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Erneuerbare Energien : Öko-Strom bleibt auch bei CDU-Wahlsieg ein Geschäft

  • Aktualisiert am

Windparks: vielversprechend, aber von der Börse skeptisch bewertet Bild: dpa

Unionspolitiker wollen die Fördergelder für grünen Strom kürzen. Für die Aktien halb so wild, sagen Analysten.

          Was passiert mit der Förderung erneuerbarer Energien, falls eine Unionsregierung nach der Bundestagswahl das Steuer in Deutschland übernimmt? Aussagen diverser christlich-demokratischer Politiker nähren die Sorge, Wind- und Sonnenkraftunternehmen könnten unter einem Regierungswechsel leiden - und mit ihnen ihre Aktien. Jüngstes Beispiel sind Äußerungen von Matthias Wissmann, dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Technologie der Unions-Fraktion. „Die derzeitige Energiepolitik kann auf Dauer so nicht fortgesetzt werden“, sagte er in einem Zeitungsinterview am Dienstag. Dauersubventionen dürften nicht entstehen, die Effizienz der Unternehmen müsse steigen, so Wissmann.

          Halb so wild für die Umweltaktien, sagen Analysten. Aus zwei Gründen: Auch beim derzeitigen Förderungsmodell kann von „Dauersubventionen“ keine Rede sein, denn die Zuschüsse werden von Jahr zu Jahr abgebaut. So groß kann der Einbruch unter einer Unionsregierung also gar nicht sein. Zudem haben die vorsichtigen Anleger eine möglicherweise in Zukunft geringere Förderung schon zu einem großen Teil in die Aktien eingepreist. Größere Kursverluste im Falle eines CDU-Wahlsiegs sind also eher unwahrscheinlich. Egal, welche Regierung an der Macht ist - die Chance ist groß, dass der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Energieaufkommen auch weiter steigen wird. Für den nötigen politischen Druck sorgt beispielsweise eine EU-Richtlinie, die den Anteil der grünen Energie am deutschen Strombedarf im Jahr 2010 auf mindestens zehn Prozent festlegt.

          Windkraft ist gewinnträchtig

          Vor allem Unternehmen, die mit Windenergie ihre Geschäfte machen, stehen zur Zeit gut da. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als zehn seien die meisten Titel niedrig bewertet, sagen die auf Umweltstrom spezialisierten Analysten von Merck Finck. Die Firmen arbeiteten profitabel und wüchsen zum Teil deutlich zweistellig. Unter den Windstromunternehmen empfiehlt Merck Finck vor allem Plambeck und Energiekontor, letztere wegen vieler selbst entwickelter Projekte.

          Der Markt für Solarenergie hingegen sei noch nicht sehr weit entwickelt. Sie befinde sich da, wo die Windkraft vor ungefähr fünf Jahren gestanden habe.

          Daniel Brickwell, der für ABN Amro mehrere Ökostrom-Unternehmen beobachtet, setzt auf die Windkraft-Aktien von Plambeck und Nordex - die einzigen deutschen Öko-Titel, die er zum Kauf empfiehlt. „Plambeck ist unter den börsennotierten Windparkbetreibern das am besten positionierte“, urteilt er. Das Unternehmen habe gute Wachstumsaussichten und viele Projekte in der Vorbereitung. Die Aktie des Turbinenherstellers Nordex sei derzeit günstig zu haben. „Wenn Nordex nur annähernd seine Prognosen erreicht, hat der Wert Kurspotenzial“, sagt Brickwell.

          Bisher haben sämtliche Aktien der Branche jedoch enttäuscht. Offenbar hat die Börse noch Zweifel an der Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle, die auch durch eine Welle zurückgenommener Prognosen genährt wurden.

          Fördergelder werden ohnehin zurückgefahren

          Hauptsächlich wird der Öko-Strom in Deutschland durch das Energie-Einspeisungs-Gesetz (EEG) gefördert. Es wurde unter einer schwarz-gelben Regierung verabschiedet und von Rot-Grün lediglich novelliert. Auch eine konservative neue Regierung werde das EEG kaum abschaffen - allenfalls die Einspeisungspreise für Wind- und Solarenergie, meint Brickwell, könnten schneller sinken als bislang geplant. Derzeit beträgt der Endpreis pro Kilowattstunde Strom in Deutschland je nach Uhrzeit und Auslastung des Netzes zwischen einem und sechs Cent. Der Einspeisungspreis von Windenergie, den die Energieunternehmen den Erzeugern zahlen, liegt mit neun Cent deutlich darüber. Solarstrom kostet mit 46 Cent ein Vielfaches. Die Öko-Preise sinken von Jahr zu Jahr mit gesetzlich festgelegten Raten: für Windenergie um 1,5 Prozent, für Solarenergie um fünf Prozent. Diese Degressionsraten könnte die Union eventuell erhöhen, sagt Analyst Brickwell.

          Von „Subventionen“ könne bei der Förderung durch das EEG allerdings keine Rede sein, kritisiert Brickwell die Wortwahl von Wissmann. „Schließlich zahlt nicht der Staat die höheren Strompreise, sondern der Verbraucher. Und manche Kunden zahlen freiwillig höhere Preise für Öko-Strom.“ Für die Stromerzeuger sei die grüne Energie ein Marketinginstrument. Alles Gründe dafür, dass es auch künftig Öko-Strom in Deutschland gibt.

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