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Energieversorger : Analysten sind für RWE und Eon skeptisch

Die meisten Analysten billigen dem Energieversorger RWE kein Kurspotential zu Bild: ddp

Deutsche Energieversorger leiden unter der Brennelementesteuer und unter ihrem alten, kohlelastigen Kraftwerkspark. Für die Aktien ausländischer Energieversorger wie Enel und Iberdrola sehen Analysten eher Kurspotential.

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          Die meisten Analysten billigen den deutschen Energieversorgern RWE und Eon kein Kurspotenzial zu. Für Eon ist nur ein Drittel der Analysten positiv gestimmt, für RWE gar nur jeder Fünfte. Dies sind außergewöhnlich niedrige Zustimmungsraten, denn üblicherweise raten Analysten zum Kauf einer Aktie. Hätte es für die negative Sicht auf die Aktien der deutschen Energieversorger noch einer Bestätigung bedurft, wurde sie am Donnerstag geliefert: RWE vermeldete zwar einen Rekordgewinn von fast vier Milliarden Euro, stellte aber für die drei Folgejahre jeweils sinkende Gewinne auf rund zwei Milliarden Euro im Jahr 2013 in Aussicht.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Der Ausblick von RWE war schon sehr enttäuschend“, sagt Sven Diermeier von Independent Research, der wie die meisten Analysten zum Verkauf der RWE-Aktie rät. Bislang habe die hohe Dividendenrendite für die RWE-Aktie gesprochen, angesichts dieser Ertragsperspektiven werde aber auch die Gewinnausschüttung sinken. „Von den 3,50 Euro, die dieses Jahr je Aktie gezahlt werden sollen, dürfte die Dividende nächstes Jahr noch allenfalls 3 Euro betragen und im Jahr darauf gegebenenfalls nochmals sinken.“

          Für die miserablen Gewinnaussichten, die in abgeschwächter Form auch für Eon gelten, sehen die Analysten eine Reihe von Gründen. Viele davon sind nicht neu, weshalb Eon und RWE schon im Jahr 2010 die schwächsten Dax-Titel waren. Der Kurs der Eon-Aktie sank um 22 Prozent, derjenige der RWE-Aktie um 27 Prozent, während der Dax insgesamt um gut 16 Prozent zulegte. „Die Brennelementesteuer ist extrem negativ für die deutschen Energieversorger, eine vergleichbare Abgabe muss die europäische Konkurrenz nicht schultern“, sagt Peter Wirtz, Analyst der West LB. „Der vermeintliche Sieg durch die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken ist dadurch kein Sieg.“

          Bild: F.A.Z.

          Drei Viertel der Analysten raten derzeit zum Kauf der Enel-Aktie

          Daneben haben die Unternehmen aber auch noch hausgemachte Probleme, die sie aus Analystensicht unattraktiv machen. „Vom Jahr 2013 an werden die CO2-Emissionsrechte komplett versteigert. Dadurch verlieren die Kohlekraftwerke deutlich an Wert“, sagt Wirtz. Überdies habe vor allem RWE den Nachteil, bei der Stromerzeugung stark vom deutschen Markt abhängig zu sein. „Hier wächst die Stromnachfrage kaum, die alten Kraftwerke bleiben aber am Netz, zudem sorgt die Lage in Mitteleuropa für eine stärkere Konkurrenz als in europäischen Randlagen.“ Viele dieser negativen Aspekte seien durch die Kursrückgänge der letzten Monate schon berücksichtigt. Die RWE-Aktie notiert mit rund 49 Euro nur gut 2 Euro höher als während des Krisentiefs im März 2009. Der Dax hat sich seither mehr als verdoppelt. „RWE stellt erst von 2014 an wieder steigende Gewinne in Aussicht. Das ist zu weit weg, um jetzt schon wieder als Aktie attraktiv zu sein“, sagt Wirtz.

          Diermeier schätzt den europäischen Versorger-Sektor insgesamt auch nur neutral ein: „Eine ausgeprägte positive Gewinndynamik gibt es in der Branche nicht.“ Investoren, die sich dennoch in dem Sektor engagieren wollen, rät er zu einem Titel wie der italienischen Enel. „Hier scheint die Ergebnisdynamik zumindest bis zum nächsten Jahr noch zu stimmen“, sagt Diermeier.

          Auch Gerold Deppisch, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, rät zum Kauf der Enel-Aktie: „Der wesentliche Aspekt beim Kauf der Aktie eines Energieversorgers ist die Dividende und die dürfte bei Enel auf hohem Niveau stabil bleiben.“ Derzeit raten drei Viertel der Analysten zum Kauf der Enel-Aktie, die nach einer schwachen Kursentwicklung im Jahr 2010 in diesem Jahr bereits ein Kursplus von mehr als 10 Prozent aufweist.

          Sehr starke Position im Heimatmarkt und in Osteuropa

          Eine Mehrheit der Analysten rät jedoch auch zum Kauf der spanischen Iberdrola. „Ein Großteil des Stroms von Iberdrola wird emissionsfrei produziert“, sagt Deppisch. „Die Versteigerung der Emissionszertifikate belastet das Unternehmen daher weit weniger als die deutschen Versorger.“ Auch zeichne sich eine Lösung für das Tarifdefizit-Problem in Spanien ab. Bislang sorgt die spanische Regierung dafür, dass Versorger den Strom in Spanien zu Preisen unter den Produktionskosten verkaufen mussten. Hierfür soll es nun eine größere Kompensation geben.

          Analyst Wirtz verweist zudem auf Wachstumsperspektiven für Iberdrola: „Im Gegensatz zu den deutschen Versorgern hat sich Iberdrola im Wachstumsmarkt der erneuerbaren Energien nennenswert positioniert und verfügt zudem über ein starkes Standbein in Südamerika.“ Enel verfüge über den Vorteil einer sehr starken Position im Heimatmarkt und in Osteuropa. „Enel und Iberdrola werden zwar auch keine spektakulären Wachstumsraten erzielen können, im Vergleich zu den in Europa einmalig schlechten Wachstumsprofilen von Eon und RWE sehen die Titel jedoch attraktiv aus.“

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