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Dow Jones auf 5-Jahres-Hoch : Die Aktienmärkte gehen auf Rekordjagd

  • -Aktualisiert am

Sattes Plus: Der Dow Jones steigt auf ein neues 5-Jahres-Hoch Bild: dpa

Das Interesse der Privatanleger ist wieder erwacht: Die Optimisten an der Börse beginnen, größere Risiken einzugehen und von Anleihen in Aktien umzuschichten. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.

          3 Min.

          Anleger an den internationalen Finanzmärkten gehen auf ihrer Jagd nach höheren Renditen größere Risiken ein. In Amerika stieg der Dow-Jones-Index in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Das populäre Marktbarometer ist keine 4 Prozent mehr von einem Rekordhoch entfernt. Gleichzeitig sackte das Angstbarometer VIX, das die erwarteten Schwankungen der Aktienkurse anhand von Optionspreisen auf den Index S&P 500 misst, auf den niedrigsten Stand seit April 2007. Der deutsche Aktienindex Dax beendete die Woche trotz düsterer Konjunkturaussichten für die heimische Wirtschaft ebenfalls leicht im Plus. In Japan kletterte der Nikkei-225-Index auf den höchsten Stand seit April 2010, weil eine weitere geldpolitische Lockerung schon vor der Sitzung der Bank of Japan am Anfang dieser Woche als beschlossen gilt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Wegen der europäischen Staatsschuldenkrise machen sich die Anleger immer weniger Sorgen. Auktionen spanischer und italienischer Staatsanleihen stießen in der vergangenen Woche auf rege Nachfrage. „Das Auftragsbuch ist dick gefüllt“, beschrieb Chiara Cremonesi, Anleihestrategin der Bank Unicredit, das Interesse an den italienischen Anleihen mit einer Laufzeit von 15 Jahren und einem Kupon von 4,75 Prozent. Das ist nur wenig mehr als der Zinssatz von 4,5 Prozent, der Investoren im September 2010 - vor der Eskalation der Krise - genügte. „Die Zahlen sprechen Bände darüber, wie positiv die Marktkonditionen für die Peripherieländer des Euroraums momentan sind“, sagte Cremonesi.

          Wiedererwachtes Interesse von Privatanlegern

          Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, hatte kürzlich von einer Normalisierung der europäischen Finanzmärkte gesprochen. An den Devisenmärkten führte der davon angeregte Risikoappetit zum Rückzug aus klassischen Fluchtwährungen wie dem Schweizer Franken oder dem japanischen Yen. Beide Währungen sackten in der vergangenen Woche gegenüber dem Euro auf das niedrigste Niveau seit 2011. An den Aktienmärkten machte das Schlagwort von der „großen Rotation“ die Runde, das Michael Hartnett, der Chef-Anlagestratege der Bank of America Merrill Lynch geprägt hatte. Gemeint ist damit die seit Monaten erwartete Umschichtung aus vermeintlich sicheren Anleihen in Risikopapiere wie Aktien.

          In der ersten Woche des Jahres waren nach Angaben des amerikanischen Fondsbranchenverbandes ICI fast 15 Milliarden Dollar in amerikanische Aktienfonds geflossen. Davon entfielen 8 Milliarden auf Fonds, die in Nordamerika anlegen, der Rest floss in international ausgerichtete Anlagevehikel. Das unterstreicht ein wiedererwachtes Interesse von Privatanlegern an Aktien, eine Investorengruppe, die die seit vier Jahren anhaltende Hausse weitgehend verpasst hat. Im vergangenen Jahr hatten Anleger nämlich überwiegend Vermögen aus Aktienfonds abgezogen. „Ich glaube, die große Rotation hat in Bezug auf Geldflüsse und Renditen bereits begonnen“, sagt Hartnett. Allerdings haben auch Rentenfonds in der ersten Woche des Jahres mehr als 7 Milliarden Dollar eingenommen, berichtet das ICI. Obwohl die Daten einer Woche keine Trendumkehr belegen, rechnen auch andere Profianleger mit einer Umschichtung. „Das wird ein Faktor für den Aufschwung der Aktienkurse in diesen Jahr sein, solange die Stimmung nicht wieder sehr negativ wird“, glaubt Brian Rogers, der bei der großen Fondsgesellschaft T.Rowe Price aus Baltimore die Anlagen verantwortet.

          „Ordentlicher Aufschwung und vernünftige Bewertungen“

          Für das Risiko eines drastischen Stimmungsumschwungs ist immer Washington gut, wo im Kongress bald Gespräche über die Anhebung der gesetzlichen Obergrenze für die Staatsschulden anstehen. Am Freitag deutete sich allerdings ein Kompromiss an. Die Republikaner, die größte Fraktion im Repräsentantenhaus, haben eine zeitweilige Erhöhung der Schuldengrenze für drei Monate in Aussicht gestellt. Allerdings müssten Senat und Repräsentantenhaus in dieser Zeit einen Haushalt verabschieden. Die Republikaner fordern eine spürbare Reduzierung der Staatsausgaben, um das Haushaltsdefizit zu verringern. Vor anderthalb Jahren hatte ein bitterer Streit um die Schuldengrenze zu Turbulenzen an den Finanzmärkten geführt, weil die Ratingagentur Standard&Poor’s deswegen die Bonität der Vereinigten Staaten herabstufte.

          Abgesehen von politischen Unwägbarkeiten rechnet Rogers angesichts eines „ordentlichen Wirtschaftsaufschwungs, vernünftiger Bewertungen und anständiger Dividenden“ mit steigenden Aktienkursen in diesem Jahr. In der kommenden Woche dürften die Bilanzen der amerikanischen Unternehmen im Mittelpunkt stehen, die bisher gemischt ausfielen. Nach einem Feiertag am Montag wird am Mittwoch der Computerkonzern Apple seine Quartalszahlen veröffentlichen. Der Aktienkurs des Börsenschwergewichts hatte wegen Gerüchte um eine schwache Nachfrage nach dem Multimediahandy iPhone allein in der vergangenen Woche um 4 Prozent nachgegeben.

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