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Emissionsgeschäft und Wertpapierhandel : Unsicherheit belastet Investmentbanken

  • -Aktualisiert am

Heile Welt sieht anders aus: Über dem New Yorker Bankenviertel braut sich ein Unwetter zusammen Bild: AFP

Die Analysten erwarten schwache Geschäftsergebnisse im Emissionsgeschäft und im Wertpapierhandel. Schon die Kurse der Banken sind klare Anzeichen für diese Prognosen.

          Das dritte Quartal hat Investmentbanken in New York und London kräftig ins Kontor gehauen. Die Einkünfte der Wertpapierhäuser gingen aufgrund der hohen Verunsicherung und der stark schwankenden Kurse an den Finanzmärkten in vielen Geschäftsbereichen zurück. Geschürt wurde die allgemeine Unsicherheit von der Schuldenkrise in der europäischen Währungsunion und einer schwachen volkswirtschaftlichen Entwicklung, vor allem in den Vereinigten Staaten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Unternehmen, die normalerweise an den Aktienmärkten Kapital aufnehmen, Schuldverschreibungen begeben, Übernahmen einfädeln oder Börsengänge planen, hielten sich mit diesen Aktivitäten zurück. Auch im Wertpapierhandel lief das Geschäft nicht gut. Banken wie JP Morgan Chase oder Morgan Stanley haben ihre Aktionäre bereits auf nachlassende Erträge in dieser Sparte vorbereitet. „Die Volatilität hat Kunden davon abgehalten, zu hohe Risiken einzugehen“, sagte Ruth Porat, die Finanzchefin von Morgan Stanley, kürzlich auf einer Konferenz in New York. Nach Angaben von Porat war das Umfeld im Anleihehandel schlechter als im vierten Quartal des Vorjahres, als Investmentbanken die schwächsten Handelsergebnisse seit dem Höhepunkt der Finanzkrise ausgewiesen hatten.

          Weltweiter Einbruch um die Hälfte

          Analysten haben deswegen kurz vor Ende des gerade laufenden dritten Quartals ihre Prognosen für Banken zurückgenommen, die wie JP Morgan Chase, Morgan Stanley, Citigroup oder die Bank of America stark im Wertpapiergeschäft engagiert sind. Für den Branchenprimus Goldman Sachs rechnen Analysten nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Reuters nur noch mit einem Gewinn von 1,35 Dollar je Aktie. Das ist weniger als halb so viel wie im dritten Quartal des Vorjahres. Vor einem Monat hatten Analysten für Goldman noch mit einem Überschuss von 2,65 Dollar je Aktie kalkuliert. Die Analysten von Barclays und der Bank of America befürchten sogar einen Verlust. Das wäre erst der zweite Quartalsverlust seit dem Börsengang von Goldman Sachs vor zwölf Jahren. Goldman hatte bisher nur im vierten Quartal 2008, dem Quartal nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers, rote Zahlen geschrieben. Die Aktienkurse der Banken reflektieren bereits die negativen Erwartungen. Der Kurs von Goldman Sachs ist in diesem Jahr um knapp 41 Prozent gefallen. Die Aktie von Morgan Stanley notiert mit 45 Prozent noch stärker im Minus.

          Die Einnahmen der Investmentbanken im Aktien- und Anleihegeschäft brachen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr weltweit um die Hälfte ein. Dies zeigen Aufstellungen der Analysegesellschaft Dealogic. Die Investmentbanken hatten es vor allem im August und September mit extremer Risikoaversion ihrer Kunden zu tun. Im August kam die Emissionstätigkeit im Bereich der Euro-Schuldverschreibungen zum ersten Mal seit Einführung der Gemeinschaftswährung nahezu komplett zum Erliegen. An den europäischen Anleihemärkten blicken die Investmentbanken daher auf Ertragseinbußen von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, am amerikanischen Anleihemarkt auf ein Minus von 53 Prozent.

          Kaum Übernahmen in Europa

          Das sonst lukrative Anleihegeschäft machte im dritten Quartal nur noch 23 Prozent der gesamten Erträge der Investmentbanken aus. Die Banken, die am Anleihemarkt noch am meisten verdienten, waren JP Morgan, Bank of America Merrill Lynch und die Deutsche Bank.

          Die rasante Talfahrt am Aktienmarkt hat dem Geschäft der Investmentbanken mit Börseneinführungen geschadet. Bisher wurden in diesem Jahr weltweit 218 Börsengänge verschoben oder abgebrochen. Gegenüber dem Vorjahresquartal gab dieses Geschäft von Juli bis September um die Hälfte nach. In Europa gab es so wenige Börseneinführungen wie seit acht Jahren nicht mehr. An der Wall Street gab es nach einem aktiven Juli und einem sehr schwachen August im September keinen einzigen Börsengang mehr. Die Talfahrt an den Aktienmärkten schreckte auch private Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) ab, eigene Unternehmen an die Börse zu bringen.

          Schlechtes Geschäft mussten die Investmentbanken auch im Aktiengeschäft verkraften. Die Kapitalaufnahme ihrer Kunden an den Aktienmärkten schrumpfte gegenüber dem zweiten Quartal um 60 Prozent. Investmentbanken verdienten daher im dritten Quartal nur noch die Hälfte dessen, was sie im Vorjahresquartal erzielten. Auch Banken, die derzeit selbst dringend Kapital aufnehmen müssten, blieben dem Markt fern. Wenig Trost brachte zudem das Übernahmegeschäft. Auch hier fiel das Volumen der Transaktionen im dritten Quartal um 23 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2010. In Europa gab es so wenige Übernahmen wie seit 2004 nicht mehr.

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