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Südafrikas Aktien : Emissionsfreude an der Johannesburger Börse

Die Johannesburger Börse ist bekannt dafür, sich oft entgegengesetzt zur heimischen Wirtschaft zu entwickeln. Bild: dpa

Vor allem Finanzdienstleister und Immobiliengesellschaften drängen auf das Parkett der Börse in Südafrika. Doch das Ende des Bullenmarktes ist in Sicht.

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          Bei einem neuen Börsengang lässt Nicky Newton-King gerne auch per Twitter symbolisch die Korken knallen. In diesem Jahr hat die Chefin der Johannesburger Börse eine Menge Grußbotschaften verschickt. 13 Börsengänge wurden in diesem Jahr angekündigt. Das sind die meisten Neuemissionen seit acht Jahren. Der Wert der neu ausgegebenen Aktien ist der höchste seit 2010.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          „Ist plötzlich ein Emissionsfieber ausgebrochen?“, wundert sich Anthony Clark, Analyst des Finanzdienstleisters Vunani Securities. Allein im Oktober kündigte die Börse sechs Börsengänge an: Zwei Finanzdienstleister, zwei Immobiliengesellschaften, ein Hotelkonzern und ein Hersteller von Sicherheitstüren feiern ihre Debüts. Nur ein Bauzulieferer sagte seinen Börsengang kurzfristig ab. Wenige Tage zuvor war in Johannesburg eine provisorische Fußgängerbrücke eingebrochen, mehrere Menschen starben.

          Der Andrang auf das Parkett mitten im Schwellenländer-Blues ist tatsächlich überraschend. Ein schwächeres Wachstum in China, dem wichtigsten Handelspartner, verunsichert die Anleger ebenso wie die offene Frage der amerikanischen Zinspolitik. Von den extrem niedrigen Zinsen haben Schwellenländer bislang profitiert. Gleichzeitig kommen aus Südafrika kaum Impulse. Der Internationale Währungsfonds senkte jüngst die Wachstumsprognose von 2 auf 1,4 Prozent in diesem Jahr. Die Währung hat seit Jahresbeginn um 14 Prozent gegenüber dem Dollar an Wert verloren.

          Doch die Johannesburger Börse ist bekannt dafür, sich oft entgegengesetzt zur heimischen Wirtschaft zu entwickeln. Mitte April schnellte der JSE-Aktienindex auf einen Rekordwert, gab jedoch nach dem Beben an den chinesischen Börsen nach. Seit Jahresbeginn ergibt sich ein Zuwachs um knapp 7 Prozent, über drei Jahre hinweg um 44 Prozent.

          Südafrikanische Anleger kaufen auch Aktien, um sich gegen Krisen und Währungsschwäche abzusichern. Bestimmt wird das Börsengeschehen von Unternehmen mit südafrikanischen Wurzeln, die längst global agieren wie SAB-Miller, Anglo American, British American Tobacco oder BHP Billiton. Sie besitzen nur noch eine Zweitnotierung an der JSE. Auch größere erstnotierte Unternehmen wie die Supermarktkette Shoprite, der Möbelriese Steinhoff oder der Klinikbetreiber Mediclinic verdienen ihr Geld zunehmend oder ausschließlich im Ausland.

          Insgesamt seien die Unternehmen relativ hoch bewertet, sagt Wayne McCurrie, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Momentum Wealth Management. Deswegen rechneten sich auch andere Unternehmen gute Chancen an der Börse aus. Allerdings beschränke sich die Emissionsfreude auf Finanzdienstleister und Immobiliengesellschaften, die gerade bei den Anlegern gefragt seien. So ist der Kurs der Aktien von NVest Financial Holdings seit dem Börsengang im Mai um ein Fünftel gestiegen.

          Das Nachsehen hat weiterhin Südafrikas Schlüsselbranche, der Bergbau. 2006, während des Aufschwungs am Rohstoffmarkt, drängte ein Minenbetrieb nach dem anderen an die Börse. Doch sinkende Rohstoffpreise und Förderschwierigkeiten haben die Anleger verschreckt. Laut einer Studie von Pricewaterhouse Coopers büßten die 35 größten Förderer in Südafrika seit Juni vergangenen Jahres mehr als die Hälfte an Marktwert ein. Wie lange der Aufschwung nun andauert, hängt auch von der Zinspolitik in den Vereinigten Staaten ab. „Wir nähern uns definitiv dem Ende des Bullenmarktes“, sagt McCurrie. Börsenchefin Newton-King wird bis dahin noch einige Willkommensgrüße verschicken. Im November folgt ein bekannter Vermieter von Lagerräumen, im kommenden Jahr geht die zweitgrößte Drogeriekette an die Börse.

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