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Im Wahlkampf : Trump gegen Apple

Donald Trump: „Tim Cook lebt in einer Scheinwelt“ Bild: AFP

Die populärste ausländische Aktie deutscher Privatanleger kommt an der Börse nicht vom Fleck – und hat jetzt auch noch mit Donald Trump zu kämpfen.

          Zwischen den beiden streitlustigen New Yorker Milliardären Carl Icahn und Donald Trump gibt es Potential für eine handfeste Auseinandersetzung. Der Grund: Apple. Hedgefondsmanager Icahn ist Großaktionär des kalifornischen Elektronikkonzerns, wettet auf steigende Aktienkurse und drängt deswegen auf höhere Ausschüttungen für Anteilseigner. Immobilienunternehmer Trump, der amerikanischer Präsident werden will und schon zwei von bisher drei Vorwahlen der republikanischen Partei gewonnen hat, rief dagegen zum Boykott aller Produktes von Apple auf.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Trump, der bislang selbst gerne auf seinem Apple-Smartphone twitterte, stellte sich damit in der aktuellen Debatte um Privatsphäre und nationale Sicherheit auf die Seite der amerikanischen Bundespolizei FBI. FBI-Direktor James Comey hat Apple in einem öffentlichen Brief aufgefordert, Sicherheitsfunktionen im Dienst-iPhone eines der beiden Attentäter von San Bernardino zu deaktivieren. Zwei islamistische Terroristen hatten in der südkalifornischen Stadt im Dezember 14 Menschen erschossen.

          Das FBI erhofft sich von der Überprüfung des Handys Hinweise auf andere Terroristen. Apple-Vorstandschef Tim Cook weigert sich mit dem Argument, dass damit die Datensicherheit der Kunden aufs Spiel gesetzt werde. Der verbale Schlagabtausch zwischen Regierungsvertretern und Apple ist in den vergangenen Tagen eskaliert. Das Justizministerium, das Apple zur Kooperation mit den Behörden zwingen will, warf Apple vor, aus Marketinggründen Widerstand gegen eine entsprechende Anordnung zu leisten. Apple wies diese Vorwürfe zurück und schlug die Einrichtung eines Ausschusses vor, um Fragen der nationalen Sicherheit und von Bürgerrechten einmal grundsätzlich zu erörtern.

          Sollte Apple-Chef Cook auf diese Weise tatsächlich mehr iPhones verkaufen wollen, ist es möglicherweise der falsche Plan. Nach einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center stellen sich 51 Prozent der befragten Amerikaner in der Debatte auf die Seite der Regierung. Nur knapp zwei Fünftel der Befragten sagen, dass Apple bei der Suche nach potentiellen Terroristen auf Datenschutz beharren sollte. Dazu hat es derzeit potentiell negative Auswirkungen, wenn Unternehmen ins Schussfeld von Trump kommen.

          Positiv für Apple?

          „Tim Cook lebt in einer Scheinwelt. Ich würde ihn so stark zusammenstauchen, dass ihm noch auf dem ganzen Weg zurück ins Silicon Valley schwindlig ist“, sagte der für markige Sprüche bekannte Kandidat. Trump war Apple schon vor der FBI-Kontroverse wegen der Produktion im Ausland angegangen. Sollte er Präsident werden, würde er dafür sorgen, dass Apple „anfängt, ihre verdammten Computer und Dinge in diesem Land zu bauen“.

          Börsianer scheint die Debatte zu verunsichern. Zwar glauben einige Investoren, dass die Debatte positiv für Apple sei, weil das Unternehmen freie Werbung bekommt und Leute erreicht, denen Datensicherheit am Herzen liegt. Sollte Apple aber von der Regierung verklagt oder als unamerikanisch gebrandmarkt werden, könnte das den Aktienkurs belasten.

          Der Aktienkurs der gemessen am Börsenwert größten amerikanischen Aktiengesellschaft steht trotz der jüngsten Rekordergebnisse seit geraumer Zeit unter Druck. Analysten befürchten, dass das Wachstum der iPhone-Absätze im laufenden Geschäftsjahr erstmalig nachlassen wird.

          Beliebteste ausländische Aktie

          Bei der jüngsten, allgemeinen Erholung der Börsenkurse blieb Apple außen vor, obwohl die Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 als vergleichsweise günstig gelten. Der breit gefasste Aktienindex S&P 500 liegt in diesem Jahr nur noch mit knapp 5 Prozent, die Aktien von Apple jedoch um 8 Prozent im Minus. Im Vergleich zum Rekordhoch von fast 135 Dollar aus dem vergangenen Jahr ist der Aktienkurs von Apple um 28 Prozent auf zuletzt knapp 95 Dollar abgestürzt. Am Dienstag eröffnete die Apple-Aktie abermals überdurchschnittlich schwach.

          Bei den generell als Aktienmuffel bekannten deutschen Kleinanlegern ist Apple dennoch die beliebteste ausländische Aktie. Gemessen am Umsatz stand Apple im vergangenen Jahr an der auf Privatanleger fokussierten elektronischen Börse Tradegate in Berlin jeden Monat an der Spitze der ausländischen Aktien. „Damit wäre Apple so gut wie immer unter den Top 5 der deutschen Werte gelandet“, sagte ein Sprecher der Deutschen Börse.

          Als potentieller Finanzminister gehandelt

          Deutsche Anleger müssen bei einer Anlage in Apple auch den Dollarkurs im Auge behalten. Wertet der Dollar wie in diesem Jahr gegenüber dem Euro ab, schmälert das ihre Kursgewinne. Für längerfristig engagierte deutsche Anleger hat die Aufwertung des Dollars auf Sicht der vergangenen 12 Monate aber die Verluste reduziert. Positiven Einfluss auf die Kursentwicklung könnte die Vorstellung eines neuen, kleineren iPhone haben, die für Mitte März erwartet wird.

          Analyst Amit Daryanani von RBC Capital Markets kalkuliert für das Geschäftsjahr 2016 mit zusätzlichem Umsatz von 5,5 Milliarden Dollar. Das würde Carl Icahn gut in den Plan passen, auch wenn der Hedgefondsmanager im vierten Quartal seine Beteiligung an Apple etwas reduziert hat. Aber möglicherweise kommt alles anders – wenn sich Icahn nicht mit Trump verkracht. Icahn hatte Trump seine Unterstützung im Wahlkampf zugesagt. Sollte Trump tatsächlich Präsident werden, wird Icahn als Finanzminister gehandelt. Dann müsste er seine Apple-Aktien ohnehin verkaufen.

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