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Einzelhandel : Rally der Praktiker-Aktie könnte zu Ende gehen

Der Preis sprach zu laut Bild: dpa

Deutlich erholen konnte sich der Aktienkurs der Baumarktkette Praktiker im zweiten Halbjahr 2010. Das neue Jahr fing schwach an und die jüngsten Umsatzzahlen sprechen nicht für eine rasche Wende.

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          Die Börsengeschichte der Aktie der Baumarktkette Praktiker ist durchaus wechselhaft. Nachdem die Mutter Metro 2002 via Squeeze-Out für den Rückzug vom Parkett sorgte, stand drei Jahre später der abermalige Börsengang an.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Rund anderthalb Jahre war es eine Erfolgsstory, der Kurs kletterte von 15 Euro auf ein Allzeithoch von 34,10 Euro im Juni 2007, dann folgte ein dramatischer Absturz: eindreiviertel Jahre später war ein Anteil nur noch rund 8 Prozent wert. Danach folgte eine spektakuläre Erholung auf mehr als das Dreieinhalbfache innerhalb von sechs Monaten. Seitdem ist die Entwicklung unspektakulär.

          Drei Jahre mit Umsatzrückgang

          Dabei dürfte es wohl auch in Zukunft bleiben: Die Geschäfte der Baumarktkette laufen zwar so übel nicht, geben aber wenig Anlass dazu, auf Kurssteigerungen im Zuge großer Wachstums- und Ertragserfolge zu hoffen ebenso wenig wie auf deutliche Steigerungen der doch recht bescheidenen Dividendenrendite von 1,7 Prozent.

          Im Jahr 2010 sank der Umsatz im dritten Jahr hintereinander. Die Erlöse gingen erwartungsgemäß um 5,9 Prozent auf 3,45 Milliarden Euro zurück, vor allem weil Praktiker weniger Rabattaktionen veranstaltete. Erst im Oktober hatte Praktiker die Prognose gesenkt und für 2010 einen mittleren einstelligen Umsatzrückgang angekündigt. 2009 waren die Erlöse noch stärker zurückgegangen.

          Zu viel Rabatt in Deutschland

          Insbesondere die deutschen Praktiker-Märkte ließen im vergangenen Jahr Federn, die Marke verzeichnete mit einem Umsatzrückgang von 8,5 Prozent das größte Minus. Das Unternehmen hatte sich zur Beschränkung der populären Rabattaktionen wie „20 Prozent auf alles“ entschieden, da diese zwar viel Umsatz, aber nur wenig Ertrag brachten.

          Mit seinem neuen Konzept will das Unternehmen nicht mehr nur beim Preis punkten, sondern auch bei Qualität, Service und optischer Wahrnehmung aufholen. „Unser Anspruch ist es, vom Preisführer zum Preis-Leistungsführer zu werden“, sagte ein Sprecher. Ein Bestandteil der Strategie ist eine Eigenmarke, die Praktiker günstiger als das sonstige Sortiment, aber nicht als Billigmarke positioniert.

          Kaufzurückhaltung in Osteuropa

          Aber es ist nicht nur Deutschland, in dem das Geschäft nicht einfach ist. Praktiker war in den vergangenen Jahren stark nach Osteuropa expandiert. Das hatte sich in den Jahren der starken Wirtschaftsentwicklung bezahlt gemacht. Jetzt aber machen dem Unternehmen vor allem die teils drastischen Sparmaßnahmen der Regierungen unter anderem in Griechenland zu schaffen. Diese sorgten für eine starke Kaufzurückhaltung. Die Umsatzrückgänge in Rumänien und Griechenland seien so erheblich gewesen, dass Zuwächse in der Ukraine, in der Türkei und in Polen dies nicht hätten auffangen können. Insgesamt gingen die Erlöse im Ausland um 4,8 Prozent auf rund 1 Milliarde Euro zurück.

          Der anhaltende konjunkturelle Aufwärtstrend in einigen osteuropäischen Märkten lasse aber eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Auslandsgeschäft erwarten, sagte Vorstandschef Wolfgang Werner.

          Erst 2013 wieder bei alter Umsatzstärke

          Analysten hatten mit einem Umsatzrückgang in dieser Größenordnung gerechnet. Sie sehen allerdings den Tiefpunkt erreicht. Im Durchschnitt ihrer Schätzungen wird der Umsatz in den kommenden Jahren wieder steigen. Das Rekordniveau des Jahres 2007 soll allerdings erst 2013 wieder erreicht werden, das Niveau von 2009 auch erst im Jahr 2012. Das sind eben nicht besonders spektakuläre Aussichten.

          Angaben zur Ertragskraft wird Praktiker erst Ende März vorlegen. Analysten rechnen aber mit einem weiteren Verlustjahr, wobei sich dieser gegenüber 2009 auf rund 5 Millionen Euro mehr als halbiert haben sollte. 2011 soll es wieder Gewinne geben. Damit wäre die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von mehr als 15 auf Basis des unbereinigten Gewinns je Aktie bewertet, 2012 würde das KGV unter 10 fallen.

          Zurück Richtung 7 Euro

          Insofern könnte es noch eine Weile dauern, bis sich auch der Aktienkurs nachhaltig erholen kann. Hinzu kommt, dass die seit Juli andauernde Aufwärtsbewegung in dieser Woche einen heftigen Dämpfer erhielt, nachdem der Kurs am Mittwoch um knapp 5 Prozent fiel und somit unter die 38-Tage-Linie rutschte. Aufgrund dieser Verluste dämmte die Notierung ihre anfänglichen weiteren Verluste am Donnerstag von knapp vier Prozent ein.

          Nichtsdestoweniger fällt die Reaktion damit negativ aus. Da der Aktienkurs Anfang Dezember recht rasch gestiegen ist, spricht viel dafür, dass diese Gewinne wieder abgegeben werden und die Notierung erst einmal die Marke von 7 Euro testet.

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