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Erneuerbare Energien : Lebenszeichen von der Nordex-Aktie

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Ein Großauftrag aus Schottland belebt am Dienstag die leidgeprüfte Aktie von Nordex. Doch das Geschäft bleibt sprunghaft.

          Aufatmen bei Nordex: Nach einem zuletzt sehr enttäuschenden Nachrichtenfluss aus dem Windkraft-Sektor belegt der Anlagenbauer am Dienstag, dass das Geschäft durchaus läuft: Gerade hat Nordex einen Auftrag aus Schottland erhalten, der immerhin mehr als acht Prozent des letzten Jahresumsatzes ausmacht. Die Aktie gewinnt bis 11.36 Uhr 6,38 Prozent auf 3,00 Euro, nachdem sie in den vergangenen Tagen in Richtung eines neuen Rekordtiefs unterwegs war.

          Die Börsianer vermerken positiv, dass der Auftrag aus dem Ausland kommt, was die Internationalisierungsbemühungen von Nordex belohnt. Im Geschäftsjahr 2001/02 (bis 30. September) erzielte Nordex noch 60 Prozent seiner Umsätze im stagnierenden deutschen Markt.

          Umsätze sind nicht alles

          Doch so schön es klingt: Gerade Großaufträge gehören zum normalen Geschäftsbetrieb eines Windkraftanlagenherstellers. Die stattliche Summe von 37 Millionen Euro für 2,5-MW-Anlagen für den Windpark „Crystal Rig“ wird auch dadurch relativiert, dass ein Teil dieser Umsätze für Serviceleistungen bezahlt werden soll und erst in den nächsten fünf Jahren anfällt.

          Und Umsätze allein sind natürlich nicht alles. Das Problem mit Nordex habe in der Vergangenheit eher darin gelegen, dass die Marge nicht gestimmt habe, bemerkt ein Händler. Mehr als ein positives Lebenszeichen ist der Auftrag für die Börse also vorerst nicht.

          Prognosen haben meist getrogen

          Vielmehr vergisst am Aktienmarkt keiner, dass die Prognosen sowohl der Branche als auch der Analysten in der Vergangenheit fast immer getrogen haben. Zuletzt wies Nordex mit einem Jahresumsatz von 440 Millionen Euro 20 Millionen Euro weniger aus als noch im Sommer versprochen. Entsprechend war der Nemax-50-Titel auch gar nicht so billig, wie viele Beobachter lange Zeit geglaubt hatten. Die Gewinne des vergangenen Geschäftsjahres ergeben ein aktuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,3, die von IBES gesammelten Analystenschätzungen für das angelaufene Geschäftsjahr ergeben einen Wert von 9,25.

          Nordex will 2002/03 seine Gesamtleistung um etwa 15 bis 20 Prozent steigern und das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von zuletzt 17,8 Millionen Euro weiter erhöhen. Genauere Planzahlen soll es am 16. Dezember geben.

          Nur als kleine Beimischung zu empfehlen

          Bleibt die hohe Prognoseunsicherheit der jungen Branche. Kommt es, wie in der Vergangenheit fast regelmäßig, zu Verzögerungen bei Genehmigungsverfahren oder der Produktion, werden Planzahlen sehr schnell zur Makulatur. Zudem droht am weltweit wichtigsten Markt Deutschland selbst unter Rot-Grün eine Rücknahme der staatlichen Förderung.

          Nordex ist als Hoffnungswert also bestenfalls als kleine Depotbeimischung interessant. Und niemand sollte ausschließen, dass die Aktie in einem schwachen Gesamtmarkt nochmals ihr bisheriges Rekordtief bei 2,68 Euro testet.

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