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Einzelhandel : Wal-Mart verpasst Wirtschaftsoptimisten einen Dämpfer

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Bild: FAZ.NET

Auf dem amerikanischen Konsum beruht der Wirtschaftsoptimismus vieler Anleger. Die Gewinnwarnung bei Wal-Mart könnte ihn dämpfen: Es sei „kein Geheimnis, dass vielen amerikanischen Verbrauchern das Geld vor dem Monatsende ausgehe“.

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          Mit deutlichen Kursverlusten ziehen immobilienlastige, aber auch Einzelhandelswerte den S&P 500 am Dienstag nach unten. Tagesverliererin ist im späten Handel die Aktie des Immobilienmaklers CB Richard Ellis, die 7,8 Prozent verliert, gefolgt von der des Hypothekenfinanzierers Countrywide Financial mit einem Minus von 6,6 Prozent und nicht zuletzt den Papieren des Einzelhandelsriesen Wal-Mart Stores mit einem Minus von knapp fünf Prozent auf knapp 44 Dollar.

          Damit ist die Aktie wieder einmal an den unteren Rand des nun schon seit acht Jahren anhaltenden Seitwärtstrends gefallen. Das zeugt nicht gerade von der Stärke des Unternehmens und schon gar nicht von jener des angeblich so robusten amerikanischen Konsums. Denn selbst der preisaggressive Mega-Einzelhändler muss inzwischen eingestehen, dass es damit nicht weit her ist.

          Wal-Mart senkt die Gewinnprognose für das Gesamtjahr

          Wal-Mart Stores konnte den Nettogewinn im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs zwar gegenüber dem Vorjahr um 49 Prozent steigern, ist damit aber hinter den offensichtlich zu hohen Erwartungen der Analysten zurückgeblieben. Den Gewinn bezifferte Wal-Mart auf 3,1 Milliarden Dollar oder 76 Cent je Aktie nach 2,08 Milliarden Dollar im Vorjahr.

          Die Gewinnsteigerung mag zwar optisch beeindruckend aussehen, allerdings beruht sie zu einem großen Teil auf einem Basiseffekt, der von hohen Einmalkosten von 22 Cent je Aktie wegen des Rückzuges des Konzerns vom deutschen Markt in der Vorjahresperiode ausgeht. Das ist nicht alles. Denn der weltgrößte Einzelhandelskonzern senkte die Prognose für den Jahresgewinn. Er soll nun zwischen 3,05 Dollar je Aktie bis 3,13 Dollar je Aktie etwas unter der Analystenprognose von 3,15 Dollar bis 3,23 Dollar je Aktie ausfallen.

          Der Umsatz im zweiten Quartal betrug 93 Milliarden Dollar, was einer Steigerung von 8,9 Prozent entsprach. Ihn trieb insbesondere der zunehmende Absatz von Fernsehern, Digitalkameras und neuen Computern in den Vereinigten Staaten an. Wal-Mart betreibt weltweit mehr als 7.000 Supermärkte, davon 4.100 in den Vereinigten Staaten und 930 in Mexiko. Im vergangenen Geschäftsjahr wurden knapp 78 Prozent der Umsätze in den Vereinigten Staaten erzielt, 22 Prozent stammten aus dem internationalen Geschäft.

          Dieser Schwerpunkt dürfte die weiteren Perspektiven des Unternehmens überschatten, auch wenn es versucht, die Kunden durch massive Preissenkungen zum Kaufen zu animieren. „Unser operatives Ergebnis ist nicht so, wie wir uns das vorstellen würden oder wie unsere Aktionäre das erwarten könnten“, sagte der Vorstandsvorsitzende H. Lee Scott bei der Vorlage der Bilanzdaten.

          Vielen Verbrauchern geht das Geld bereits vor dem Monatsende aus

          Es sei kein Geheimnis, dass vielen Verbrauchern das Geld bereits vor dem Monatsende ausgehe. Schuld seien neben den hohen Benzinpreisen die steigenden Zinsen und Krise am Häusermarkt in den Vereinigten Staaten. Die Bruttomarge verringerte sich von 23,6 Prozent auf 23,3 Prozent. Im Auslandsbereich stieg der Umsatz um 16 Prozent auf 21,6 Milliarden Dollar, das entspricht 23 Prozent des gesamten Umsatzes. Das stärkste Wachstum kam aus Argentinien, Brasilien und China.

          Nicht nur Wal-Mart spürt den Gegenwind der schwachen amerikanischen Konjunktur, sondern auch Home Depot, das weltgrößte Baumarktunternehmen. Denn im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ging der Umsatz um 1,8 Prozent auf 22 Milliarden Dollar zurück, der Nettogewinn fiel um 15 Prozent auf 1,59 Milliarden Dollar. Das Unternehmen rechnet bisher auch für das Gesamtjahr mit einem Gewinnrückgang von 15 Prozent vor Sondererlösen, die aus dem Verkauf von Unternehmensteilen resultieren können. Angesichts der Krise an den Kreditmärkten und der Flaute im Baubereich dürfte der Verkauf von HD Supply noch nicht in trockenen Tüchern sein. Das Geschäft mit Baubedarf in den Vereinigten Staaten dürfte auch in den kommenden Monaten mäßig verlaufen, heißt es von Seiten des Unternehmens.

          Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 13,9 und 12,5 bzw. 12,7 und 10,7 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr mögen die Aktien der beiden Unternehmen zwar optisch vernünftig bewertet aussehen. Angesichts der schwachen Konjunktur und der anhaltenden Krise im amerikanischen Immobilienbereich dürfte man sie trotzdem weiterhin kritisch betrachten müssen. Immerhin zeigen Indikatoren wie der Johnson Redbook Retail Sales Index, dass die Umsatzentwicklung auf vergleichbarer Basis schon seit Monaten unterdurchschnittlich ist.

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