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Erneuerbare Energien : Auch Windräder wachsen nicht in den Himmel

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Sind die stürmischen Jahre bald überwunden? Bild: dpa-Bildfunk

Die Energiekontor-Aktie auf Rekordtief - vorläufiger Schlusspunkt des Niedergangs einer jungen Branche. Doch langsam sollte sie erwachsen werden.

          Ziemlich stürmisch geht es nicht nur am Freitag bei den Windpark-Betreibern zu - die Energiekontor-Aktie bricht bis 18.00 Uhr wegen Problemen mit drei ihrer Windparks um 16,8 Prozent auf 8,90 Euro ein. Im Verlauf wurde sogar ein Rekordtief bei 8,45 Euro erreicht.

          Schon in den vergangenen zwölf, dreizehn Monaten litt die "ökologisch korrekte" Modebranche nicht nur unter der allgemeinen Baisse, sondern auch unter hausgemachten Problemen. Verschiedene Prognosekürzungen und zahlreiche Projektverzögerungen zeigten, dass auch Windräder nicht in den Himmel wachsen.

          "Keine wesentliche Belastung"

          Aktuell leidet Energiekontor unter einem Bericht, wonach es drei seiner Windparks von Investoren zurückkaufen müsse, weil die versprochene Rendite von zehn bis 15 Prozent ausgeblieben sei. Die Firma dementiert eine solche Verpflichtung; in jedem Fall werde sicher gestellt, "dass durch einen möglichen Rückkauf der Anteile die Energiekontor AG nicht wesentlich wirtschaftlich belastet wird." Das Gros der insgesamt 45 Windparks liefere Erträge im Rahmen der Erwartungen oder leicht darüber.

          Wie seine Wettbewerber Plambeck, Umweltkontor und P&T Technology plant und entwickelt Energiekontor Windparks, die dann an Betreibergesellschaften verkauft werden. Dabei bilden die genannten deutschen Firmen die Weltspitze.

          So manche Rechnung ging bisher nicht auf

          Claudia Erdmann von der Hamburgischen Landesbank, die Energiekontor nach wie vor zum Kauf empfiehlt, bewertet den Vorgang als "nicht so dramatisch" wie in den Medien dargestellt. Die Erträge könnten durch den Rückkauf im laufenden Jahr etwas geringer ausfallen, wenn Energiekontor beim Wiederverkauf einen geringeren Betrag erlöse. Erdmann ist sicher, dass auch Windparks anderer Unternehmen nicht immer die geplanten Renditen erreichen. Dies werde meistens aber nicht veröffentlicht.

          Doch nicht nur in mancher Rentabilitätsrechnung haben sich Projektierer und Analysten geirrt. So hatte man etwa die Projekt-Verzögerungen unterschätzt, die sich aus dem Übergang der Genehmigungskompetenz von den Kommunen auf die Länder ergeben.

          Risikoreicher Zwang zur Expansion

          Auch der Zwang, wegen der knapp werdenden lukrativen Plätze in Deutschland ins Ausland zu expandieren, hat sich bislang nicht ausgezahlt. Energiekontor und Umweltkontor, die wegen ihrer Vorreiterposition lange in der Gunst der Analysten vorne lagen, haben die ursprünglichen hohen Erwartungen für 2001 nicht erfüllt.

          Die Experten von HSBC Trinkaus & Burkhardt empfehlen nur noch den kleineren Wettbewerber P&T Technologies zum Kauf; Energiekontor bewerten sie nur noch mit "Add", nachdem sie noch im Oktober dem gesamten Sektor positiv gegenüber standen.

          Der heutige Abschlag scheint nun aber doch übertrieben - die derzeitigen durchschnittlichen Gewinnschätzungen von 79 Cents pro Aktie für Energiekontor 2002 ergeben ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 11,2. Anleger sollten sich trotzdem davor hüten, die Aktie zu kaufen, bevor sie sich von ihrem Rekordtief erholt und das Vertrauen der Börse zurück gewonnen hat.

          Die Zahlen der Branche zum abgelaufenen Geschäftsjahr werden einen wichtigen Hinweis darauf geben, ob sie die stürmischen Anfangsjahre allmählich hinter sich lässt und mit verlässlicheren Erträgen aufwarten kann.

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