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Emerging Markets : Im Zweifel das Schwellenland-Original

Luxus in China: Gigantischer Louis Vuitton-Koffer vor einem Einkaufszentrum Bild: AFP

Wer auf das Wachstum der Schwellenländer setzen möchte, hat grundsätzlich zwei Optionen: Er kann vor Ort investieren oder in hiesige Unternehmen, deren Umsätze dort wachsen. Die Bereiche Infrastruktur und Konsum gelten dank stetig wachsendem Wohlstand als besonders vielversprechend.

          Schwellenländer gelten als besonders wachstumsstark. An ihren Börsen schafft dies seit Jahren Kursphantasien. Doch solche Anlagen sind riskant. Dies zeigt sich auch in diesem Jahr. Denn Konjunktursorgen haben die Kurse vieler Aktien und insbesondere die der Schwellenländer gedrückt. So hat Chinas CSI 300 Index seit Jahresbeginn fast 20 Prozent verloren.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Schwellenländer werden gerne als Wachstumsmotor der Weltwirtschaft bezeichnet. Wer direkte Anlagen scheut, kann auch indirekt an ihrem Potential teilhaben. Denn für viele europäische Unternehmen werden die Umsätze in den Emerging Markets immer wichtiger. Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist klassischerweise ein solcher Wert. „Hier kommen 42 Prozent aller Umsätze aus Schwellenländern, in drei bis fünf Jahren dürften es 46 Prozent sein“, sagt Thomas Gerhardt, Fondsexperte für Schwellenländer der DWS. Ähnlich sieht es bei den Konsumgüterkonzernen Henkel und Unilever aus.

          Investments in Schwellenländer gelten als riskant

          „In Europa ansässige große Unternehmen haben den Vorteil, dass sie hierzulande etabliert und die Marken weltweit bekannt sind“, sagt Matthias Born, Fondsmanager für europäische Aktien von Allianz Global Investors: „Ihre Geschäftsmodelle haben sich schon bewährt. Zudem kommt man leichter an Informationen.“ Von Nachteil ist, dass die Umsätze multinationaler Unternehmen nicht zu 100 Prozent aus Schwellenländern stammen, sondern auch aus den Industrienationen. Deswegen kommt ihnen nur ein Teil des dortigen Wachstums zugute.

          Bei den vor Ort ansässigen Gesellschaften ist dies anders. Sie sind vielfach ausschließlich in Emerging Markets tätig. Investments in Schwellenländer gelten jedoch als riskanter. „Hier mangelt es häufig an Transparenz, auch gibt es andere Bilanz- und Aufsichtsregeln“, sagt Born. Zudem unterscheide sich die Kommunikation. Auch schwanken die Kurse an den Börsen der Schwellenländer in der Regel stärker. Der Aktienhandel ist zudem häufig illiquide. All dies sind Pluspunkte für die Aktien aus Industriestaaten.

          Porsche erzielt 20 Prozent seines Umsatzes in Schwellenländern

          Die Bereiche Infrastruktur und Konsum gelten als besonders viel versprechend. Denn der Wohlstand in Schwellenländern wächst stetig, allen voran in China. Deswegen zählen hierzulande auch besonders die Unternehmen zu den Nutznießern, welche die dortigen Konsumwünsche bedienen. „Vor allem Markenartikler und Hersteller von Luxusgütern wie Uhren oder Autos profitieren stark von dem riesigen Wachstumspotential der Schwellenländer“, sagt Gerhardt. Denn sie seien dort bislang weitgehend konkurrenzlos. Er nennt beispielhaft die Luxuswerte Richemont, Swatch, LVMH sowie die Autohersteller BMW, Daimler und Porsche. Letzterer erziele 20 Prozent seiner Umsätze in diesen Staaten, in einigen Jahren könnten es 30 Prozent sein. Auch andere Unternehmen wie der Kosmetikkonzern L'Oréal, Siemens, der Industriegasehersteller Linde oder der Chemieproduzent Lanxess erzielen bedeutende Umsätze in Schwellenländern. Der Umsatzanteil liegt häufig bei einem Drittel und mehr.

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