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EADS-Aktie : Die Bundesregierung verdient prächtig mit

Bild: dpa

Rund 38 Milliarden Euro ist EADS, der europäische Konzern für Luft-, Raumfahrt und Verteidigung, heute wert, etwa 60 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. In Paris und Berlin freut man sich darüber.

          Eigentlich war die deutsche Staatsbeteiligung nur zur Wahrung des Gleichgewichts mit Frankreich gedacht. Ende vergangenen Jahres entschied sich Deutschland, 12 Prozent der Aktien von EADS zu kaufen und damit ungefähr so viel wie die Franzosen haben. Welch gutes Börsengeschäft das werden würde, hatten damals wohl nur wenige geahnt. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kaufte ihr Aktienpaket zwischen Ende November und Anfang Dezember 2012. Seither hat sich der Kurs um rund 85 Prozent erhöht, was für die KfW einen Kursgewinn von knapp 3 Milliarden Euro gebracht haben dürfte. Angela Merkel hat offenbar auch als Fondsmanagerin ein glückliches Händchen.

          Von Boeing-Börsenwert noch weit entfernt

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Rund 38 Milliarden Euro ist der europäische Konzern für Luft-, Raumfahrt und Verteidigung heute wert, etwa 60 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Vom Erzrivalen Boeing mit seinem Börsenwert von umgerechnet 64 Milliarden Euro ist EADS damit noch ein gutes Stück entfernt. Doch bei den Amerikanern wiegt seit langem das Verteidigungsgeschäft schwerer. Wie lange dies noch der Fall sein wird, ist angesichts der erwarteten Haushaltskürzungen in den Vereinigten Staaten indes fraglich. Amerika wird als der größte Rüstungsmarkt der Welt immer das Schwergewicht der Verteidigungsbranche bleiben, doch die Wachstumsraten dürften sich abschleifen. In Europa ist das erst recht der Fall. Der EADS-Vorstandsvorsitzende Tom Enders hat schon klargemacht, dass er auf europäischer Ebene in den nächsten 10 bis 15 Jahren kein wichtiges verteidigungspolitisches Projekt erwartet.

          Die einstige Vision seines Vorgängers Louis Gallois, bis 2020 das Konzerngeschäft außerhalb der zivilen Luftfahrt auf einen Anteil von 50 Prozent des Gesamtumsatzes zu heben, ist längst aufgegeben. In der ersten Hälfte 2013 waren es gerade einmal 30 Prozent. Die zivile Luftfahrt wächst einfach zu schnell, daher wird sich das Unternehmen im kommenden Jahr in „Airbus“ umtaufen.

          Dem Börsenwert ist der Kursschwenk gut bekommen, und dabei meinen etliche Analysten, dass die Aktie noch Luft nach oben habe. „In Bezug auf den geschätzten Gewinn ist EADS die billigste Aktie unter den zivilen Luftfahrtunternehmen Europas“, meint David Perry von JP Morgan Cazenove. Der Gewinn je Aktie könnte zwischen 2012 und 2017 um 20 Prozent wachsen, erwartet der Analyst und erinnert daran, dass Airbus in dieser Woche erstmals in die Boeing-Bastion Japan eingedrungen ist. Auf dem japanischen Markt hatte der europäische Hersteller zwar zuvor schon einige Dutzend Aufträge einheimsen können, doch beim prestigeträchtigen Statthalter Japan Airlines (JAL) ist er nun erstmals Kunde geworden.

          Airbus im Steigflug

          Airbus hat im September gut abgeräumt, 170 neue Bestellungen kamen hinzu. So zählt das Unternehmen mit Hauptsitz in Toulouse seit Jahresbeginn 1062 Nettobestellungen und liegt damit um 20 Prozent vor den Boeing-Auftragseingängen. Zum Vergleich: Anfang dieses Jahres hatte Airbus noch 600 Neubestellungen erwartet, dann stieg die Prognose auf 800, um erst Ende Juli auf 1000 zu klettern. Doch auch diese Grenze ist jetzt schon durchbrochen. Auch die Auslieferungen erhöhten sich in diesem Jahr um 10 Prozent auf 445 Maschinen.

          Die EADS-Aktie notierte am Mittwoch auf rund 48 Euro. Das Papier ist „Opfer seines eigenen Erfolges geworden“, meint Ben Fidler, Analyst der Deutschen Bank, und erinnerte daran, dass das aktuelle Aktienrückkaufprogramm von EADS bei Überschreiten der 50 Euro-Grenze pausieren soll. Das Unternehmen hat die Deckelung beschlossen, als es im April 2013 begann, im großen Stil Aktien zurückzukaufen. Die Dividenden waren bei EADS jahrelang spärlich ausgefallen, und der Konzern sitzt auf hohen Geldbeständen. Daher wollte man den Aktionären etwas Gutes tun. Von den vorgesehenen Ausgaben über bis zu 3,75 Milliarden Euro sind bislang 1,91 Milliarden Euro an die Aktionäre gegangen. Was passiert, wenn der Kurs dauerhaft über 50 Euro steigt? Zu dieser Frage will sich EADS derzeit nicht festlegen, denn das Unternehmen habe sich 18 Monate Zeit für das Aktienrückkaufprogramm gegeben.

          „Das Programm läuft nach wie vor weiter, und wir ziehen erst am Ende des nächsten Jahres Bilanz - nach Ablauf der 18 Monate“, sagte ein EADS-Sprecher am Mittwoch. Die Aktionäre indes hätten gerne mehr Klarheit, denn sie glauben, dass Fusionen und Akquisitionen nach dem gescheiterten Versuch mit BAE System kein Kurstreiber mehr sein können. „Die Dividende zu erhöhen wäre auch eine begrüßenswerte Option“, meint Analyst Fidler.

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