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Einzelhandel Amerika : Durch Kostensenkung zu höheren Gewinnen

  • -Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Einzelhändlern wie Gap und Dell ist es gelungen, durch drastische Kostensenkungen angesichts rückläufiger Erträge höhere Gewinne zu verbuchen. Andere Unternehmen dürften weniger Glück haben.

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          Dank rechtzeitigem Zuschneidern schnellten die Aktien von Gap am 21. November um 27 Prozent in die Höhe, obgleich die Umsätze des Einzelhändlers um 8 Prozent einbrachen. Grund für die positive Reaktion war eine weitere Runde erfolgreicher Kostensenkungen bei Gap. Das Unternehmen konnte trotz der Zurückhaltung, mit der die Verbraucher in den Läden von Gap, Banana Republic und Old Navy Geld ausgeben, seine Gewinne ankurbeln.

          In der gesamten Wirtschaft verfolgen die Unternehmensleitungen ähnliche Strategien. Da wohl eine schlimme Rezession im Anzug ist und die Erträge sinken, sind die Unternehmen gezwungen, sich durch Kürzungen höhere Gewinne zu sichern.

          Einige Analysten prognostizieren, dass Gap seine Gewinne auch im kommenden Jahr weiter steigern kann, obwohl die Erträge rückläufig sind. Letzten Endes jedoch, glauben viele Analysten, muss Gap einen Weg finden, die Dollars der Käufer zu erhalten, statt durch Kontrolle des Warenbestands, Verringerung des Immobilienbesitzes oder andere Maßnahmen Kosten zu senken.

          Bild: F.A.Z.

          Eine kurzfristige Strategie

          „Obgleich uns das Kostenmanagement beeindruckt, fragen wir uns weiterhin, wie bei nachlassenden Umsätzen und angesichts einer trüberen Aussicht für die Wirtschaft im Jahre 2009 ein langfristigeres, nachhaltiges Gewinnwachstum erzielt werden kann“, schrieb Dana Cohen, Analystin bei der Banc of America.

          Viele andere Unternehmen ergreifen ähnliche Maßnahmen zur Kostensenkung, die häufig große Kündigungswellen beinhalten. So konnte auch Dell im vergangenen Quartal trotz fallender Umsätze seine Gewinne steigern. Der Computerhersteller gab an, im vergangenen Jahr 11.000 Stellen gestrichen zu haben.

          „Es ist eine notwendige, aber kurzfristige Strategie“, meint Dan Genter, Vorstandsvorsitzender von RNC Genter. Wenn ein gewisser Punkt überschritten ist, sagt er, wird nicht mehr nur das Fett vom Budget weggeschnitten, sondern es geht ans Eingemachte.

          Gut für Starbucks

          Für einige Unternehmen können sich Kostensenkungen als gesunder Prozess erweisen, der sie für künftiges Wachstum rüstet. Greg Estes, Portfoliomanager bei Intrepid Capital Management, führt als Beispiel das Unternehmen Starbucks an, das derzeit seine weniger profitablen Coffee-Shops schließt, nachdem es mehrere Jahre lang zu schnell gewachsen ist (Starbucks: Kolumbianische Kaffeebauern planen Einstieg). „Wenn sich die Rahmenbedingungen wieder positiver entwickeln, wird das Unternehmen mit besseren Margen und Laden-Portfolios besser aufgestellt sein“, meint Estes.

          Estes glaubt jedoch, dass es mit einigen Ausnahmen allgemein sehr schwierig ist, über einen Zeitraum von mehr als vier Quartalen signifikante Kostensenkungen vorzunehmen. Auch wenn man seine Gewinnmargen erhöht, wird man letztlich am gesamten Unternehmen kürzen.

          Wann sind die Kürzungen von Dauer?

          Der Finanzsektor ist das eklatanteste Beispiel für dauerhafte Kostensenkungen dieser Art. Angesichts einer finanziellen Krise und einer schwierigen Wirtschaftslage nehmen Finanzunternehmen drastische Kostensenkungen vor, drosseln Ausgaben und Sozialleistungen und entlassen hunderttausende Mitarbeiter - manchmal im Zuge einer Fusion mit schwächeren Konkurrenten, manchmal auch nicht.

          So könnte etwa die Citigroup, die am 24. November ein Rettungspaket der amerikanischen Regierung erhalten hatte, „letztlich ein Schatten ihrer selbst sein“, sagt Genter. Wie andere Finanzunternehmen ist auch die Citigroup mit dem Problem der Fremdfinanzierung konfrontiert, erklärt er. Da sie ihr Geschäft auf geliehenes Geld gründete, ist ihr Verlust frappierender und dauerhafter, wenn dieser Fremdkapitalanteil schwindet.

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