https://www.faz.net/-gv6-nzhr

Erneuerbare Energien : Q-Cells auch für eine Solaraktie hoch bewertet

  • Aktualisiert am

Die Q-Cells-Aktie ist gefragt Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Das im Oktober an die Börse gekommene Solarunternehmen Q-Cells hat seinen Periodengewinn um 227 Prozent gesteigert und gibt sich zuversichtlich. Analysten klatschen Beifall. Die Aktie steigt, ist aber auch für eine Solaraktie hoch bewertet.

          2 Min.

          TecDax-Kandidat Q-Cells steht zu Wochenbeginn auf der Einkaufsliste vieler Anleger. Die Notiz verbessert sich bei recht hohen Umsätzen um gut 3,6 Prozent auf 50,57 Euro. Das bisherige Tageshoch steht bei 51,10 Euro und markiert gleichsam die seit dem Börsengang zu Anfang Oktober verzeichnete Bestmarke.

          Der Grund für den Kursanstieg: Der Solarzellenhersteller konnte im dritten Quartal seinen Überschuß vervielfachen und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Analysten äußerten sich wohlwollend zu den Zahlen und dem Ausblick. Seit dem Börsengang ist der Kurs um 32 Prozent gestiegen und gegenüber dem ersten Schlußkurs am 5. Oktober um 6,3 Prozent.

          Überschuß um 227 Prozent gesteigert

          Die Q-Cells AG hat ihren Wachstumskurs im dritten Quartal 2005 fortgesetzt. Der Solarzellenhersteller steigerte seinen Überschuß in den ersten neun Monaten 2005 um 227 Prozent auf 25,3 Millionen Euro und damit überproportional zum Umsatz. Die Erlöse kletterten um 133 Prozent auf 196,9 Millionen Euro. Als Grund für das Wachstum gab das Unternehmen einen starken Ausbau seiner Produktionskapazitäten sowie die Steigerung seiner Exportquote auf 35,8 Prozent von 28,3 Prozent im Vorjahr an.

          Lieferverträge mit Modulproduzenten in Südeuropa und Ostasien seien abgeschlossen worden. Zudem gelang es dem Unternehmen, Kunden in der Türkei, Zypern und Mexiko zu akquirieren. Am Standort Thalheim in Sachsen-Anhalt wurden 42 Arbeitsplätze geschaffen, so daß Q-Cells nun insgesamt 731 Mitarbeiter beschäftigt, wie Dow Jones-vwd anmerkt.

          Jahresgewinn je Aktie dürfte bei einem Euro liegen

          Q-Cells erwartet im vierten Quartal eine Fortsetzung des bisherigen Wachstums. Für das Gesamtjahr rechnet der Solarzellenhersteller mit einem Jahresüberschuß von etwa 37 Millionen Euro nach 12,4 Millionen Euro vor Jahresfrist sowie einen Umsatz von 290 Millionen Euro nach 128,7 Millionen Euro vor einem Jahr. Das läuft auf einen Gewinn je Aktie von etwa einem Euro hinaus.

          Bis Ende des ersten Halbjahres 2006 will Q-Cells ihre Produktionskapazitäten auf 350 von derzeit 271 Megawattpeak erhöhen. Der Aus- und Neubau von Produktionsstätten an verschiedenen Standorten erweitert das Portfolio des Unternehmens zudem um neue Technologien. So würden im zweiten Quartal 2006 zwei Fabrikhallen fertig gestellt, die effizienter Solarzellen produzieren.

          Ein Analyst der Citigroup bezeichnete das Zahlenwerk von Q-Cells im Gespräch mit FAZ.NET als „sehr gut“. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 40,3 Millionen Euro liege erheblich über den Schätzungen und sei dabei noch durch Aktenoptionen im Volumen von 500.000 Euro belastet; werde dieser Posten herausgerechnet, sähen die Zahlen noch besser aus. Auch der Ausblick schlage die Citigroup-Schätzungen, die bisher bei 36,6 Millionen Euro gelegen hätten.

          Mittelfristig gute Wachstumschancen

          Aus dem erwarteten Jahresgewinn errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 50,4. Das ist auch für einen Solarwert ein hoher Wert. Zum Vergleich: Branchenprimus Solarworld ist für dieses Jahr mit 33,3 bewertet und für 2006 mit 26,5, Solon mit 24,7 und 17 und der kleinere Solarzellenhersteller Sunways mit 38,8 und 14,5; für Ersol liegen noch keine durchschnittlichen Schätzungen vor. Nach den Schätzungen der Citigroup für 2006 bezahlen Anleger bei Q-Cells derzeit in etwa das 30fache des erwarteten Jahresgewinns. Auch das ist, siehe die genannten Vergleichszahlen, ein hoher Preis.

          Das heißt: Q-Cells muß weiter sehr stark wachsen, um diese Bewertung zu rechtfertigen. Schließlich legen auch Solarworld und Solon kräftig zu - so hat Solon zuletzt den Periodengewinn fast verachtfacht. Mittelfristig dürfte dies gelingen: Für die börsennotierten Unternehmen der regenerativen Energiewirtschaft erwartet das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien einem Umsatzsprung von 1,8 Milliarden Euro auf 2,8 Milliarden Euro im Jahr 2006.

          Der stärkste Umsatzschub komme von der Solarenergie. Die längerfristigen Wachstumsaussichten hängen zum einen an der künftigen Förderpolitik des Bundes, zum anderen an der Erschließung neuer Märkte im Ausland. Angesichts der aktuellen Kennziffern wirkt Q-Cells gut bezahlt.

          Weitere Themen

          Mit Spam-Fleisch auf Kurshoch

          Aktie Hormel Foods : Mit Spam-Fleisch auf Kurshoch

          Das Konservenfleisch mit dem abstoßenden Markennamen gibt es seit den 1930er-Jahren. Dank Corona ist die Aktie des Herstellers Hormel Foods auf neuen Höhen. Ein Portfoliomanager rät aber dennoch vom Kauf ab.

          Das boomende Geschäft mit den Fresspaketen

          Scherbaums Börse : Das boomende Geschäft mit den Fresspaketen

          Online-Bestellplattformen gehören zu den Profiteuren der Corona-Pandemie – etwa Delivery Hero, das es nach dem Abstieg von Wirecard sogar in den Dax schaffen könnte. Doch es gibt auch vielversprechende Konkurrenten.

          Topmeldungen

          Der Angeklagte im Landgericht in Ellwangen

          In Rot am See : 15 Jahre Haft für Angeklagten nach Sechsfachmord

          Eine Familie kommt in einem Haus in Rot am See zur Trauerfeier zusammen. Dann knallt es plötzlich im Obergeschoss, immer wieder fallen Schüsse. Am Ende sind sechs Menschen tot. Auf den 27 Jahre alten Schützen wartet nun eine lange Haftstrafe.

          Nach Corona-Ausbruch : Tönnies beantragt Lohnzahlung vom Land

          Deutschlands größter Fleischbetrieb und mehrere seiner Subunternehmer haben beantragt, dass ihnen das Land Teile der Löhne für die Quarantänezeit erstattet. Die Aussicht auf Erfolg ist gering.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.