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Einzelhandel : Körbers Abgang treibt Metro-Aktie

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Führungswechsel: Eckhard Cordes (r) rückt bei Metro nach vorne, Hans-Joachim Körber (l) geht Bild: ddp

Neue Hoffnung auf einschneidende Änderungen nach dem Abschied von Vorstandschef Hans-Joachim Körber dürften den Kurs der Metro-Aktie auch künftig antreiben. Doch ob sich die eingepreisten Erwartungen erfüllen lassen, ist derzeit offen.

          Die Aktie des Einzelhandelskonzerns Metro hat in den vergangene Wochen immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Zunächst gab es wenig erklärbare Kursanstiege, wie am 23 und 24. August, als der Kurs um knapp vier Prozent anzog, während der Dax praktisch unverändert blieb. Dafür wurden alle möglichen Erklärungen präsentiert, die vor allem der Phantasie der Anleger entsprangen.

          Wenige Tage später klärten sich die Zusammenhänge, als der Großaktionär Haniel bekannt gab, seine Beteiligung auf 34,24 Prozent der Stimmrechte aufgestockt zu haben, so dass das Familienunternehmen damit zum größten Einzelaktionär wurde.

          Großaktionäre greifen schneller durch als erwartet

          Zwar gab Haniel gleichzeitig bekannt nicht weiter zukaufen zu wollen, für einen spektakulären Kursanstieg von 4,5 Prozent langte dies allemal. Am Donnerstag wird dieser jedoch bei weitem überboten, liegt doch die Notierung 7,6 Prozent im Plus bei 67,57 Euro und damit so hoch wie seit dem Mai 1999 nicht mehr.

          Ursache ist die fast schon begeistert aufgenommene Tatsache, dass Haniel und die Familie Schmidt-Ruthenbeck als weiterer Metro-Großaktionär, die ihre Interessen nach eigenem Bekunden gebündelt haben, anscheinend schnell durchgreifen.

          Denn nach nunmehr sechs Jahren als Vorstandsvorsitzender wird Hans-Joachim Körber, dessen Vertrag eigentlich noch bis zum März 2009 lief, das Unternehmen vorzeitig verlassen. Nachfolger wird der ehemalige Mercedes-Chef Eckhard Cordes zusätzlich zum Vorstandsvorsitz bei Haniel diesen Posten auch bei Metro übernehmen.

          Dass Körber bei Metro mittelfristig ausscheiden würde, war zwar erwartet worden, nicht aber, dass dies so rasch erfolgen würde. Cordes gelte als guter Sanierer. Ihm sei eher zuzutrauen, für Kaufhof und Real die richtigen Weichen zu stellen, heißt es bei Börsianern.

          Probleme bei Real und Kaufhof nicht zufriedenstellend gelöst

          Vor allem aber ist der Schritt Wasser auf die Mühlen der Anhänger der schon länger grassierenden Aufspaltungsthese. Cordes hatte in einem Interview mit der F.A.Z. vor wenigen Wochen klar gestellt, dass man ohne Tabus alle wertsteigernden Maßnahmen und strategischen Optionen prüfen, darüber entscheiden und diese umsetzen werde.

          Körber hatte Metro während seiner Ägide zwar deutlich vorangebracht. Vor allem machte er den Konzern zu einem der internationalsten Handelsunternehmen überhaupt und führte es auf Platz drei in der Branche hinter Wal-Mart und Carrefour.

          Doch nicht alles gelang, im Gegenteil wuchsen die Probleme gerade in Deutschland. Die Kette Real litt unter Skandalen um umetikettiertes Fleisch und andauernden Verlusten, die Tochter Galeria Kaufhof unter der Kaufunlust der Verbraucher und schleppenden Geschäften.

          Das Jahr 2006 war zwar das wachstumsstärkste seit 1998 und auch Real erzielte nach einem Minus von zwölf Millionen Euro im Vorjahr einen Betriebsgewinn von 45 Millionen Euro. Doch war dies fast ausschließlich Sondereffekten zu verdanken, ohne die nur eine magere Million unter dem Strich gestanden hätte.

          Durchwachsenes erstes Halbjahr

          Die Galeria-Kaufhof-Warenhäuser, konnten ebenso wie Real zwar den Umsatz gegenüber 2005 steigern, blieben aber hinter denen des Jahres 2004 zurück. Indes konnte Körber den Anstieg des Betriebsergebnisse um 18,1 Prozent auf 82 Millionen Euro immerhin als Erfolg der Kostenoptimierung verbuchen.

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