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Erneuerbare Energien : EOP Biodiesel-Aktie hat schon viel Phantasie eingepreist

  • Aktualisiert am

Ein Stoff, aus dem Anlegerträume sind Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die privat plazierte Aktie von EOP Biodiesel hat ein kurzes, aber bewegtes Dasein an der Börse hinter sich. Der Kurs liegt ein Fünftel über dem Ausgabepreis, aber 50 Prozent unter dem Hoch. Trotz der jüngsten Verluste ist der Titel hoch bewertet.

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          „EOP Biodiesel-Aktie treibt Anleger an - noch“ - so lautete die Überschrift eines an dieser Stelle im September erschienenen Artikels. Der zurückhaltende Unterton war gerechtfertigt. Denn vom seinerzeitigen Kursniveau liegt die Notiz derzeit rund 30 Prozent entfernt. Auch die in dem genannten Artikel ausgesprochene Warnung, daß die ehedem verzeichneten Kurssprünge nicht gesund seien, ging nicht fehl. Keine Frage: Die privat plazierte EOP Biodiesel-Aktie, die am 14. September erstmals gehandelt wurde, hat ein kurzes, aber schon ziemlich bewegtes Leben hinter sich.

          Für jene Anleger, die den Titel zum Ausgabepreis von 7,60 Euro zugeteilt bekamen, hat sich das Investment gelohnt. Das bisherige Hoch von 17,43 Euro ist zwar außer Sicht. Auch ist EOP Biodiesel mit einem Kursverlust von gut 15 Prozent der schlechteste Wert im neuen Entry Standard auf Rück-Sicht eines Monats. Doch der aktuell Kurs von gut neun Euro ergibt immer noch einen Kursgewinn von fast 20 Prozent gegenüber dem Einstandskurs.

          Dieser Dienstag ist der erste Tag seit dem Börsengang, an dem das Unternehmen mit harten Fakten aufgewartet hat. Bei der ersten ordentlichen Hauptversammlung meldete der Vorstand ein Betriebsergebnis von 629.000 Euro und einen Periodenverlust von 1,3 Millionen Euro, der vor allem auf die Kosten des Börsengangs und der Hauptversammlung zurückzuführen sei. Gleichsam bestätigte der Vorstand seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr. Die Aktie reagiert im Xetra-Handel, der die meisten Umsätze mit dem Papier verbucht, mit geringen Abschlägen.

          Gewinn je Aktie dürfte bei etwa 20 Cent landen

          Nach eigenen Angaben hat EOP Biodiesel im ersten Quartal 9,1 Millionen Euro umgesetzt und ein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 629.000 Euro erwirtschaftet. Vergleichszahlen aus dem Geschäftsjahr 2004/05 nannte EOP Biodiesel nicht. Ein Sprecher des Unternehmens sagte zur Begründung, die heutige Produktion sei mit der des vergangenen Geschäftsjahres nicht vergleichbar.

          Nach Kosten für den Börsengang und die Hauptversammlung stehe ein Quartalsverlust von 1,3 Millionen Euro zu Buche. Gleichwohl spricht der Vorstand von einem guten Start ins neue Geschäftsjahr, das seit dem 1. Juli läuft. Er bekräftigte, nach zwölf Monaten einen Übeschuß von einer Million Euro präsentieren zu wollen. Da gut fünf Millionen Aktien ausstehen, errechnet sich aus der Prognose ein Gewinn je Aktie von knapp 20 Cent.

          Die vor knapp fünfeinhalb Jahren ins Leben gerufene Firma deckt nach eigenen Angaben die Wertschöpfungskette vom Anbau über die Verarbeitung von Rapssamen in der Ölmühle bis zur Veredlung vollständig ab. Nebenprodukte wie technisches Glycerin werden demnach vollständig verwertet.

          Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004/05 hat das Unternehmen nach Angaben von Equinet einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro erzielt und einen Gewinn von etwa 30.000 Euro eingefahren. Im Geschäftsjahr 2005/06 dürfte sich der Umsatz kaum erhöhen, es sei denn, die Preise zögen weiter an. Die Kapazitäten für die Biodieselproduktion sind komplett ausgelastet. Das Unternehmen will die Produktionsmöglichkeiten zwar von 32.500 Tonnen im Jahr auf 132.500 Tonnen vervierfachen. Das dauert aber: Ein neuer Betrieb soll bis Anfang 2007 an den Start gehen.

          Analysten: KGV sinkt bis 2006/07 von 45,5 auf knapp 14

          Die Analysten von FirstBerlin erwarten für das Geschäftsjahr 2006/07 eine Produktion von 73.774 Tonnen und einen Umsatz von knapp 65 Millionen Euro. Daraus kalkulieren sie ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 6,30 Millionen Euro nach geschätzten 1,29 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr. Der Gewinn je Aktie soll 2006/07 auf 65 Cent springen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt das Analysehaus die Aktie zum Kauf. Mit der Einschränkung, ein finales Votum der Bundesregierung zur weiteren Förderung von Raps, aus dem Biodiesel gewonnen wird, abzuwarten. Der Stand lautet: Biokraftstoffe in Reinform soll von der Mineralölsteuer befreit bleiben (Wende bei Biodiesel hilft Raps-Futures).

          Ob es dabei bleibt, wird sich weisen. Mithin gilt: Wer die Aktie kauft, wettet auf eine in der Tat sonnige Zukunft für Rapsdiesel und hohe Wachstumsraten. Aus der Jahresprognose des Unternehmens errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 45,5. Damit ist die Aktie hoch bewertet; ein Befund, der durch das Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,5 gestützt wird. Wenn FirstBerlin recht behält, sinkt das KGV für 2006/07 auf moderate 13,8 - wie gesagt: wenn.

          Das trübe Kursbild legt indes derzeit keinen Kauf nahe. Die Aktie hat auf eine technische Hürde bei 9,40 Euro vor sich. Diese müßte sie nehmen, um ermutigende Signale zu senden. Danach wäre die Marke bei 10,45 Euro die nächste Orientierungsmarke. Dieses Papier ist höchstens etwas für spekulativ veranlagte Naturen.

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