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Einzelhandel : Pinault vor entscheidendem Geschäft

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Pinault-Printemps-Redoute scheint dabei zu sein, seine Kundenkreditabteilung Finaref zu verkaufen. Das wäre ein guter Schritt.

          Ein satter Kursgewinn von 8,77 Prozent auf 75,05 Euro beim französischen Einzelhandelskonzern Pinault-Printemps-Redoute (PPR) zeigt an, was passieren kann, wenn ein hoch verschuldetes Unternehmen seine Probleme anpackt. Denn der Kursgewinn beruht auf Berichten, nach dem das Unternehmen dabei ist, seine Kundenkreditabteilung Finaref zu verkaufen. Und zwar für einen guten Preis.

          Experten schätzen dessen Wert auf mindestens 3,4 Milliarden Dollar. Damit würde es dem Unternehmen auf einen Schlag gelingen, etwa die Hälfte der Nettoschulden von knapp sechs Milliarden Euro zu liquidieren. Denn vor allem die starke Verschuldung hatte die Börse in den vergangenen zwei Jahren immer skeptischer werden und die Aktie von ihrem Hoch bei 268 Euro auf gerade noch 54 Euro im Tief am neunten Oktober abstürzen lassen.

          Kreditwürdigkeit würde sich verbessern

          Mit diesem Geschäft dürfte es dem Unternehmen auch gelingen, das BBB-Rating von S&P wieder zu erlangen. Im April war PPR auf BBB- heruntergestuft worden. Vor allem auch aus Sorge darüber, dass das Unternehmen gezwungen sein könnte, die restlichen 47 Prozent an der Luxusgüterkette Gucci, die es noch nicht besitzt, übernehmen zu müssen. PPR hatte sich im Vorjahr nach einem drei Jahre währenden Streit mit der LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton darauf geeinigt, den Gucci-Anteil im März 2004 für 101,50 Dollar je Aktie zu kaufen.

          Keiner konnte sich so richtig vorstellen, wie PPR diese Last noch zusätzlich schultern wollte. Nun scheint das Bild immer klarer zu werden. Nach und nach werden verschiedene Beteiligungen abgegeben. Im August schon wurde die Büroausrüstungsabteilung für 807 Millionen Dollar an die amerikanische Staples verkauft. Nach Einschätzung von Beobachtern ist es sehr wahrscheinlich, dass PPR sich in Kürze auch von Rexel, ihrer Elektrosparte, trennen wird.

          Vorteilhafter Zeitpunkt

          Beim möglichen Verkauf von Finaref erscheint vor allem der Zeitpunkt vorteilhaft. Denn gerade in den vergangenen zwei Jahren wies der Unternehmensteil unter anderem auf Grund steuerlicher Effekte ein starkes Gewinnwachstum auf, das in Zukunft wohl nicht mehr aufrecht erhalten werden könnte. Aber das führt zu einer interessanten Bewertung. Der Nachteil dürfte allerdings sein, dass mit einem Verkauf auch diese Gewinne wegfallen. Allerdings ist dieser Effekt relativ gering im Vergleich zu Verbesserung der gesamten Finanzlage des PPR-Konzerns.

          Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas mehr als zehn für das Jahr 2003 erscheint das Unternehmen nicht überteuert zu sein. Vor allem wenn man bedenkt, dass PPR dabei ist, sich auf seine Kernaktivitäten zu konzentrieren. Mit Gucci würde es zwar unter einer länger anhaltenden Konjunkturflaute leiden. Aber die Aktie könnte mit dem Verkauf von Finaref allein deswegen interessant sein, weil PPR genügend Mittel hätte, um Spekulanten zu zwingen, im Zusammenhang mit Gucci eingegangene Leerverkäufe einzudecken. Sollte der „Deal“ zu Stande kommen und gleichzeitig die Stimmung an der Börse stimmen, dürfte die Aktie weiteres Potenzial haben. Allerdings nur dann.

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