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Ergebnisse des zweiten Quartals : Amerikas Banken verdienen wieder prächtig

Morgan Stanley: Der Quartalsgewinn sprang um fast 80 Prozent Bild: AP

Auch Morgan Stanley reiht sich in die Serie der guten Ergebnisse ein. Vor allem das Kapitalmarktgeschäft treibt die Erträge in die Höhe.

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          Die Kassandrarufe zu möglichen Ergebniseinbrüchen amerikanischer Banken haben getäuscht. Die Verkaufswellen bei amerikanischen Staatsanleihen im Mai und Juni haben zwar deren Rendite um einen Prozentpunkt auf bis zu 2,6 Prozent nach oben schnellen lassen, aber die daraus resultierenden Kursverluste haben den Erträgen der Wall-Street-Häuser nicht geschadet. Das Gegenteil ist der Fall: Amerikanische Banken haben im zweiten Quartal die Erwartungen übertroffen und sehr gute Ergebnisse vorgelegt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Donnerstag reihte sich Morgan Stanley in diese Serie ein. Der Quartalsgewinn des Instituts sprang gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 80 Prozent auf 1,0 Milliarde Dollar. Die Erträge stiegen um ein Viertel auf 8,5 Milliarden Dollar. „Wir haben in jeder unserer fünf großen Sparten ein Ertragswachstum gesehen“, sagte Vorstandschef James Gorman. Besonders gut gelaufen sei der Aktienhandel. Im Wertpapiergeschäft sprangen die Erträge um fast ein Drittel auf 4,4 Milliarden Dollar nach oben. Der Vorsteuergewinn verdoppelte sich auf 960 Millionen Dollar. Der Aktienkurs von Morgan Stanley notierte im Handelsverlauf an der Wall Street um 5 Prozent höher.

          Goldman Sachs verdoppelt den Gewinn

          Auch die Bank of America, die am Mittwoch ihre Zahlen vorgelegt hatte, verzeichnete im Aktiengeschäft ein kräftiges Plus von 53 Prozent. Die Erträge in der Kapitalmarktsparte, für das vor allem die Tochtergesellschaft Merrill Lynch verantwortlich ist, erhöhten sich um 17 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Aber nur um 3 Prozent auf 22,7 Milliarden Dollar stiegen die Gesamterträge der Bank of America, die mit JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo das Quartett der vier größten Banken Amerikas bildet. Die Rivalen JP Morgan und Citigroup glänzten mit zweistelligen Wachstumsraten. Dass es vor allem im Anleihegeschäft nicht ganz so rund lief, führte Brian Moynihan, Vorstandschef der Bank of America, auf die Andeutungen der Notenbank Federal Reserve zurück, dass die Anleihekäufe in einer sich stabilisierenden Konjunktur gedrosselt werden könnten. Den Gewinnsprung um fast zwei Drittel auf 4 Milliarden Dollar verdankte die Bank of America Kosteneinsparungen und geringeren Rückstellungen für drohende Kreditverluste.

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          Davon profitieren auch JP Morgan, Wells Fargo und die Citigroup. Hier kommt neben der zunehmend besseren Konjunktur in den Vereinigten Staaten auch die Erholung am Immobilienmarkt zum Ausdruck. Denn dadurch geraten nach Ansicht der Ratingagentur Standard&Poor’s immer weniger Immobilienkredite in Not, und die Banken können die für drohende Ausfälle gebildete Risikovorsorge zum Teil sogar auflösen.

          Davon wird die auf das Kapitalmarktgeschäft und die Beratung von Großunternehmen ausgerichtete Investmentbank Goldman Sachs nur am Rande berührt. Aber auch diesem Institut, das für die Wall Street wie kein zweites steht, gelang im zweiten Quartal die Verdopplung des Gewinns auf 1,9 Milliarden Dollar. Vorstandsvorsitzender Lloyd Blankfein berichtete von einem größeren Engagement amerikanischer Kunden im Zuge der wirtschaftlichen Erholung. Auch die Citigroup und JP Morgan verzeichneten zwischen April und Ende Juni steigende Erträge im Wertpapiergeschäft.

          Eine Folge der sich stabilisierenden Wirtschaft Amerikas

          Mit Spannung dürften nun die Investoren auf die Quartalszahlen der Deutschen Bank blicken, die am 30. Juli veröffentlicht werden. Deutschlands größte Bank dürfte ähnlich wie die Wall-Street-Häuser im Geschäft mit Wertpapieremissionen und -handel gut verdient haben. Jedoch könnte sich die führende Marktposition im Anleihegeschäft in den Monaten, die manche Anleger als Beginn der Zinswende betrachten, belastend ausgewirkt haben. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge erwarten die Analysten im Schnitt ihrer Prognosen einen deutlichen Anstieg des Gewinns je Aktie um 36 Prozent auf 0,99 Euro je Titel. Dagegen sollten die Erträge nur um 3,6 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro wachsen. Dies entspräche aber einem Rückgang von 1 Milliarde Euro gegenüber dem ersten Quartal. Die Deutsche-Bank-Aktie gewann am Donnerstag um bis zu 2,9 Prozent auf 34,62 Euro.

          Die Analysten von Morgan Stanley haben für die amerikanischen Banken die Ergebnisprognosen um bis zu 9 Prozent angehoben. Sie führen dies auch auf den langfristig positiven Effekt höherer Zinsen für die Banken zurück. Der Zinsanstieg ist ihrer Ansicht nach eine Folge der sich stabilisierenden Wirtschaft Amerikas. Dagegen sei das Wachstum in Europa zu schwach, schreiben die Morgan-Stanley-Analysten.

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