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Einzelhandel : Konsum-Aktien von Kaufzurückhaltung gebremst

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Die Verweigerung der Konsumenten macht Einzelhandels-Aktien das Leben schwer. Der anhaltende Konsumfrust dürfte daran vorerst nichts ändern.

          Die neuesten Zahlen aus dem deutschen Einzelhandel waren ein echter Schuss vor den Bug. Mit einem inflationsbereinigten Minus von 6,0 Prozent sind die Umsätze im November regelrecht eingebrochen. Und was noch schlimmer ist als der stärkste Rückgang der vergangenen drei Jahre: Bis auf weiteres ist keine nachhaltige Besserung in Sicht.

          So hat der Einzelhandelsverband seine Prognose für den Umsatz der Branche im Jahr 2003 auf ein Minus von 1,5 Prozent revidiert und ist damit verglichen mit dem bisher erwarteten Minus von 0,5 Prozent sogar noch pessimistischer geworden.

          Schlechte Voraussetzungen für eine baldige Konsumlust

          Für die Aktien aus dem Konsumsektor sind das natürlich keine guten Vorboten. Sie hatten zuletzt zwar vereinzelt eine Bodenbildung versucht, aber ein echtes Durchstarten der Kurse ist vor dem Hintergrund des trüben Konsumklimas nicht unbedingt zu erwarten. Am Dienstag fallen Branchenvertreter wie Metro im Sog der Hiobsbotschaft jedenfalls um 4,4 Prozent auf 23,16 Euro und KarstadtQuelle um 4,7 Prozent auf 16,01 Euro.

          Wie schlecht die Lage ist, zeigt sich nicht nur daran, dass selbst ein gut geführtes „Schlachtross“ wie Douglas nach einem Tagesminus von fast sechs Prozent mit 16,33 Euro nahe am Rekordtief notiert, sondern auch daran, dass laut einer Umfrage aus der Vorwoche vier von fünf Deutschen Einsparungen bei ihren Konsumausgaben vornehmen wollen.

          Diese Haltung ist vor dem Hintergrund einer sich weiter eintrübenden Lage am Arbeitsmarkt ebenso wenig verwunderlich wie angesichts der Tatsache, dass auf Grund von Abgabenerhöhungen das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte in diesem Jahr vermutlich um ein 3/4 Prozent sinkt.

          Konsumenten europaweit verunsichert

          Den Einzelhandelsaktien ist auch deshalb im Vergleich mit anderen Branchen keine überragende Kursentwicklung zuzutrauen, weil die Konsumflaute kein reines deutsches Phänomen mehr ist. Inzwischen geben sich die Verbraucher europaweit zurückhaltender, was sich auch in einem im Dezember auf ein fünfeinhalb Jahrestief abgerutschtes Verbrauchervertrauen manifestiert.

          Die Kaufverweigerung der Verbraucher mündet in einem harten Konkurrenzkampf unter den Anbietern. Mit was für harten Bandagen gekämpft wird, zeigt sich in immer neuen Rabattaktionen und Preisnachlässen. Für den einen oder anderen Anbieter mag dies im Gewinn von Marktanteilen resultieren, unter dem Strich bleibt aber vor allem ein erheblicher Margendruck zu konstatieren.

          Man darf daher gespant sein, wie die Gewinne der Unternehmen im abgelaufenen Jahr ausgefallen sind. Erste hinweise wird es schon in Kürze geben. Denn ab Donnerstag beginnen die ersten Gesellschaften mit der Veröffentlichung erster Umsatzzahlen für das Jahr 2002.

          Konsum-Aktien sehnen das Ende der Konsumflaute herbei

          Da die Erwartungshaltungen bereits deutlich zurückgeschraubt wurden, mag es dem einen oder anderen Einzelhändler dank Spar- und Rationalisierungsanstrengungen vielleicht sogar gelingen, bei der Ergebnisvorlage nicht vollends zu enttäuschen. Ein vom Branchenverband HDE für das Vorjahr erwarteter Rückgang bei den Umsätzen von rund drei Prozent ist aber bestimmt nicht der Stoff, aus dem Börsianerträume gemacht werden. Mit den Aktien von Branchenvertretern wie Metro, KarstadtQuelle, Douglas, Carrefour, Escada, Boss, Danone oder LVMH ist deshalb bis auf weiteres vermutlich nicht das ganz große Geld zu verdienen.

          Zum Vorteil gereicht diesen Titel aber immerhin, dass sie nach den herben Verlusten der vergangenen Jahre inzwischen oftmals günstige Bewertungsrelationen aufweisen. So ist Douglas zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter zehn zu haben und die Dividendenrendite beträgt etwas mehr als fünf Prozent. Vorzüge wie diese werden die Einzelhandelswerte aber vermutlich erst dann richtig ausspielen können, wenn sich ein Ende bei der momentan vorherrschenden Konsumunlust der Verbraucher abzeichnet.

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