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Einzelhandel : Unsichere Zukunft für die Arcandor-Aktie

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Adieu, KaDeWe Bild: ddp

„Nicht völlig besenrein, aber wohlgeordnet und aufgeräumt“, nannte der scheidende Arcandor-Chef Thomas Middelhoff den Zustand des Unternehmens. Tatsächlich macht der Konzern mehr den Eindruck einer Dauerbaustelle.

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          „Nicht völlig besenrein, aber wohlgeordnet und aufgeräumt“ übergebe er das Ruder an den neuen Vorstandschef Karl-Gerhard Eick, sagte der frühere Vorstandsvorsitzende des aus dem Karstadt-Quelle-Konzern hervorgegangenen Handelsunternehmens Arcandor, Thomas Middelhoff Mitte Februar.

          Soweit her scheint es damit aber nicht zu sein: 900 Millionen Euro braucht der Konzern in den kommenden fünf Jahren für den weiteren Umbau des Unternehmens, und zwar zusätzlich zur anstehenden Refinanzierung in diesem Jahr. Mitte Juni werden Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro fällig.

          Weiter auf Schrumpfkurs

          Nunmehr will man sich auf das Kerngeschäft konzentrieren und acht Karstadt-Filialen und die drei Luxus-Kaufhäuser KaDeWe, Alsterhaus sowie Oberpollinger ausgliedern. Ebenfalls individuell weiterentwickelt werden sollten die 115 Quelle-Technikcenter und 1500 Quelle-Shops, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehörten, erklärte Arcandor. Das Touristikgeschäft Thomas Cook hingegen „ist und bleibt Kerngeschäft von Arcandor“.

          Angesichts dieser Ankündigung drängt sich zunächst einmal die Frage auf, was Arcandor in der Ägide Middelhoff gemacht hat, wenn sich der Konzern jetzt auf sein Kerngeschäft konzentriert. Im Klartext heißt die Ankündigung eine Fortsetzung des Schrumpfungskurses, den Middelhoff seinerzeit mit der Trennung von Hertie, Sinn-Leffers, Wehmeyer, der Schließung und Verkleinerung von Karstadt-Filialen und dem Verkauf einzelner Auslandsversandhandelsbereiche eingeleitet hat.

          Refinanzierung als kritischer Punkt

          Unabhängig von allen Prognosen über die Erfolgsaussichten einer weiteren Gesundschrumpfung, der vor allem endlich einmal wieder für einen positiven Mittelzufluss sorgen soll, ist das dringendste Problem für Arcandor die Refinanzierung von 650 Millionen Euro innerhalb von nicht einmal mehr 2 Monaten.

          Schon die Refinanzierung im vergangenen September verlief nicht problemlos und die Bereitschaft der Banken weiteres Geld in Arcandor zu pumpen, und zwar mit der Aussicht in den kommenden fünf Jahren noch mehr Geld nachschießen zu müssen.

          Im September sprang Arcandor mit Sal. Oppenheim noch ein neuer Großaktionär bei. Doch dieser brachte erst jüngst selbst eine Kapitalerhöhung hinter sich und sondiert derzeit den Verkauf der BHF-Bank. Es scheint daher fraglich, ob die Bank ihr Engagement noch ausweiten will. Zuletzt führte Eick gar Gespräche in Berlin, um sich über alle Optionen staatlicher Förderprogramme zu informieren, wie ein Arcandor-Sprecher vor zehn Tagen sagte.

          Hoffen auf bessere Zeiten

          Angesichts eines Börsenwerts von nur noch knapp 450 Millionen Euro halten sich die Kursabschläge am Montag mit mehr als 3 Prozent auf 1,74 Euro in Grenzen. Die Hoffnungen der Analysten aber sind nicht groß. Die Commerzbank bezifferte ihr mittelfristiges Kursziel im Dezember auf 1 Euro, die Deutsche Bank im Februar auf 99 Cent.

          Anlegern, die nicht spekulativ orientiert sind, sollten es vorziehen, erst einmal abzuwarten, wie sich die Finanzierungssituation des Unternehmens entwickelt. Indes könnte es lange Zeit dauern, bis Arcandor wieder fest auf den Beinen steht, wenn es denn überhaupt dazu kommt. Von „aufgeräumt und wohlgeordnet“ kann angesichts des Zustand der Dauerbaustelle wohl kaum die Rede sein.

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