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Einzelhandel : Aktie von American Eagle gilt es noch zu entdecken

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Trotz des eingetrübten Verbrauchervertrauens brummt bei American Eagle Outfitters das Geschäft. Mit seinem Ausblick übertrifft das Unternehmen die Prognosen um bis zu 87 Prozent. Die Aktie ist frisch im Aufwärtstrend, aber nicht billig.

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          In den Vereinigten Staaten haben bisher auch um gerade die Konsumenten die Konjunktur gestützt. Die Sparquote beträgt gerade einmal drei Prozent, während sie in Deutschland auf elf Prozent gestiegen ist, also elf Cent je Euro auf die hohe Kante gelegt wird. In jüngster Zeit leidet das Verbrauchervertrauen in Amerika jedoch zunehmend unter dem Mangel an neuen Jobs. Gleichwohl brummen bei Einzelhändlern wie Gap die Geschäfte - bei American Eagle Outfitters laufen sie sogar erheblich besser als von Marktbeobachtern erwartet.

          Das Unternehmen hat am Mittwoch den Markt mit einer Gewinnprognose entzückt, die um bis zu 87,5 Prozent über den Schätzungen der Analysten liegt. Im Zuge eines kräftigen Kursanstiegs seit Dezemer, der parallel zu den steigenden Verkäufen verlaufen ist, hat sich der Titel Ende Februar aus dem Abwärtstrend verabschiedet und soeben eine wichtige Charthürde genommen - und damit technische Kaufsignale gesendet. Allein die anspruchsvolle Bewertung trübt das Bild etwas ein.

          Verkäufe zuletzt im Durchschnitt um 11,5 Prozent gesteigert

          American Eagle Outfitters konnten am Mitwoch nachbörslich zulegen, nachdem sie im regulären Handel vor Bekanntgabe der Prognose etwas abgegeben hatten. Die Aktie verteuerte sich um 4,3 Prozent auf 28,10 Dollar, da das Unternehmen mit seinem Ausblick auf das erste Quartal die Erwartungen des Marktes übertroffen hat. Der Bekleidungseinzelhändler erwartet nun ein Ergebnis von 0,25 bis 0,30 Dollar je Aktie, während sich die Konsensschätzungen bisher auf 0,16 Dollar je Titel beliefen. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum 2003 betrug der Gewinn je Aktie ganze neun Cent.

          Der Anstieg der Prognose erklärt sich aus den stark gestiegenen Umsätzen des Einzelhändlers, der im Januar die Verkäufe in seit mehr als einem Jahr bestehenden Läden um 11,6 Prozent, im Februar um 15 Prozent und im März um knapp acht Prozent gesteigert hat. Daraus errechnet sich eine durchschnittliche Steigerung von 11,5 Prozent.

          Im vergangenen Jahr hatte American Eagle Outfitters dagegen mit sinkenden Verkäufen zu kämpfen. In Zuge dessen verminderte sich der Jahresgewinn von 87,7 Millionen Dolla auf 60 Millionen Dollar oder 83 Cents je Aktie nach 1,22 Dollar je Anteilsschein. Daraus errechnete sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 19,7 gemessen am Aktienkurs zum Jahresende.

          Unternehmen muß Wachstumstempo beibehalten

          Seit Jahresbeginn hat sich das Bild in zweifacher Hinsicht gewandelt: Zum einen hat sich die Geschäfts- und Ertragslage erheblich gebessert - zweitens hat der Titel auch in diesem Zeitraum an der Börse um 67 Prozent zugelegt. Dies spiegelt sich in der Bewertung wider. Wenn der in Aussicht gestellte Quartalsgewinn auf das Gesamtjahr umgerechnet wird, ergibt sich ein KGV von 23,4. Und das ist gewiß nicht günstig, sondern ambitioniert. Denn Mitbewerber Gap kommt auf ein KGV von 17,4, wächst indes auch nicht so stark wie American Eagle Outfitters. Die Bewertung des führenden Händlers von Qualitäts-Jeans, T-Shirts und Accessoires zu günstigen Preisen ist damit ein Minuspunkt, und das Unternehmen muß das Wachstumstempo aufrechterhalten, um das KGV zu rechtfertigen. Die extreme Anhebung der Prognose legt nahe, daß es sich dies zutraut. Bei Analysten hat es einen guten Ruf: 14 von ihnen raten zum Kaufen der Aktie, zwölf zum Halten und nur zwei zum Verkaufen.

          Trotz der anspruchsvollen Bewertung dürfte der von deutschen Anlegern bisher vernachlässigte Titel noch Potential haben, nachdem er sich im Aufwärtstrend etabliert und den Widerstand bei 27 Dollar und die darauf folgende Hürde bei 28 Dollar genommen hat. Dieser Sprung kommt einem weiteren technischen Kaufsignal gleich, was ihn interessant macht. Wenn er auch die Hürden bei 28,51 Dollar nehmen könnte, wäre der Weg bis knapp 30 Dollar frei. Bis dorthin zu laufen, entspräche einem Kursgewinn von 6,7 Prozent. Doch in dieser Region dürfte dann die Luft wegen der Bewertung dünn werden.

          Mit Blick auf Aktien amerikanischer Bekleidungshändler ist aber zu bedenken, daß diese mitunter stark vom Saisongeschäft abhängen, das auch und gerade davon abhängt, ob der Anbieter mit seinen Produkten den Geschmack der Kundschaft trifft. Hier daneben zu liegen, kann zu einem raschen Verfall des Aktienkurses führen, wie vor gut einem Jahr bei Gap geschehen.

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