https://www.faz.net/-gv6-weg3

Elektroindustrie : Philips leuchtet mit Gewinnsprung im trüben Börsenumfeld

  • Aktualisiert am

Herkömmliche Glühbirnen haben ausgedient, sie brauchen zu viel Strom Bild: dpa

Der niederländische Elektronikkonzern Philips will Aktien im Wert von fünf Milliarden Euro zurückkaufen. Das Management sieht sich mit Blick auf die „Vision 2010“ im Plan. Die Dividende wird deutlich erhöht - und die Aktie steigt.

          Die Philips-Aktie war am Vormittag der einzige Standardwert im Euro-Stoxx-50-Index, der überhaupt im Plus lag. Grund: Der niederländische Elektronikkonzern hat im abgelaufenen vierten Quartal dank Beteiligungsverkäufen wie erwartet einen Gewinnsprung hingelegt. Der Überschuss stieg von 680 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 1,393 Milliarden Euro, wie der Konzern am Montag in Amsterdam bekanntgab. Die von Thomson Financial News befragten Analysten hatten mit 1,051 bis 1,546 Milliarden Euro gerechnet.

          Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (EBITA) konnte Philips von 738 auf 865 Millionen Euro zulegen (Prognose: 799 Millionen Euro). Der Umsatz stieg von 8,128 auf 8,365 Milliarden Euro (Prognose: 8,336 Milliarden Euro). Aufgrund des guten Abschneidens plant Philips, die Dividende für das abgelaufene Gesamtjahr um 17 Prozent auf 70 Eurocent je Aktie anzuheben.

          Bestätigt wurde ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von fünf Milliarden Euro. Bereits im Dezember hatte der Konzern davon gesprochen. Das Programm soll im laufenden Jahr abgeschlossen werden. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen bei einem vorhergehenden Rückkauf bereits Anteile im Wert von 1,6 Milliarden Euro erworben.

          Die Aktie von Philips hat zuletzt deutlich nachgegeben. Der Aufwärtstrend seit 2003 wurde gebrochen. Das ist ein schlechtes Vorzeichen.

          „Vision 2010“ soll weiterhin erreicht werden

          Philips zeigte sich zuversichtlich, die für 2008 bis 2010 gesteckten Ziele erreichen zu können, die ein durchschnittliches Umsatzwachstum von sechs Prozent sowie eine Gewinnmarge von über zehn Prozent in den bestehenden Geschäften vorsehen. Dies ist bekannt als „Vision 2010“. Dies sei nicht zuletzt den anstehenden Übernahmen in den Bereichen Licht und Gesundheit, Genlyte und Respironics, zu verdanken.

          Philips ist einer der drei größten Hersteller von Krankenhausgeräten. Im Oktober hatte Philips gewarnt, dass die Medizinsparte ihre Ziele für 2007 voraussichtlich nicht erreichen werde. Hintergrund sind vor allem regulatorische Änderungen in den Vereinigten Staaten, die die Investitionen in der Gesundheitsbranche bremsen. Die Siemens-Medizintechnik wendet sich wegen der Einsparungen im amerikanischen Gesundheitswesen bereits verstärkt dem asiatischen Markt zu.

          Philips will die Medizintechnik weiter stärken, da das Unternehmen mit dieser Sparte im Rest der Welt zuletzt gute Geschäfte machte. Im Schlussquartal hatte Philips den 3,6 Milliarden Euro schweren Kauf des amerikanischen Medizintechnik-Herstellers Respironics angekündigt. 430 Millionen Euro kostet der Zukauf des auf die Gesundheitsbranche spezialisierten IT-Unternehmens Visicu.

          Philips will Beleuchtung und Konsumelektronik aufrüsten

          Die Lichtsparte will Philips parallel mit der 1,8 Milliarden Euro schweren Übernahme des amerikanischen Konzerns Genlyte stärken. Dieser Bereich profitierte in der jüngsten Vergangenheit vom Boom der Energiesparlampen. Dagegen hat sich Philips aus dem Halbleiter-Geschäft zurückgezogen. Bis Ende 2010 wollen die Niederländer sich ganz von der taiwanischen Beteiligung TSMC verabschieden. Mitte 2006 hatte Philips seine eigene Halbleiter-Sparte NXP bereits an Finanzinvestoren verkauft.

          Analyst beurteilt Zahlen als solide

          Philips habe solide Zahlen vorgelegt. Deshalb sei die Aktie kaufenswert, sagt Analyst Wing-Yen Choi von Theodoor Gilissen. Sein Kursziel: 44 Euro. Vor allem die Sparte Elektrogeräte sei gut gelaufen. Vier große Aufträge ließen die Medizintechniksparte gut aussehen. Die Aussagen des Unternehmens, wonach die Zukunft „interessant und schwierig“ werde, schienen angemessen. Die Händler dürften sich mit Blick auf Philips aber eher vorsichtig verhalten.

          Weitere Themen

          Bieter kämpfen um Osram

          Milliarden-Übernahme : Bieter kämpfen um Osram

          Der Chiphersteller AMS will die Finanzinvestoren Bain und Carlyle überbieten. Aktionäre des Lichttechnikspezialisten können daher zwischen zwei Übernahmeangeboten wählen, wenn die Finanzaufsicht grünes Licht gibt. Der Aktienkurs steigt.

          Erste Kunden erhalten Apples Kreditkarte

          Mastercard : Erste Kunden erhalten Apples Kreditkarte

          Mit dem Digitalkonzern Apple und der Investmentbank Goldman Sachs starten zwei Neulinge im Kreditkartengeschäft durch. Ihren Nutzern in Amerika bieten die Kooperationspartner einige Extras.

          Topmeldungen

          Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Willkommen in Nordirland“ steht am Straßenrand an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.

          Brexit-Streit : Auf gar keinen Fall Kontrollen

          Boris Johnson und die EU sind sich zumindest in einem Punkt einig: Grenzkontrollen zwischen Irland und Nordirland dürfen nicht sein. Doch wie soll das ohne Backstop-Klausel gehen?
          Frankfurts David Abraham (l.) und Goncalo Paciencia (r.) können Lebo Mothiba von Racing Straßburg nicht stoppen.

          Frankfurt patzt in Straßburg : Alle Hoffnung auf Teil zwei

          Eintracht Frankfurt muss um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League bangen. Im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg konnte der Bundesligist vor allem in der ersten Hälfte nicht überzeugen und verlor mit 0:1.

          F.A.Z.-Umfrage zur Lage in Hongkong : Deutsche Unternehmen meiden klare Worte

          Joe Kaeser mahnt gewaltfreien Dialog und Einhaltung des geltenden Rechts in Hongkong an. Viele deutsche Konzerne sind besorgt, drucksen aber herum – sie haben Milliarden in China investiert.
          Der gemeinnützige Verein Deutsches Tagebucharchiv e. V hat seinen Sitz in Emmendingen, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs.

          Erinnerungen : Einblicke in die deutsche Seele

          Das Deutsche Tagebucharchiv sammelt Lebenserinnerungen und Briefe jeglicher Art – von ganz gewöhnlichen Menschen. Es sind faszinierende Dokumente,die die Vergangenheit spürbar machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.