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Energie : Stromschlag für die RWE-Aktie

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Noch nicht in Schuss: Arbeiter führten am Mittwoch (20.02.2008) in Krefeld im Auftrag des Energiekonzerns RWE AG Ausbesserungsarbeiten an einer Überlandleitung durch. Bild: dpa

Zahme Zahlen, dürftige Dividende, armer Ausblick: RWE braucht dringend neue Energie aus dem Ausland. Die Bilanz von 2007 ist die erste Enttäuschung für alle Fans des neuen Vorstandschefs Jürgen Großmann. Der Kurs brach daher ein.

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          Für Aktionäre von RWE brechen schwere Zeiten an. Offenbar ist das neue Management der Ansicht, dass die Rendite der Dividende sowieso schon hoch genug ist. Also könnte man sich da ja zurückhalten und das Geld lieber für andere Dinge verwenden. Vielleicht einen weiteren Windpark oder doch einen Konkurrenten?

          Mehr Spielraum verschafft sich RWE jedenfalls gerade durch die Möglichkeit, demnächst in dringenden Fällen schnell das Kapital zu erhöhen. Ob das der Einstieg in Fusionsmonopoly ist?

          Wo sind die Visionen?

          Das wäre im Zweifel auch bitter nötig, denn der bisherige Ausblick auf dieses Jahr ist schlecht. Visionen fehlen auch, insofern ist die Bilanz auch eine erste Enttäuschung für alle, die von dem neuen Vorstandschef Jürgen Großmann einen Aufbruch im Konzern erwartet haben.

          Kurzfristig ist die RWE-Aktie unter eine Unterstützung gefallen. Eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung deutet sich an.

          Gemessen an Wachstumsraten von fünf Prozent wäre die Aktie derzeit deutlich überbewertet und müsste wesentlich stärker als jene wenigen Prozent verlieren, die das Papier zum Wochenschluss nachgab.

          Aktie bricht ein

          Börsianer reagierten damit zu Recht herb enttäuscht. Die Aktien fielen gleich zu Handelsbeginn mehr als fünf Prozent. „Enttäuschende Zahlen für 2007 und auch der vorsichtige Ausblick dürften weiter auf die Aktien drücken“, sagte ein Händler.

          RWE hat im abgelaufenen Jahr den Betriebsgewinn gegenüber dem Vorjahr um 14,8 Prozent auf 6,52 Milliarden Euro gesteigert. Damit erfüllt der Eon-Konkurrent seine eigene Prognose, blieb aber hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Bis 2012 will der Versorger seinen Betriebsgewinn organisch durchschnittlich um fünf Prozent pro Jahr Steigern. Für dieses Jahr peilt RWE allerdings ein gegenüber 2007 unveränderten Betriebsgewinn an.

          Auch die Dividende enttäuscht

          Beides ist sehr mager für ein Unternehmen, das mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von mehr als zehn notiert. Ganz überraschend kommen einem anderen Börsianer zufolge die unter den Erwartungen liegenden Ergebnisse allerdings nicht. Die Dividendenankündigung habe bereits deutlich unter den Prognosen gelegen und somit ein enttäuschendes Ergebnis signalisiert.

          Nord/LB-Analyst Heino Hamann sagte, er gehe davon aus, dass insbesondere die Kosten für Biblis und die regulierten Netzeinspeisungsgebühren an den Erträgen genagt hätten. Die Aussichten seien mit Blick auf die Strategie aber gut. RWE wolle weiter in ÖkoStrom und im Ausland investieren. Ein anderer Analyst sagte unterdessen, die ersten Bausteine für die Strategie enthielten keine großen Visionen.

          Citigroup sieht Probleme und sagt dennoch weiter „Kaufen“

          115 Euro lautet das Kursziel der Citigroup für RWE. Die Zahlen zum Geschäftsjahr 2007 sieht die Citigroup als „enttäuschend“ an. Der Gewinn je Aktie (ohne Sondereffekte) sei zwar um 21 Prozent auf 5,29 Euro im Vergleich zum Vorjahr gesteigert worden, dieser Wert liege jedoch 15 Prozent unterhalb der Prognosen der Citigroup. Auch die Konsenserwartung sei um 4 Prozent bis 8 Prozent verfehlt worden. Beim operativen Ergebnis falle das Wachstum ebenfalls nicht so stark aus wie erwartet.

          Die strategischen Probleme bei RWE seien langfristiger Natur und dürften so schnell nicht gelöst werden, glauben die Experten der Citigroup. Daher sei an der Vorgehensweise des neuen Vorstandschefs Großmann auch grundsätzlich nichts auszusetzen. Allerdings dürften die Ergebnisse nicht ausreichen, um der Aktie frische Impulse zu verleihen.

          Schlechte Aussichten für RWE

          Der Versorger RWE rechnet nach einem Gewinnsprung für dieses Jahr mit einem stagnierenden Ergebnis. Der Betriebsgewinn werde wie der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EbitDA) auf dem Niveau des Jahres 2007 bleiben, teilte das Unternehmen am Freitag in Essen mit.

          Mittelfristig will der Konzern die Schwäche aber wieder ausgleichen. Für die Jahre bis 2012 rechnet Deutschlands größter Stromproduzent insgesamt mit einem organischen Wachstum von durchschnittlich fünf Prozent jährlich. Der bereinigte Überschuss, an dem sich die Höhe der Dividende orientiert, soll im gleichen Zeitraum um fünf bis zehn Prozent steigen.

          Für dieses Jahr rechnet der neue RWE-Chef Jürgen Großmann mit einem um Sonderfaktoren bereinigten Überschuss, der über zehn Prozent über dem Vorjahr liegt. Helfen sollen dabei auch Einsparungen, die sich bis 2010 auf 600 Millionen Euro jährlich summieren sollen. Zudem seien weitere Effizienzsteigerungen geplant, hieß es. Konkrete Details nannte RWE nicht.

          Um das Wachstum abzusichern, will die Gesellschaft bis zum Jahr 2012 mehr als 30 Milliarden Euro in Netze und seinen Kraftwerkspark investieren. RWE bekräftigte, dass der Eintritt in die Märkte Türkei, Griechenland sowie in weitere Länder Südosteuropas geplant sei. Gleichzeitig würden Optionen in Russland geprüft, hieß es.

          Der Betriebsgewinn wuchs gegenüber dem Vorjahr um 14,8 Prozent auf 6,52 Milliarden Euro. RWE führte das Plus auf Zuwächse seiner Stromerzeugungssparte sowie der Handelssparte zurück, womit Belastungen durch Regulierung und den Ausfall des Atomkraftwerks Biblis ausgeglichen wurden. Der Umsatz verharrte ungeachtet der Zuwächse mit 42,51 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau, während der Überschuss um 30,9 Prozent auf 2,66 Milliarden Euro einbrach. Bereinigt um Sonderfaktoren - 2006 waren unter anderem Gewinne aus dem Verkauf der britischen Wassertochter Thames Water angefallen - wuchs der Gewinn um ein Fünftel auf 2,98 Milliarden Euro. Analysten hatten mit 3,28 Milliarden Euro gerechnet.

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