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Einzelhandel : Ross und Abercrombie unter amerikanischen Mode-Aktien am aussichtsreichsten

  • Aktualisiert am

Gute sind die Aussichten momentan bei Abercrombie & Fitch Bild: Associated Press, AP

Gute Umsätze auf vergleichbarer Basis im September bescherten zahlreichen amerikanischen Modehändler-Aktien am Donnerstag zum Teil deutliche Kursgewinne. Die weitere Aussichten sprechen am ehesten für die größeren Ross Stores und Abercrombie & Fitch.

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          Donnerstag war ein guter Tag an den meisten Börsen. Der Tag war so gut, daß bisweilen die Kauflust über die Stränge schlug und Aktien nach vorne brachte, bei denen man sich schon nicht mehr heimlich, still und leise nach dem Warum fragt.

          Der Anstieg des Kurses der Aktie des amerikanischen Bekleidungshändlers Ross Stores, die sich mit einem Plus von über sieben Prozent auf Platz der Zwei der Gewinnerliste des Nasdaq-100-Index schob, hatte immerhin einen greifbaren Anlaß.

          „Dress for less“

          Der September war für die Ladenkette, die außer Oberbekleidung auch Spielzeug und Haushaltsartikel anbietet, ein recht guter Monat gewesen. Auf vergleichbarer Basis stiegen die Umsätze um sechs Prozent auf 499 Millionen Dollar und damit deutlich stärker als der Durchschnitt, der für die Gruppe der Bekleidungshändler bei 1,99 Prozent gelegen hatte. Auch im Verlauf des Jahres liegt Ross mit einem Plus von fünf Prozent auf 3,25 Milliarden Dollar gut im Rennen und deutlich über dem Durchschnitt von 1,67 Prozent.

          Bild: FAZ.NET

          Ross, die sich mit dem Slogan „Dress for less“ klar im Billigpreissegment positioniert haben, konnten in den vergangenen fünf Geschäftsjahren den Umsatz im Trend beständig steigern. Besonders das im Januar zu Ende gegangene jüngste Geschäftsjahr stellte sich mit einem Umsatzplus von 16 Prozent auf 4,94 Milliarden Dollar recht erfolgreich dar.

          Weiniger gut entwickelte sich der Gewinn der Kette. Letztmalig konnte man im Geschäftsjahr 2002/2003 die Bruttomarge auf 25,56 Prozent steigern, seitdem ist sie auf 22,4 Prozent gefallen. Die Vorsteuer- und Nettomargen, die 2002/03 noch deutlich gestiegen waren, brachen 2004/05 deutlich ein und fielen unter das Niveau des Jahres 2001/02.

          Hoffnung nach schwächeren Jahren

          Einfacher Grund war ein überproportionaler Anstieg der Herstellungskosten, bedingt zum einen durch Umstellungen in der Logistik, zum anderen in der durch die Börsenaufsicht erzwungenen Umstellung der Verbuchung von Mieteinnahmen und niedrigeren Umsätzen auf vergleichbarer Basis.

          Nach dem im vergangenen Geschäftsjahr die Margen nur gehalten werden konnten, sind die robusten Umsätze auf vergleichbarer Basis im laufenden Jahr ein deutlich positives Zeichen, zumal Ross damit die eigenen und die Prognosen der Wall Street übertraf. Letztere hatten sich auf 2,3 Prozent belaufen, Ross selbst war von ein bis drei Prozent ausgegangen.

          Grund genug für Ross, die Prognosen für den kommenden Monat auf ein Umsatzplus auf vergleichbarer Basis von zwei bis vier Prozent anzuheben und 27 Cents Gewinn statt wie zuvor 24 Cents für das dritte Quartal zu prognostizieren.

          Auch charttechnische Lichtblicke

          Die Ross-Aktie hatte 2003 ihre stärkste Zeit in den vergangenen Jahren und stieg seinerzeit von 16,485 Dollar bis auf ein Allzeithoch von 32,85 Dollar. Danach schienen die Investoren die schwächeren Jahre zu wittern. Die Aktie geriet in eine Seitwärtsbewegung, die im oberen Bereich von einer deutlichen Abwärtsbewegung begleitet wurde.

          Im Oktober des vergangenen Jahres kam es dann zum ersten Ausbruchsversuchs, als die Notierung eine kurzfristige Abwärtsbewegung bei 22,71 Euro noch deutlich über dem 2004er-Tief von 21,15 Dollar beendete. Allerdings gelang der Ausbruch nach oben 2005 zunächst nicht.

          Dafür ließ sich 2006 erheblich besser an. Mit 30,50 Dollar wurde ein neues Achtzehn-Monats-Hoch erreicht, das im April noch einmal übertroffen wurde. Und das in der nachfolgenden Konsolidierung erreichte Jahrestief lag mit 22,80 Dollar zwar nur knapp, aber dennoch über dem des Vorjahres. Der Ausbruch auf 28,88 Dollar am Donnerstag macht Hoffnung, daß bei einem starken Oktober ein neues 29-Monats-Hoch erreicht werden kann. Indes ist die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 18,22 für das laufende und 15,9 für das kommende Geschäftsjahr jetzt schon nicht übermäßig günstig.

          Abercrombie & Fitch als Alternative

          Günstiger ist da unter den Gewinnern des September schon die Aktie der erheblich kleineren Wet Seal, die auf junge Damenmode setzt und mit KGVs von 17,2 und 11,3 bewertet ist. Die Aktie stürzte zwischen 2002 und Mitte 2004 bis auf 74 Cents stark ab, konnte sich dann erholen, scheiterte aber im Frühjahr beim Angriff auf ein neues Zwei-Jahres-Hoch. Derzeit läuft sie nach oben, dürfte sich aber schwer tun, neue Hochs zu erreichen.

          Auch Abercrombie & Fitch sind mit 16,6 und 13,75 günstiger als Ross, obgleich die Aktie in den vergangenen Monaten wie die meisten Modehändler stark zugelegt hat. Sie hat am Donnerstag mit einem Plus von 4,8 Prozent auf 58,78 Dollar auch ein neues Jahreshoch erreicht und nimmt Anlauf auf das Allzeithoch von 60,63 Dollar, das aus der Mitte des vergangenen Jahres stammt.

          Buckle-Aktien hingegen, die mit 16,3 und 15,6 ebenfalls preiswerter erscheinen, sind noch deutlich von alten Höhen entfernt. Bei 39,904 Dollar ist es noch ein weiter Weg bis zu 42,99 Dollar. Und nachdem der gestrige Kursschub noch nicht einmal in die Nähe des August-Hochs führte, scheinen die Aussichten für einen weiteren Kursanstieg eher wenig günstig zu sein.

          Insofern scheinen die größeren Unternehmen Abercrombie und Ross mehr Potential zu besitzen. Doch alles hängt auch davon ab, wie sich die amerikanische Konjunktur und der Konsum entwickeln. Auch wenn derzeit wieder die „Beste-aller-Welten-Stimmung“, die von robustem Wachstum und moderater Inflation ausgeht, eingekehrt ist, sollte man nicht vergessen, daß volkswirtschaftlicher Überoptimismus stets bestraft worden ist.

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