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Elektrotechnik : Reizvolles Übernahmeangebot für Vogt Electronic

  • Aktualisiert am

Kontrolle bei Vogt Electronic Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

9,90 Euro bietet der japanische Elektronikonzern Sumido für eine Stammaktie der Vogt Electronic. Das ist ein Aufschlag von 71 Prozent auf den Schlußkurs des vergangenen Freitags.

          Sehr begehrt dürften am Montag die Stammaktien der Vogt Electronic sein. Denn der japanische Elektronikkonzern Sumida hat ein Übernahmeangebot unterbreitet, das wahrhaft großzügig ausgefallen ist - zumindest für die Stammaktien.

          Die Sumida Holding Germany GmbH bietet, den Aktionären der Vogt Electronic AG im Wege eines freiwilligen Übernahmeangebots für die Stammaktien immerhin 9,90 Euro. Dieses Gebot liegt immerhin satte 74 Prozent über dem Schlußkurs der Vogt-Aktie vom Freitag.

          Gut für junge, schlecht für alte Aktionäre

          Nach eigenem Bekunden hat Sumida bereits durch einen Kauf- und Übertragungsvertrag mit der BfL Beteiligungsgesellschaft für Industrieunternehmen mbH, Freising, einer Gesellschaft, die vom Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Vogt Electronic AG, Werner Folger gehalten wird, den Erwerb von 29,5 Prozent des Grundkapitals sowie durch einen Kauf- und Übertragungsvertrag mit der Collona Beteiligungen den Erwerb von weiteren 8,96 Prozent des Grundkapitals gesichert.

          Die Erfüllung dieser Kauf- und Übertragungsverträge ist im wesentlichen davon abhängig, daß eine Annahmequote von 50 Prozent der Aktien an Vogt Electronic erreicht wird. In Anbetracht des großzügigen Angebots dürfte das unproblematisch sein.

          Weniger interessant ist das Angebot indes für die langfristigen Aktionäre. Im Jahr 2000 notierte das Papier noch bei 50 Euro, 2001 noch bei 37 und 2002 bei 22, bevor es zu einem brutalen Kurssturz auf im Tief zwei Euro im Jahr 2003 kam. Mit den Zähnen knirschen dürften auch diejenigen Anleger, die Anfang des Jahres zugriffen, als der Anteilsschein bei 10,15 Euro sein Jahreshoch erreicht hatte. Doch nach dem Zwischenbericht zum ersten Quartal ging es abwärts, als der Umsatz beim Hersteller von induktiven Bauelementen und Modulen sowie Baugruppen und kompletten Systemen für die Elektro- und Elektronikindustrie um 46 Prozent einbrach.

          Der Vorstand von Vogt äußerte sich zu dem Übernahmeangebot noch nicht. Man wolle erst anhand der Angebotsunterlage prüfen, welche Folgen sich aus der Transaktion für die Firma und ihre Mitarbeiter ergeben werde, hieß es in einer Pressemitteilung. Die in
          Obernzell bei Passau ansässige Firma beliefert die Elektronik- und Autoindustrie. Im Sommer hatte die Wittener Vogt-Tochter Insolvenz angemeldet. Für das Geschäftsjahr 2004/05 erwartet der Konzern erneut Verluste.

          Die kleinen Häkchen

          Weniger großzügig ist Sumida gegenüber den Vorzugsaktionären. Diesen bieten die Japaner eine Gegenleistung in Höhe von zehn Prozent über dem Mindest-Pflichtangebot liegt. Die Japaner versuchen derzeit in Europa Fuß zu fassen. Erst im Sommer scheiterten sie mit dem Versuch einer feindlichen Übernahme des schweizer Elketronikkonzerns Saia-Burgess.

          Obendrein hat das Angebot noch ein paar Häkchen. Zum einen berechtigen die Kauf- und Übertragungsverträge Sumida dazu, „auf die Bedingungen zu verzichten sowie die Annahmequote zu senken“. Das bedeutet im Klartext: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst und wer zu spät kommt, den bestraft womöglich Sumida.

          Zum anderen beabsichtigen die Japaner, daß bis zum Ablauf der für das Übernahmeangebot maßgeblichen Annahmefrist keine in der Angebotsunterlage näher beschriebenen wesentlich nachteiligen Auswirkungen (Material Adverse Change) eintreten. Diese ist allerdings noch nicht veröffentlicht, da sie zunächst noch durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht genehmigt werden muß.

          Indes liefen die ersten neun Monate nicht gut für Vogt. Der Umsatzeinbruch setzet sich fort und lag nach neuen Monaten bei nunmehr einem Minus von 41,5 Prozent. Das Vorsteuerergebnis (Ebit) rutschte mit einem Minus von 100.000 Euro nach einem Gewinn von 3,3 Millionen Euro im Vorjahr in den roten Bereich.

          Trotz der vorhandenen Risiken: Wer gerne mal spekuliert, darf ruhig mal zugreifen, auch wenn für die Aktie derzeit bereits Geldkurse von 9,40 Euro stehen.

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