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„Double-Dip“ : Die Angst vor dem nächsten Loch

Bild: F.A.Z.

Die Gefahr einer zweiten Rezession ist nicht gebannt. Anleger können sich darauf einstellen. Das kostet aber Rendite.

          Es ist bemerkenswert: Selbst eher unwichtige Konjunkturindikatoren aus Amerika lassen derzeit die weltweiten Aktienmärkte auf Talfahrt gehen. Die Schwankungen zeigen: Die Investoren sind dünnhäutig geworden. Ihnen sitzt die Angst im Nacken. Die Angst hat einen Namen: „Double Dip“.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Begriff, der fast putzig klingt, bedeutet „doppelter Niedergang“ oder „doppelte Rezession“ und ist Investors Albtraum: Ökonomen bezeichnen damit eine Rezession, die sich zum zweiten Mal zurückmeldet.

          Risikoszenario

          Der „Double Dip“ ist zum Synonym geworden für die Angst, dass die Finanzkrise doch noch nicht vorbei sein könnte. Die Konjunkturkurve (siehe Infografik) verläuft dabei wie ein „W“: Eine starke Abwärtsbewegung der Wirtschaft wird abgelöst von einem Aufschwung, der aber bedauerlicherweise nur kurz ausfällt - danach geht es wieder abwärts.

          Der amerikanische Wirtschaftsprofessor Barry Eichengreen hat als einer der Ersten davor gewarnt. Mittlerweile ist „Double Dip“ zum feststehenden Begriff selbst in den regelmäßigen Konjunkturprognosen geworden. „Es ist ein Risikoszenario“, sagen die meisten Volkswirte. Sie meinen damit: Es muss nicht eintreffen, aber es stellt eine Gefahr dar, mit der man sich auseinandersetzen sollte.

          „Man kann das nicht völlig ignorieren“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. So hat die Landesbank Hessen-Thüringen - eher nicht bekannt für Stimmungsmache und Schwarzseherei - die Wahrscheinlichkeit für einen „Double Dip“ gerade von 10 auf 30 Prozent hochgesetzt. Ähnlich schätzt die Fondsgesellschaft Union Investment die Gefahr ein.

          Durch die Krise angeschlagen

          Wie genau die Rezession zurückkommen könnte, darüber haben die Ökonomen unterschiedliche Theorien. Gemeinsam ist ihnen die Grundvoraussetzung: Die Finanzkrise hat die Welt in angeschlagenem Zustand hinterlassen. Die Banken haben noch Schrottpapiere in ihren Büchern. Immer mal wieder gibt es Phasen, in denen sich Banken gegenseitig kaum Geld leihen. Das bremst auch die Kreditvergabe an Unternehmen.

          Zugleich lässt die Krise auch die Staaten in ramponiertem Zustand zurück. Sie mussten die Banken retten und die Konjunktur stützen. Dafür machten sie hohe Schulden, die sie nun schwächen - zum Teil mehr als jemals zuvor.

          „In Europa sind die Finanzmärkte - und auf die kommt es an - derzeit sehr angespannt“, sagt Joachim Scheide, Konjunkturexperte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Wenn es den europäischen Staaten nicht gelinge, die Schuldenkrise an der Peripherie des Euro-Raums in den Griff zu bekommen, könne daraus eine zweite Welle der Finanzkrise entstehen.

          Infarktpatient unter Stress

          Aber auch die gegenteilige Entwicklung, das synchrone Sparen in fast allen Industrieländern, könnte zum „Double Dip“ führen. „Eine solche synchrone Konsolidierung ist in der jüngeren Geschichte einmalig“, schreiben die Volkswirte der Bank Unicredit, die sich in einer Studie mit der Gefahr der doppelten Rezession befassen. Schließlich laufen im nächsten Jahr die meisten Konjunkturprogramme aus, die 2009 und 2010 die Wirtschaft ankurbelten. Zugleich beginnen in vielen Staaten wie in Deutschland Sparprogramme.

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