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Erneuerbare Energien : Solaraktien sind nicht zu bremsen

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Nach dem Neuwahlschock steigen Ökoaktien wieder. „Wir brauchen eine leistungsfähige Solarwirtschaft", sagte Peter Paziorek (CDU). In der Windenergie setzt er auf Kontinuität: "Das Ausschreibungsmodell taugt in der Praxis nichts".

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          Der Schock dauerte nur kurz: Als Bundeskanzler Gerhard Schröder am Abend der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai 2005 für den Herbst Neuwahlen ankündigte, sackten die Aktien vieler Solar- und Windenergieunternehmen um zweistellige Prozentwerte nach unten. Eine schwarz-gelbe Bundesregierung könnte die Fördersätze für erneuerbare Energien kürzen, begründeten die Börsianer den Kurssturz.

          Doch die Anleger haben sich davon nicht beirren lassen. Seit Anfang Juni steigen die Kurse der Ökopapiere wieder stetig. Angeführt vom Branchenprimus Solarworld, legten die Solaraktien im Durchschnitt rund 50 Prozent zu. Auch die Aktienkurse einiger Windanlagenbauer, die im vergangenen Jahr kräftig unter Druck geraten waren, steigen wieder. Der Kurs von Repower ist in den vergangenen drei Monaten um rund 80 Prozent geklettert, der Nordex-Kurs hat sich - ausgehend von niedrigem Niveau - sogar verdoppelt.

          Auch die Union setzt auf erneuerbare Energien

          Allerdings wird der umweltpolitische Kurs einer möglichen CDU-geführten Bundesregierung kein schnelles Ende der Förderung bringen. "Die Union setzt klar darauf, den Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland auszubauen", sagte Peter Paziorek, umweltpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dieser Zeitung. "Im Falle eines Wahlsieges werden wir die Fördersätze für Solarenergie überprüfen, um Mitnahmeeffekte zu verhindern. Das soll der Solarwirtschaft aber nicht die Perspektive rauben. Wir brauchen eine leistungsfähige Solarwirtschaft in Deutschland, um im Export erfolgreich zu sein", sagte Paziorek. Auch in der Windenergie wendet sich der Umweltpolitiker gegen einen radikalen Systemwechsel: "Das Ausschreibungsmodell ist nur auf dem Papier schön, taugt aber in der Praxis nichts", sagte Paziorek. Bei dem Modell, das einige Politiker fordern, wird eine Produktionsmenge aus erneuerbarer Energie ausgeschrieben. Der günstigte Anbieter erhält dann eine garantierte Verfügung. Das Modell zeige aber viele Probleme in der Praxis und stelle zudem einen Bruch mit der Rechtstradition dar, sagte Paziorek. In England sei das Modell schon gescheitert.

          Da die Union signalisiert hat, frühestens Ende 2007 ein neues Fördermodell für erneuerbare Energien einzuführen, befinden sich die Kurse der entsprechenden Aktien weiter im Aufwind. Scheinbar unaufhaltsam steigt die Aktie des Bonner Solarstromunternehmens Solarworld. Gute Geschäftszahlen im ersten Halbjahr, die über den Erwartungen der Analysten lagen, haben den Aktienkurs zum Wochenbeginn noch einmal kräftig nach oben getrieben. Auch das Engagement des amerikanischen Investmentfonds Fidelity, der seinen Anteil an dem Unternehmen von 5,7 auf mehr als 10 Prozent aufgestockt hat, sorgte in dieser Woche für Auftrieb. Solarworld ist der beste Wert im Tec-Dax: Seit Jahresanfang beträgt das Kursplus fast 160 Prozent.

          Aktien sind zum Teil hoch bewertet und sind entsprechend riskant

          Obwohl Solarworld an der Börse inzwischen schon 1,1 Milliarden Euro wert ist, raten Analysten wie Theo Kitz von Merck, Finck & Co. weiter zum Kauf der Aktie. Er sieht das Kursziel bei 97 Euro. Die Aktie notiert derzeit bei 86 Euro. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Die WestLB hat in einer Ersteinschätzung gewarnt, das Subventionsniveau für den Solarstrom sei auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten. Die Bewertung der Aktie berücksichtige die Risiken nicht angemessen, schreiben die Analysten. Eine ähnlich lautende negative Einschätzung hat die WestLB auch für Conergy abgegeben, doch auch diese Warnung hat den Kursanstieg nicht bremsen können. Die Deutsche Bank hingegen empfiehlt die Aktie des Solaranlagenbauers Conergy zum Kauf und gibt das Kursziel mit 93,40 Euro an. Die Aktie hat seit dem Börsengang Mitte März rund ein Drittel an Wert gewonnen und notiert derzeit knapp unter 90 Euro. Das Unternehmen gehört mit 900 Millionen Euro Börsenwert ebenfalls zu den Branchenschwergewichten.

          Unter den kleineren Werten haben Phönix Sonnenstrom und Sunways kräftige Kurszuwächse verzeichnet. Die Solon-Aktie hat sich seit Jahresbeginn sogar fast verdoppelt. Nach Einschätzung der Analysten von Smith Barney Citigroup sei Solon Deutschlands größter Hersteller von Photovoltaikmodulen und wolle seine Produktion im laufenden Jahr ungefähr verdoppeln. Die Experten empfehlen die Aktie zum Kauf und setzen 33 Euro als Kursziel.

          Der Rückkehrer des Jahres ist Repower. Der Turbinenbauer hat in diesem Jahr viele Aufträge aus dem Ausland erhalten und damit die Abhängigkeit vom schwierigen deutschen Windkraftmarkt gesenkt. Viele Analysten sehen gute Chancen, daß das Unternehmen 2005 in die Gewinnzone zurückkehren wird. Auch der Windkraftanlagenbauer Nordex ist nach einer wirtschaftlich kritischen Phase auf dem Weg zurück in die Gewinnzone. Großaufträge haben die Aktie beflügelt.

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