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Emerging Markets : Das Glück der türkischen Börse hängt am Wahlausgang

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Der Wahlkampf diktiert das Geschehen an Türkeis Börse Bild: AP

Die Politik diktiert derzeit das Geschehen an den türkischen Finanzmärkten. Je nach Wahlausgang werden die Anleger ihre Daumen senken oder heben.

          Die türkische Börse ist kein Ort, an dem sich Witwen und Waisen tummeln sollten. Im Gespräch mit Experten kommen diese jedenfalls stets sehr schnell auf die immensen Risiken zu sprechen. Derzeit ist dieses Risiko besonders groß. Denn am Sonntag stehen Wahlen an. Und da die Politik in der Türkei immer gut ist für Turbulenzen, ist die Angst unter den Anlegern vor negativen Überraschungen groß.

          Aktuell setzen die Akteure aber unterschwellig offenbar auf einen positiven Ausgang. Der Aktienmarkt hat im Vorfeld jedenfalls zugelegt. Aber auch am Anleihemarkt war zuletzt gezieltes Kaufinteresse von institutioneller Seite zu beobachten. Das hat nicht nur die lokalen Renditen gedrückt sondern auch die Kurse der in Deutschland gehandelten Türkei-Anleihen beflügelt.

          „Die Wahlen sind derzeit kurzfristig gesehen das wichtigste Ereignis. Und natürlich hoffen die Investoren dabei auf eine stabile Regierung", bestätigt Mike Bayer, Fondsmanager des Ceros Türkei 75 Plus. Die große Frage dabei ist, ob die in Umfragen deutlich führende pro-islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) mit ihrem Anführer Recep Erdogan auch nach einem Wahlsieg ihre gemäßigteren Töne und wirtschaftsfreundlichere Einstellung beibehalten wird.

          Wahlfavorit AKP gibt sich gemäßigter

          Besonders im Falle einer Zusammenarbeit mit der Republikanischen Volkspartei, der diesmal vermutlich zweitstärksten Partei, würde ein Wahlsieg der AKP viel von ihrem Schrecken verlieren. Denn das würde bedeuten, dass vermutlich der ehemalige und angesehene Wirtschaftsminister Kemal Dervis die Geschicke mitbestimmen würde.

          Aber auch ohne diesen Ausgang hat die AKP etwas von ihrem Schrecken verloren. „Die Marktteilnehmer betrachten einen Wahlsieg der AKP nicht mehr als das Ende der Welt", stellt Tunc Erdal, Fondsmanager bei der Alternatifbank fest. Ohnehin ist es so, dass der Schuldenberg von rund 210 Milliarden Dollar jeder Regierung nur geringen Handlungsspielraum lässt. Das sieht auch Beyer so, wenn er sagt: „Keine türkische Partei kann gegen den IWF regieren. Denn das würde zwangsläufig das Chaos bedeuten."

          Einen größeren politischer Risikofakton als die AKP stellt derzeit die so genannte Junge Partei von Cem Uzan dar. Die Partei des sehr populistisch und IWF-feindlich agierenden Geschäftsmannes kommt in Umfragen derzeit auf 13 Prozent der Stimmen und wäre damit die dritte Partei, welcher voraussichtlich der Sprung über die für einen Einzug in das Parlament notwendige zehn Prozent-Hürde gelingt.

          Anleger sehen vor allem die „Junge Partei" kritisch

          „Ein Parlament, in dem Uzans Partei eine starke Rolle übernimmt, wäre ein riesiges Schreckgespenst für Investoren. Vor allem internationale Anleger werden die Finger vom türkischen Markt lassen, sobald sie die Geschichte mit den Telekomausstattern hören", warnt Fondsmanager Erdal.

          Er spielt damit auf die Beschuldigungen von Motorola und Nokia an, die Uzan vorwerfen, Vorfinanzierungen von Mobilfunkausstattung akzeptiert zu haben, mit dem festen Vorsatz, die Kosten von drei Milliarden Dollar niemals zurückzuerstatten. Die beiden größten Mobilfunkausrüster haben deshalb bereits am Bezirksgericht in New York Klage erhoben. Uzan streitet die Vorwürfe ab und drehte den Spieß um. Bei einem internationalen Schiedsgericht forderte er 300 Millionen Dollar Entschädigung für die Lieferung zweitklassiger Mobilfunkausrüstung ein.

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