https://www.faz.net/-gv6-qx7c

Erneuerbare Energien : Öko-Dax birgt hohes Risiko

Bild: F.A.Z.

Der neue Öko-Dax soll die Wertentwicklung der Erneuerbare-Energien-Branche möglichst gut wiedergeben. Das gelingt nur bedingt. Andere Indizes wie der European Renewable Energy Index (Erix) sind breiter aufgestellt.

          2 Min.

          Die Deutsche Börse hat mit dem Öko-Dax einen neuen Index aufgelegt. In dem Segment befinden sich zehn deutsche Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. Die Auswahl erfolgt nach der Höhe der Marktkapitalisierung. Der Öko-Dax soll die Wertentwicklung der noch jungen Branche möglichst gut wiedergeben. Das gelingt nur bedingt. Der Index wird zur Hälfte von Solarunternehmen bestritten, deren Anteil an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien lag aber im Jahr 2006 nur bei knapp 3 Prozent.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Deutsche Börse hat den Index bis zum 21. März 2003 zurückgerechnet und bei 100 Punkten starten lassen. Am Dienstag notierte er bei 780 Punkten. Hätte es den Öko-Dax schon gegeben, hätte er also in gut vier Jahren 680 Prozent zugelegt. Ein stolzer Wert, der alle anderen renommierten deutschen Indizes in diesem Zeitraum übertrifft. Über Zertifikate - die Deutsche Bank hat bereits eines aufgelegt - kann der Anleger an der Entwicklung des neuen Index teilhaben. Gleichzeitig ist das Risiko im Öko-Dax aber höher als im Dax, und die Kursschwankungen sind stärker. Zudem hat sich der Kursanstieg in dem Segment der erneuerbaren Energien verlangsamt.

          Fünf der zehn Indexmitglieder sind Solarunternehmen

          Ein Blick auf die Details bringt einige Risiken zutage. Fünf der zehn Indexmitglieder sind Solarunternehmen. Da alle Gesellschaften gleich gewichtet werden, machen sie einen Anteil von 50 Prozent am Index aus. Zwar arbeiten die Solarunternehmen hochprofitabel, die stark gestiegenen Aktienkurse berücksichtigen dies jedoch bereits weitgehend. Die Bewertungen der Aktien sind hoch. Im Mai und Juni vergangenen Jahres verloren die Solarwerte binnen weniger Wochen rund ein Drittel ihres Wertes. Zudem belastet die bevorstehende Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Branche. Eine Reduzierung der Einspeisevergütung gilt als wahrscheinlich, das Ausmaß ist jedoch ungewiss.

          Mit Nordex und Repower sind zwei Windkraftanlagenhersteller im Index. Repower-Aktien sind in diesem Jahr stark gestiegen, weil das Unternehmen vom indischen Konkurrenten Suzlon übernommen wird. Nordex profitierte von Übernahmephantasien - verstärkt zuletzt von der Absicht seiner Großaktionäre um Goldman Sachs, die ihre Aktien verkaufen wollen. Repower wird den Index nach vollzogener Übernahme verlassen. Nordex-Aktien sind bereits hoch bewertet, ein weiterer deutlicher Anstieg erscheint daher unwahrscheinlich.

          Überkapazitäten hatten Preise zum Rutschen gebracht

          Die Unternehmen 8 und 9 des Index sind mit Cropenergies und Verbio zwei Gesellschaften aus dem Bereich der Biokraftstoffe. Der Wert der Aktien von Verbio hat sich seit dem Börsengang Ende 2006 halbiert. Überkapazitäten auf dem Markt für Biodiesel hatten die Preise und damit auch die Aktienkurse ins Rutschen gebracht. Die Aktien von Cropenergies - einem Hersteller von Bioethanol - verharren ungefähr auf dem Niveau, zu dem sie im Herbst 2006 an die Börse gekommen sind. Das Geschäft gilt als etwas lukrativer als das mit Biodiesel.

          Insgesamt ist dem Index zuletzt die Luft ausgegangen. In den vergangenen drei Monaten legte der Dax 22 Prozent zu, der Öko-Dax nur 8 Prozent. Mit Blick auf ein Jahr zurück gewann der Dax 42 Prozent, der Öko-Dax 32 Prozent. Das höhere Risiko der Anleger in den Aktien der erneuerbaren Energien wurde im vergangenen Jahr somit nicht belohnt. Dabei lag die Volatilität - als Maßgröße für die Schwankungen der Aktienkurse - fast viermal höher als im Dax.

          Klimadebatte sorgt für Wachstumsimpulse

          Anleger und Zertifikate-Emittenten setzen angesichts der Klimadebatte und den politischen Beteuerungen, künftig mehr für erneuerbare Energien tun zu wollen, auf zusätzliche Wachstumsimpulse für die Branche. Zahlreiche Länder kopieren die deutsche Förderung der Energieträger aus Wind, Sonne und Biomasse.

          Der Öko-Dax ist jedoch sicherlich nicht die beste Möglichkeit, von der Entwicklung zu profitieren. Andere Indizes wie der European Renewable Energy Index (Erix) sind breiter aufgestellt und umfassen auch ausländische Gesellschaften wie den Weltmarktführer in der Windkraft Vestas. Auch auf erneuerbare Energien spezialisierte Fonds bieten oft eine fundiertere Auswahl entsprechender Aktien.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Zahl der Internet-Attacken nimmt zu.

          Cyber-Kriminalität : Im Netz der kaltblütigen Erpresser

          Hacker dringen mit ihren Angriffen in immer sensiblere Bereiche vor. Sie nehmen Daten als Geisel und Tote in Kauf. Treffen kann es jeden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.