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Ein Jahr nach Ende der Krise : Der Aktienmarkt hat sich verändert

  • -Aktualisiert am

Wo geht die „Kursreise” hin? Bild: AP

Ein Jahr nach der Krise haben sich die Aktienindizes deutlich erholt, doch die Ängste der Anleger sind noch nicht ausgestanden. Sehen Sie selbst, wie sich die Rahmenbedingungen für Anleger in den vergangenen 12 Monaten gewandelt haben.

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          Im vergangenen Jahr hat sich mehr für die Anleger geändert als der Wert ihres Portfolios. Wie etliche Kennzahlen zeigen, herrschen heute ganz andere Bedingungen an den Finanzmärkten als am 9. März 2009, als die 17-monatige Talfahrt des Aktienmarktes, die den Wert des breiten Aktienindexes S&P 500 mehr als zur Hälfte vernichtet hatte, endlich zu Ende ging.

          „Die Leute vergessen, in welch desolater Verfassung sich der Aktienmarkt damals befand“, meint Martha K. Pomerantz, Investment-Chefin bei Lowry Hill Investment Advisors. Der S&P 500 brach von Oktober 2007 bis März vergangenen Jahres um 57 Prozent ein. „Nur sehr wenige Anleger wagten damals, ihr Geld weiter arbeiten zu lassen“, sagt sie

          Seit dem 9. März vergangenen Jahres ist der S&P 500 wieder um 66 Prozent gestiegen. (Dennoch liegt der Index nach wie vor 28,3 Prozent unter dem Rekordhoch von 1565,15 Punkten, das er am 9. Oktober 2007 erreicht hatte.)

          Obgleich sich die Kurse erholt haben, hat die Berg-und Talfahrt des Marktes tiefe Spuren hinterlassen. Auch andere Marktindikatoren führen vor Augen, wie stark sich die Rahmenbedingungen am Aktienmarkt im Laufe des vergangenen Jahres gewandelt haben. Die neuen Gegebenheiten zeigen sich sowohl an der Volatilität der Aktien, als auch an der Anlegerstimmung und der relativen Performance verschiedener Aktientypen.

          1. Volatilität

          Der SPX-Volatilitätsindex der Chicago Board Options Exchange, auch VIX genannt, misst die implizite Volatilität des S&P 500, also dessen Schwankungsbreite von Tag zu Tag oder von Minute zu Minute.

          Der VIX lag in den ruhigen Jahren von 2004 bis 2006 durchschnittlich bei 13,7 Prozentpunkten. Am 20. November 2008 jedoch erreichte er einen Rekordstand von 80,9 und hielt sich im vergangenen März bei über 40. Seither „hat er sich kontinuierlich nach unten bewegt“, meint Todd Colvin, Vice-President von MF Global. Als beruhigender Einfluss erwiesen sich aggressive Maßnahmen der US-Notenbank Federal Reserve und des amerikanischen Finanzministeriums, die Colvin als „staatliches Sicherheitsnetz“ bezeichnet. Der VIX schloss am 4. März bei 18,8.

          Vor einem Jahr vollzogen die Aktien als Reaktion auf die täglichen Schlagzeilen ein wildes Auf und Ab. Die jüngsten Nachrichten über finanzwirtschaftliche Probleme in Europa oder schwache amerikanische Wirtschaftsdaten hatten nicht den gleichen Effekt, meint Bruce Bittles, Chef-Investmentstratege bei Robert W. Baird. „Der Markt konnte viele schlechte Nachrichten absorbieren“, sagt er.

          2. Amerikanische versus internationale Märkte

          Vor einem Jahr nahmen die Ökonomen an, dass wirtschaftliche und finanzielle Probleme die Vereinigten Staaten belasten und den Rest der Welt zu einem fruchtbareren Boden für Anlagen machen würden. Nun „stehen die Vereinigten Staaten im Vergleich zu den internationalen Märkten besser da“, meint Dave Hinnenkamp, Chief Executive bei KDV Wealth Management.

          Im Jahr 2009 hinkten amerikanische Aktien dem Rest der Welt hinterher. Der MSCI-EAFE-Index, ein Maß für Aktien in Industrieländern außerhalb der Vereinigten Staaten und Kanada, legte im vergangenen Jahr 27,8 Prozent zu und der MSCI-Emerging-Markets-Index schoss um 74,5 Prozent in die Höhe. Der S&P 500 stieg 2009 um 23,45 Prozent.

          Allerdings konnte der S&P 500 im Jahr 2010 bislang 0,7 Prozent zulegen, während die anderen beiden Indizes an Boden verloren haben. Der MSCI EAFE büßte 2,7 Prozent ein und der MSCI-Emerging-Markets-Index gab 2,3 Prozent nach. Teilweise ist dies auf die neuerliche Stärke des amerikanischen Dollars zurückzuführen, stellt Hinnenkamp fest, während auch die Kreditkrise in Griechenland die europäischen Märkte erschüttert hat. Hinnenkamp und Pomerantz empfehlen langfristigen Anlegern dennoch eine solide internationale Portfolioausrichtung, insbesondere im Hinblick auf asiatische Länder, die bessere Wachstumsperspektiven und eine niedrigere Schuldenlast aufweisen als die Vereinigten Staaten oder Europa.

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