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Erneuerbare Energien : Schicksal der Umweltaktien entscheidet sich nicht an der Wahlurne

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Noch ist Windkraft nicht wettbewerbsfähig Bild: dpa

Nicht der Wahlausgang wird den Umweltaktien die Richtung weisen, sondern ihre Fähigkeit, auch ohne die Politik profitabel zu werden.

          Dass die Bundestagswahlen diesmal kaum Einfluss auf die Aktienkurse haben, gilt auf dem Börsenparkett als allgemeiner Konsens. Zu ähnlich sind sich die Wahlversprechen der beiden Lager, was börsenrelevante Themen betrifft. Als mögliche Verlierer bei einem Regierungswechsel werden dennoch oft die Umweltaktien genannt, also die börsennotierten Windkraft- und Solartitel.

          Eine unionsgeführte Regierung könnte die Förderung erneuerbarer Energien radikal beschneiden, so die Befürchtung. Mit diesem Argument wurden jedenfalls auch die jüngsten Kursverluste bei einzelnen Branchenvertretern erklärt.

          Veränderte Subventionsstruktur möglich

          Besonders das wichtigste Instrument, das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) vom Frühjahr 2000 stehe auf dem Prüfstand. Dieses verpflichtet die Stromversorger, Strom aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse zu einem Mindestpreis abzunehmen, der in den kommenden Jahren kontinuierlich sinkt. Bezahlt wird diese Quersubventionierung letztlich vom Verbraucher, der nach Schätzungen dafür rund zehn Euro jährlich mehr berappen muss.

          Tatsächlich sind die Aussagen der Union zur Kontinuität des EEG einigermaßen schwammig: Das EEG werde nach der Wahl so weit verbessert, „dass es den größtmöglichen Anreiz zur Nutzung der neuesten Technologien und zur Senkung der Produktionskosten bietet“, heißt es im Programm der Union. Wie dies mit dem vorhandenen Subventionsmechanismus konkret geschehen soll, bleibt unklar.

          Entscheidend ist Nachhaltigkeit der Erträge

          Trotzdem: Auf die geschäftliche Zukunft alternativer Energieanbieter würde sich ein Regierungswechsel kaum auswirken. Mögliche Eingriffe betreffen letztlich nur Nuancen, denn auch die Union hat sich zur langfristigen Förderung erneuerbarer Energien bekannt.

          Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob Windkraft- und Solaranbieter irgendwann auch ohne Hilfe der Politik wettbewerbsfähig Energie produzieren können. Auch die rot-grüne Förderpolitik hat die Zweifel der Börse darüber nicht zerstreut, und sämtliche Aktien der Branche rauschten seit Anfang 2001 in den Keller, als wären sie Telekom- oder Internet-Werte.

          Große Unsicherheiten

          Was die Windkraft betrifft, die immerhin bereits knapp vier Prozent zur nationalen Stromproduktion beiträgt, sprechen Branchenvertreter meist davon, dass Strom aus Windparks in etwa zehn Jahren wettbewerbsfähig sein soll. Ein Zeitraum, der für einen Erfolg an der Börse eigentlich viel zu lange ist. Und von zahlreichen Risiken begleitet wird. Gerade die Windkraft stößt in Deutschland bereits an räumliche Grenzen, und die viel versprechenden Projekte auf See werden frühestens in fünf Jahren Geld abwerfen.

          Die damit befassten Projektierer wie Energiekontor und Umweltkontor mussten bei früheren Projekten bereits ihre hoch gesteckten Erwartungen zurückschrauben. Je nachdem, wer gerade mit Hiobsbotschaften aufwartete, änderten sich die Favoriten der Analysten. Auch die Expansion ins Ausland erweist sich als deutlich schwieriger als versprochen, was die Anleger weiter verunsichert hat. Turbinenhersteller wie Nordex, das bereits 40 Prozent seiner Anlagen exportiert, leiden weniger unter den Engpässen auf deutschem Boden. Doch die weitere Exportnachfrage hängt stark von der Energieeffizienz der Technologie ab, zumal Projekte im Ausland nicht dieselbe Förderung genießen.

          Bodenbildung möglicherweise nahe

          Wer in die Branche investiert, muss sich also darüber im Klaren sein, dass er sich an subventionierten Betrieben beteiligt. Das rückt auch die niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Branchenvertreter in ein anderes Licht, die mittlerweile selten über zehn liegen. Beim Blick auf die Charts zeigt sich jedoch, dass die grimmigen Abwärtstrends der meisten Titel seit einiger Zeit von einer Seitwärtsbewegung abgelöst wurden. Exemplarisch zeigt sich dies etwa an der Energiekontor-Aktie (siehe Chart).

          Doch erst, wenn die Abwärtstrends überwunden sind und sich eindeutige Aufwärtstrends etabliert haben, werden die Titel wieder interessant. Auf den erreichten Kursniveaus könnte dies durchaus eintreten, wenn sich einmal die Unsicherheit um den Wahlausgang gelegt hat. Ob es dann aber zu langfristigen Kursaufschwüngen reicht, muss angesichts der tiefgehenden Skepsis der Börse gegenüber der Branche bezweifelt werden.

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