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Erneuerbare Energien : Archiv: Solaraktien versprechen enormes Wachstum - bei entsprechendem Risiko

  • Aktualisiert am

Auf Einzeltitel zu setzen, ist auch bei Solaraktien riskant Bild: dpa

Viele Solartitel sind 2001 deutlich eingebrochen - doch Experten erwarten weiter zweistelliges Wachstum. Gibt es Anlagechancen?

          2001 war an der Börse nicht das Jahr der Hoffnungsbranchen - auch Solaraktien bilden da keine Ausnahme. Die meisten Titel wurden in den Himmel gejubelt, um dann wie Ikarus wieder abzustürzen, als sich die überzogenen Hoffnungen der Anleger nicht gleich erfüllten. So schlägt das Herz der Börse - sie liebt Wachstumsstories mehr als alles andere - doch die Geduld geht ihr meist schnell aus.

          Wie sieht es dieses Jahr mit der jungen Branche aus? Vergangene Woche meldete zum Beispiel Solarworld ein mehr als verdreifachtes Ebit bei einem mehr als verdoppelten Umsatz und erwartet, dass beide dieses Jahr um 25 Prozent zulegen. Sind die Solaraktien also tief genug gestürzt, und bieten selektive Anlagechancen?

          „Das hängt sehr vom einzelnen Titel ab“, sagt Rolf Wüstenhagen von der Züricher Vermögensverwaltung Sustainable Asset Management, die den Lacuna EcoTech New Energy Fonds (WKN 798 069) managt. Der Analyst für erneuerbare Energien hält derzeit zwei Solaraktien im Portfolio, nämlich die US-Titel Astropower und Evergreen Solar.

          Höhere Chancen und Risiken als Windkrafttitel

          Unter den deutschen Titeln beobachtet Wüstenhagen derzeit vor allem Solarworld. Das ehrgeizige Expansionsprogramm des größten deutschen reinen Solarzellenherstellers könnte zu Wachstum und Kostensenkung führen, allerdings sei der angestrebte hohe vertikale Integrationsgrad vom Rohstoff bis zur Modulherstellung ambivalent zu beurteilen, meint der Experte.

          „Generell tragen Solaraktien ein höheres Risiko und höhere Chancen als Windenergie-Titel, die bereits über ausgereiftere Technologien und reifere Märkte verfügen“, erläutert Wüstenhagen. „Für den amerikanischen Markt rechnet das US Department of Energy für die kommenden 20 Jahre mit einem jährlichen Wachstum von rund 20 Prozent. Bei der geringen Basis, von der Photovoltaik heute ausgeht, dürften die europäischen Wachstumsraten in einer ähnlichen Größenordnung liegen“, erwartet der Experte.

          Astropower besticht durch stetiges Wachstum

          Mit dem Erneuerbare Energien-Gesetz verfügt Deutschland über die weltweit großzügigste Förderung. Solarstrom wird derzeit mit rund 48 Cents pro Kilowattstunde gefördert, wobei dieser Betrag jährlich um fünf Prozent reduziert wird. Aber auch in den USA wird ein Ein-Millionen-Dächer-Programm diskutiert, und einzelne Staaten wie Kalifornien bieten attraktive Anreizprogramme zum Einsatz von Solarzellen.

          Entsprechend setzt Wüstenhagen bei Astropower, dem größten unabhängigen Solarzellenproduzenten, in den kommenden Jahren auf ein jährliches Umsatzwachstum von 30 bis 40 Prozent. Der Chart des Titels hebt sich denn auch wohltuend von den Wettbewerbern ab und spiegelt das stetige profitable Wachstum Astropowers wider. Weltweit ist Astropower die Nummer fünf, nach Sharp, Kyocera, Shell und BP, die jeweils eigene Solartöchter unterhalten.

          Evergreen bietet kostengünstigere Technologie

          Mit Evergreen Solar setzt der Experte auf eine neue Technologie, die sich noch in einem viel früheren Stadium befindet. „Die konventionelle Herstellungsmethode von Solarpanels besteht darin, dass Siliziumblöcke in Scheiben gesägt werden, wobei etwa 50 Prozent des Materials verloren gehen“, erklärt Wüstenhagen. „Bei der Technologie von Evergreen, die ähnlich auch von RWE Solar verfolgt wird, wird das Silizium geschmolzen und in ein kontinuierliches Band gegossen.“ Dem frühen Stadium der Technologie entsprechend sind die enormen Chancen natürlich auch mit einem höheren Risiko zu bezahlen.

          Dabei spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle, läuft doch der Kapazitätsausbau der großen Unternehmen, vor allem in Japan und Deutschland, auf Hochtouren. Dem Vorteil von Evergreens Technologie, nämlich geringere Materialkosten pro Zelle, stehen dabei die Größenvorteile bei den Produktionsanlagen der Wettbewerber entgegen. Wie bei den anderen Hoffnungsbranchen empfiehlt es sich also auch hier für den Privatanleger, nicht auf Einzelwerte, sondern auf diversifizierende Fonds zu setzen.

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