, auf die Charts zu achten. Werden Aufwärtstrends gebrochen, sollte man sich aus den betroffenen Papieren verabschieden. Durch diese einfache Sicherungsmaßnahme lassen sich die schlimmsten Verluste vermeiden.

          Der dritte Tipp leitet sich aus der Börsenweisheit ab, wonach politische Börsen kurze Beine haben. Das heißt, vernünftig und langfristig agierende Anlegern machen ihre Anlageentscheidungen weitgehend unabhängig von politischen Entwicklungen. So sind alle Artikel, die über Wahlausgänge und ihre Implikationen auf den jeweiligen Finanzmarkt geschrieben werden, in funktionierenden Demokratien in vielen Fällen nichts mehr als Seitenfüller.

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