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E-Commerce : Charttechnik spricht gegen die Aktie von CTS Eventim

  • Aktualisiert am

WM-Tickets: Riesengeschäft für CTS Eventim Bild: ddp

Ein Rekordhalbjahr verzeichnete der Eintrittskartenhändler CTS Eventim. Ursache war, wie nicht anders zu erwarten, das Geschäft mit Karten für die Fußball-WM. Doch die Charttechnik spricht gegen die gut bewertete Aktie.

          So richtig überraschen konnte der Ticketverkäufer CTS Eventim am Donnerstag nicht, auch wenn das Unternehmen das beste Halbjahresergebnis seit Börsengang verzeichnete. Denn angesichts der im zweiten Quartal begonnenen Fußball-Weltmeisterschaft wäre eben das Gegenteil eine Nachricht gewesen.

          Den Anlegern scheint es indes egal zu sein. Im Umfeld eines leicht schwächeren SDax notiert die Aktie mit einem Plus von drei Prozent am Mittag an der Spitze der Kursgewinner.

          Starke Gewinnsteigerungen dank der WM

          Unter anderem der Verkauf von Eintrittskarten für die Fußball-Weltmeisterschaft führte bei CTS Eventim im ersten Halbjahr dazu, daß der Konzerngewinn um 57 Prozent auf 14,5 Millionen Euro bzw. das Ergebnis je Aktie von 38 Cent im Vorjahreszeitraum auf 60 Cent stieg. Der Umsatz habe dabei um 29 Prozent auf 186,8 Millionen Euro zugelegt, das Betriebsergebnis (Ebit) um 45 Prozent auf 30,1 Millionen Euro. Die Ebit-Marge betrug 16,1 Prozent nach 14,3 Prozent im Vorjahr. Das operative Ergebnis (Ebitda) wuchs um rund 46 Prozent auf 33,5 Millionen Euro.

          Die Fußball-WM sei zwar ein Ausnahmegeschäft gewesen, profitiert habe CTS im ersten Halbjahr aber auch von einer Vielzahl von Konzerten wie etwa von Xavier Naidoo, Depeche Mode und Bon Jovi sowie einigen Rockfestivals, hieß es.

          Das Unternehmen wickelte den Verkauf der rund 3,2 Millionen Eintrittskarten für die Fußball-WM äußerst erfolgreich ab: Erstmals bei einer WM konnten alle 64 Spiele ausverkauft und die Stadien zu 99,98 Prozent besetzt werden - ein einmaliger Wert. „Wir haben unseren Bekanntheitsgrad im In- und Ausland deutlich gesteigert und unsere Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt“, erklärte Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg.

          Immer mehr Tickets werden online gekauft

          Allgemein kommt dem Unternehmen zugute, daß sich der Kauf von Eintrittskarten immer stärker ins Internet verlagert. In den ersten sechs Monaten des Jahres verzeichneten die Online-Portale Eventim und Getgo laut Unternehmensmeldung rund 53 Millionen Musik- und Eventfans nach 40 Millionen im Vorjahr. Die Zahl der verkauften Tickets stieg trotz des starken Fokus im Juni auf die Fußball-WM und dem dadurch bedingten Verzicht auf Vorverkaufsstarts neuer Tourneen um 33 Prozent auf zwei Millionen Karten.

          Dieser Vertriebsweg werfe höhere Renditen ab als der herkömmliche Ticketverkauf. Im kommenden Jahr will der Anbieter die Hälfte seiner angebotenen Karten über das Internet verkaufen.

          Für das laufende Jahr bekräftigte das Unternehmen, daß man die Vorjahreswerte bei Gewinn und Umsatz übertreffen werde. CTS-Chef Schulenburg verspricht sich von der Übernahme der Schweizer TicTec weiteres Wachstum. „Wir werden das Unternehmen
          zielstrebig ausbauen und die Marktanteile signifikant erhöhen“, erklärte er. Auch in Österreich, den Niederlanden und Osteuropa wolle das Unternehmen sein Geschäft ausweiten. Daneben plane CTS, auch in Spanien und Italien auf dem Markt für Veranstaltungskarten aufzutreten.

          Charttechnik spricht gegen die Aktie

          Durch die Fußball-WM kam das Unternehmen auch auf neue Ideen. Nachdem die Widerverkaufs- und Übertragungsplattform für das Organisationskomitee gut funktionierte, soll im September die Wiederverkaufsplattform „Fansale.de“ starten, auf der Konzert- und Sporttickets angeboten und erworben werden können.

          Die Aktie des Unternehmens ist auf Basis der Analystenschätzungen für das laufende Jahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 und für das kommende Jahr von 17,5 bewertet. Das erscheint in Anbetracht des starken Gewinnwachstums im ersten Halbjahr zunächst angemessen, doch sollte man die Sondereffekte der Fußball-WM dabei nicht außer Acht lassen. Erst in den kommenden Quartalen wird sich erweisen, welche nachhaltig positiven Effekte die Veranstaltung für CTS Eventim erbracht hat.

          Das zeigt sich auch darin, daß die Analysten im laufenden Jahr eine Gewinnsteigerung je Aktie von 73 Prozent für das kommende Jahr aber nur von 14 Prozent einkalkulieren. Die zwischen Anfang 2003 und März 2006 gut gelaufene Aktie, die sich in diesem Zeitraum von 59 Cent auf 28 Euro hocharbeitete, erlebte im Mai einen deutlichen Einbruch, dem zu Monatsbeginn ein zweiter folgte, offenbar weil die TicTec-Übernahme nicht gut ankam.

          Diesen zweiten Einbruch hat das Papier trotz der Kurssteigerung vom Donnerstag bislang noch nicht wieder wettgemacht und so lediglich den kurzfristigen Abwärtstrend nach oben durchbrechen können. Daher erscheint die charttechnische Lage nicht allzu günstig. CTS Eventim wird darum mehr aufbieten müssen, um aus dem seit April gültigen Abwärtstrend herauszukommen. Auf der positiven Seite wurde die Widerstandszone bei 20 Euro bestätigt, so daß Hoffnung besteht, daß die Aktie sich wenigsten fängt.

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