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Dow-Jones-Index : Das Kuriosum unter den Marktbarometern

  • -Aktualisiert am

Schreckenstag an der Wall Street: Am 19. Oktober 1987 stürzt der Dow-Jones-Index um 23 Prozent Bild:

Der Medienkonzern News Corp. erwägt den Verkauf der Indexsparte von Dow Jones. Das könnte große Veränderungen für den berühmten Aktienindex bedeuten. Sogar ein neuer Name ist im Gespräch.

          4 Min.

          Der Dow Jones Index, das wahrscheinlich bekannteste Aktienbarometer der Welt, steht möglicherweise vor großen Veränderungen. Am Samstag hatte das „Wall Street Journal“ berichtet, dass der zum Medienkonzern News Corp. gehörende Wirtschaftsverlag Dow Jones & Co. einen Käufer für seine Indexsparte sucht. Als Interessenten wurden der amerikanische Indexanbieter MSCI, der amerikanische Börsenbetreiber Nyse Euronext und der Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg LP genannt. Kommt es zu einem Verkauf, müssen sich die neuen Besitzer der Sparte, die neben dem Dow Jones zahlreiche andere regionale oder branchenspezifische Aktienbarometer anbietet, Gedanken über die weitere Zukunft des Index machen. Denn das seit 113 Jahren bestehende zweitälteste Börsenbarometer der Welt ist trotz seiner großen Bekanntheit ein Kuriosum in der Finanzwelt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Wer heute vom Dow Jones spricht, meint den 30 Werte umfassenden Dow Jones Industrial Average, der Ende Mai 1896 vom Journalisten und Mitgründer des Verlags Dow Jones, Charles Dow, erfunden wurde. Im Gegensatz zu den meisten anderen Aktienindizes wird das Gewicht der einzelnen Komponenten im Dow Jones Industrial Average nicht vom jeweiligen Börsenwert oder dem Gesamtwert der frei handelbaren Aktien bestimmt. Beim Dow sind die Aktienkurse entscheidend für die Entwicklung.

          Disqualifizierung als Komponente des Dow

          Das gilt auch für dessen Schwesterindizes, den 1884 erfundenen Index für Transportwerte Dow Jones Transportation Average und den Versorgeraktienindex Dow Jones Utility Average, der das Trio seit 1929 vervollständigt. Das höchste Gewicht im Dow hat daher aktuell der Computerkonzern IBM mit einem Kurs von rund 120 Dollar. Anschaulich wird dieser Unterschied am Vergleich von IBM mit dem großen Mischkonzern General Elec-tric (GE). In Indizes, die sich wie etwa das amerikanische Standardwertebarometer Standard & Poor’s (S&P) 500 am Börsenwert orientieren, sind IBM und GE in etwa gleich gewichtet. IBM kommt derzeit auf einen Börsenwert von 157 Milliarden Dollar, GE auf 151 Milliarden Dollar. Im Dow Jones Industrial hat IBM aber eine ungleich größere Bedeutung. Weil der Aktienkurs von GE nur etwas über 14 Dollar liegt, ist das Gewicht von IBM dort achteinhalbmal so groß.

          Um auf den Indexwert zu kommen, hatte Charles Dow die Kurse der zunächst zwölf Titel im Dow Jones zusammengezählt und durch 12 dividiert. Auch heute noch wird er ähnlich berechnet. Geändert haben sich seither nur die Zahl der Indexmitglieder. Auch ist ein Divisor hinzugekommen, der Indexveränderungen, Aktiensplits sowie Dividendenzahlungen Rechnung trägt. Aktuell steht der Divisor bei 0,13. Effektiv ist der Wert also ein Multiplikator. Das erklärt, dass der Dow bei rund 9500 Punkten liegt, obwohl die Summe der Aktienkurse aller Werte nur bei rund 1235 Dollar liegt. Eine Kursbewegung um 1 Dollar bei den Aktien des Dow entspricht derzeit einer Indexbewegung um 7,6 Punkte. Der Wert des Divisors wurde zuletzt nach der jüngsten Rotation Anfang Juni angeglichen. Damals waren der Autohersteller General Motors (GM) und das angeschlagene Kreditinstitut Citigroup aus dem Dow Jones entfernt worden. Neu aufgenommen wurden der Versicherer Travelers und der Technologiekonzern Cisco. GM fiel aus dem Index, weil der Konzern einen Konkursantrag gestellt hatte. Das disqualifiziert einen Konzern umgehend als Komponente des Dow. Die Citigroup verschwand, weil der amerikanische Staat nach mehreren Kapitalspritzen eine Beteiligung von rund einem Drittel der Aktien halten wird.

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