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Erneuerbare Energien : Solar-Fabrik verspielt gleich sämtliches Vertrauen

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Die Solar-Fabrik erweist der Branche einen Bärendienst Bild: dpa

Ziemlich unverfroren: Nur zehn Wochen nach dem Börsengang senkt der Solarzellenhersteller drastisch seine Prognosen.

          Als hätte es einer zeitnahen Bestätigung bedurft, dass der Wahlsieg der Regierungskoalition nicht alle Probleme der Umweltbranche löst: Eine Woche nach der Wahl leistet sich die Freiburger Solar-Fabrik, die erst am 17. Juli zu acht Euro an die Börse ging, eine drastische Umsatz- und Gewinnwarnung. Dafür wird der Titel am Montag bis 11.24 Uhr mit einem herben Abschlag von 30,47 Prozent auf 4,45 Euro bestraft und zieht auch seine Branchenkollegen mit nach unten.

          Der Umsatz soll im laufenden Geschäftsjahr nur um rund fünf Prozent auf etwa 30 Millionen Euro steigen, nachdem zuvor von 40 Prozent Plus auf rund 40 Millionen Euro die Rede war. Und statt eines Gewinns vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 0,1 Millionen Euro geht das Unternehmen jetzt von einem Jahresverlust von 1,9 Millionen Euro aus.

          „Deutliche Belebung“ erwartet

          Vor allem im dritten Quartal sei eine Zurückhaltung bei den Investitionen in die Solarenergie spürbar gewesen, obwohl ansonsten in diesem Zeitraum eine Absatzbelebung üblich sei, hieß es zur Begründung. Die gesamte Branche sei belastet gewesen von der Unsicherheit über die politische Entwicklung im Hinblick auf die Förderung von Solarstrom nach der Wahl sowie der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Der Vorstand erwarte zwar nach der Bestätigung der bisherigen Regierung eine „deutliche Belebung“ in der Solarbranche, jedoch dürfte diese nicht ausreichen, um die bisherige Planung zu erreichen.

          Bärendienst für die Branche

          Mit dieser deutlichen Gewinnwarnung hat die Solar-Fabrik dem ohnehin schwer angeschlagenen Vertrauen der Börsianer in die junge Branche einen erneuten Tiefschlag versetzt. Ein derart drastischer Einschnitt muss den Verantwortlichen schon vor der Wahl bewusst geworden sein, und es drängt sich der Eindruck auf, eine solche Meldung sei absichtlich zurückgehalten worden, um das ohnehin negative Sentiment vor der Wahl nicht noch zusätzlich zu belasten.

          Und, was noch schwerer wiegt: die früheren optimistischen Prognosen zu Börsengang vor nur zweieinhalb Monaten - damit auch die günstig erscheinenden geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnisse - sind plötzlich Makulatur. Eine derartige Unverfrorenheit wird die Börse dem Unternehmen nicht vergessen.

          Wenn auch die Erwartung einer deutlichen Geschäftsbelebung durchaus plausibel erscheint, zumal die Planungssicherheit für die kommenden vier Jahre deutlich steigen dürfte. Sollten die Titel der Branche ihren Abwärtstrend stoppen können und sich eine Erholung abzeichnen, dürfte die Aktie der Solar-Fabrik kaum zu den Favoriten gehören.

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