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Technische Analyse : Einzelaktien-Baisse in einer Gesamtmarkt-Hausse

  • Aktualisiert am

Die Dax-Anzeigetafel an der Frankfurter Börse Bild: Reuters

Anleger sollten im eigenen Depot aufräumen. Aktuell gehören besonders die Aktien verkauft, bei denen aufgrund der abermaligen relativ schwachen Kursentwicklung eine grundlegende mittelfristige technische Eintrübung vorliegt.

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          Der Dax und der M-Dax haben im Sommer 2014 ihre vorherigen, zweieinhalbjährigen technischen Hausse-Trends in Seitwärtspendelbewegungen verlassen. Da diese zunächst weiterhin bestehen sollten, kommt es - analog zu früheren vergleichbaren Börsenphasen - zu einer klassischen Aufspaltung bei der Kurstendenz sowohl bei den Sektoren als auch bei den Einzelwerten.

          Mit Blick auf den Dax, M-Dax und Tec-Dax gehören damit besonders die Aktien auf die technische Verkaufsliste, bei denen aufgrund der abermaligen relativ schwachen Kursentwicklung eine grundlegende mittelfristige technische Eintrübung vorliegt. Im Dax sind hierbei die Werte Deutsche Lufthansa und Lanxess zu nennen. Im M-Dax fallen in diesem Zusammenhang Hochtief, Leoni, Metro, Rheinmetall und Südzucker auf. Aus dem Tec-Dax gehören die Werte Pfeiffer Vacuum und Software AG dazu.

          Der Chemiekonzern Lanxess, der im Jahr 2005 durch die Abspaltung ausgewählter Chemieaktivitäten aus dem Bayer-Konzern hervorgegangen ist, startete im April 2009 eine technische Bilderbuch-Hausse. Nach dem Verlassen der damaligen Bodenformation - ausgehend von Kursen um 10,30 Euro - ergab sich ein Kursaufschwung bis zu Kursen um 64,10 Euro. Im Anschluss an die technische Zwischenbaisse im dritten Quartal 2011 (Kursrutsch bis auf 31,30 Euro), wurde die alte technische Hausse-Bewegung wieder aufgenommen, allerdings mit einem deutlich geringeren Aufwärtsmomentum.

          Zum Jahreswechsel 2012/13 war die Aktie dann unterhalb der Widerstandszone um 70 Euro (bisherige historische Höchstkurse) in eine Seitwärtspendelbewegung hineingelaufen, die den technischen Charakter einer Top-Formation aufweist. Seit dem übergeordneten Verkaufssignal vom März 2013 (Verlassen der Top-Formation und Abschluss der vorherigen, insgesamt vierjährigen Hausse-Bewegung) befindet sich Lanxess in der Baisse-Bewegung. Der erste, steile mittelfristige Abwärtstrend führte die Aktie bis zum Juli 2013 auf Kurse um 42,40 Euro.

          Die Zwischenerholung, die sich in den Folgemonaten als Teil der Seitwärtspendelbewegung ergeben hatte, führte den Wert bis auf ein Niveau um 56,70 Euro. Als Konsequenz wird die aktuelle Baisse-Bewegung damit von einem Baisse-Trend, dessen Trendline zurzeit bei etwa 52 Euro liegt, begrenzt. In den letzten Monaten war Lanxess bereits wieder mit Hilfe eines intakten, kurzfristigen Abwärtstrends bis an die mittelfristige, gestaffelte Unterstützungszone von 42 Euro bis 45,50 Euro zurückgefallen. Begleitet durch die abermalige Kursschwäche der letzten Handelstage, besteht die technische Gefahr, dass Lanxess diese Unterstützungszone nicht verteidigen kann. Da bei der Aktie weiterhin die technischen Hinweise für eine bereits bevorstehende, tragfähige Bodenformation fehlen, bleibt Lanxess ein technischer Verkauf beziehungsweise Tausch in attraktivere technische Werte.

          Der Rüstungs- und Automobilzuliefererkonzern Rheinmetall gehört zu den wenigen M-Dax-Aktien, die sich seit dem Jahr 2007 nur in einer übergeordneten Seitwärtspendelbewegung mit einem negativen langfristigen Grundton befinden, während der Index eine technische Bilderbuch-Hausse durchlaufen hat. Ausgehend von Kursen um 76,90 Euro (Mai 2007), wird diese Seitwärtspendelbewegung von einem leicht fallenden, langfristigen Trend, der aktuell bei etwa 57 Euro liegt, begrenzt. Die Aktie von Rheinmetall hatte zusätzlich vom Herbst 2011 bis zum Herbst 2013 einen Trading-Markt mit der Unterstützungszone um 30 Euro und der gestaffelten Widerstandszone ab 42 Euro herausgebildet.

          Erst zum Jahreswechsel 2013/14 hatte die Aktie diese sehr ausgeprägte relative Schwäche gegenüber dem M-Dax kurzfristig verlassen und war mit Hilfe eines Aufwärtstrends bis an die langfristige, moderat fallende Abwärtstrendlinie herangelaufen. In den letzten Wochen hat Rheinmetall, das wegen des Tausches von Industriebeteiligungen aktuell in der Diskussion steht, aber bereits wieder neue, technische Verkaufssignale geliefert und sich aus technischer Sicht den Status der mittelfristigen Relativen Schwäche gegenüber dem M-Dax zurückerobert. Da die neuen Verkaufssignale die technische Gefahr eines abermaligen Rückfalls bis in die Nähe der Unterstützungszone um 30 Euro andeutet, bleibt die Aktie ein technischer Verkauf.

          Die Aktie der Software AG befindet sich in einem intakten Abwärtstrend
          Die Aktie der Software AG befindet sich in einem intakten Abwärtstrend : Bild: F.A.Z.

          Im Tec-Dax hat die Aktie der Software AG seit Jahren mit einem Baisse-Trend zu kämpfen, der in den letzten Wochen aus technischer Sicht noch an Stabilität gewonnen hat. Zunächst war diese Aktie seit dem Kurstief im Oktober 2008 (um 9,20 Euro) in einer Bilderbuch-Hausse bis zum Juli 2011 auf ein Preisniveau von 44,50 Euro gestiegen. Ausgehend von diesem Niveau, waren die Notierungen um-geschlagen, und die Software AG ist in eine technische Baisse eingetreten.

          Diese wird von dem zentralen Baisse-Trend, der aktuell bei etwa 27,50 Euro liegt, begrenzt. Diese gesamte Baisse-Bewegung in der Aktie kann in drei technische Phasen unterteilt werden. Zuerst ergab sich der steile, mittelfristige Abwärtstrend, der die Software AG von Juli 2011 bis Oktober 2011 auf ein Kursniveau um etwa 21,50 Euro gebracht hat. Die zweite technische Phase besteht aus einer mittelfristigen Seitwärtspendelbewegung mit der Kernhandelsspanne zwischen der Unterstützung um etwa 22 Euro und der Widerstandszone ab 32 Euro. Seit dem Jahreswechsel 2013/14 war die Aktie zusätzlich in eine engere Handelsspanne zwischen 24 und 28 Euro hineingelaufen.

          Begleitet von neuen Unternehmensdaten, ist die Aktie in den letzten Handelstagen in die dritte technische Phase, einen neuen mittelfristigen Abwärtstrend hineingedrückt worden. Die neuen technischen Verkaufssignale haben den Titel sowohl aus der kurzfristigen wie auch aus der mittelfristigen Handelsspanne nach unten herausgeführt, so dass sich die seit über drei Jahren bestehende Baisse weiter fortsetzt. Bevor es keine technischen Hinweise auf den Eintritt in eine Bodenformation gibt, bleibt die Software AG damit ein technischer Verkauf.

          Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporates & Markets.

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