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DWS-Manager im Interview : „Kauft jetzt deutsche Aktien!“

  • Aktualisiert am

Henning Gebhardt leitet das Aktienteam der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Bild: Norbert Müller

DWS-Manager Henning Gebhardt erwartet, dass der Dax noch weitere Rekorde erzielt. Die deutschen Firmen sind so stark wie nie.

          6 Min.

          Herr Gebhardt, ein Dax-Rekord jagt den nächsten. Geht das nun immer so weiter, oder droht bald ein heftiger Crash?

          Ich kann Sie beruhigen. Auch wenn es in diesem Jahr natürlich immer mal wieder Ausschläge in beide Richtungen geben wird - nichts deutet derzeit auf einen plötzlichen Crash hin. Stattdessen sollten sich die Anleger freuen, schließlich erleben wir doch gerade eine Phase mit sehr ordentlichen Kursgewinnen.

          Das ist es ja gerade, was viele beunruhigt.

          Aber von Euphorie oder gar Überhitzung kann an der Börse aktuell doch keine Rede sein. Gerade in Deutschland fehlt es an jeglicher Begeisterung für die Aktie. Ihr Ruf ist schlecht. Sie wird nicht als Beteiligung an einem Unternehmen angesehen, sondern als ein Wertpapier, dessen Kurs vor allem schwankt.

          Dass Ihnen als Aktienfondsmanager das nicht passt, liegt auf der Hand.

          Darum geht es nicht. Ich finde einfach bedauerlich, welche Renditechancen sich gerade die Deutschen entgehen lassen, indem sie auf Aktien verzichten. Die Aufwärtsbewegung, die wir derzeit besonders beim Dax beobachten können, hat nämlich einen ganz fundamentalen Grund: Die Gewinne der Firmen entwickeln sich gut. Das ist eine solide Basis für weitere Kurszuwächse und gerade kein Grund, sich vor Aktien zu fürchten.

          Wie gesagt: Rekorde an der Börse machen die Menschen misstrauisch.

          Der Punkt ist doch: Der Dax befindet sich vor allem deswegen auf einem Rekordstand, weil bei seiner Berechnung die Dividenden berücksichtigt werden. Ohne diese Besonderheit wäre der Index von seinem Höchstwert weit entfernt. Weniger technisch ausgedrückt: Wenn man die aktuelle Lage an Europas Börsen mit dem Auf und Ab der Jahreszeiten vergleichen würde, würde ich sagen: Wir befinden uns gerade im Frühsommer.

          Soll heißen: Die beste Zeit an der Börse kommt erst noch.

          Dafür spricht einiges. Es gibt Unterstützung für die Märkte: Nicht etwa allein durch die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken, wie es oft heißt. Nein, es geht Europas Firmen mittlerweile einfach deutlich besser. Natürlich hat es außerordentlich lange gedauert, bis sich der Kontinent von der schweren Rezession des Jahres 2009 erholt hat. Amerika war da wesentlich schneller. Aber entscheidend ist: Der Aufschwung, den wir derzeit an Europas Börsen erleben, ist von einer besonderen Qualität. Ich vergleiche das gerne mit einer Schildkröte: Sie bewegt sich langsam, hat aber eine ungeheure Ausdauer. Das erwarten wir auch für Europas Aktienmärkte.

          Ihr Optimismus in Ehren, aber es vergeht kein Tag ohne neue Nachrichten aus Griechenland. Geht davon keine Gefahr aus?

          Niemand vermag zu sagen, was genau in den nächsten Monaten passieren wird. Doch im Gegensatz zur ersten Griechenland-Krise 2010 haben wir nun eine ganz andere Ausgangslage. Die Marktteilnehmer könnten jetzt deutlich besser mit einem möglichen Austritt Griechenlands umgehen als noch vor ein paar Jahren. Damals gab es die Furcht vor dem totalen Zusammenbruch. In so einer Situation reagiert der Markt immer sehr verunsichert - weil sie ihn unvorbereitet trifft. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. Darum gehe ich davon aus, dass Griechenland keine große Aufregung an den Börsen mehr auslösen wird.

          Angenommen, Sie haben recht und die Lage bleibt ruhig: Welche Aktien sollten Anleger dann kaufen? Europäische oder amerikanische?

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